Ringen
Hergiswil ist im Abstiegsstrudel

Titelverteidiger Willisau besiegt Hergiswil im Luzerner Derby. Die Napfringer müssen um den Ligaerhalt bangen.

Simon Gerber
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Die Hergiswiler (Tomas Wisler, unten) mussten sich dem Favoriten Willisau (Dimitar Sandov) beugen.

Die Hergiswiler (Tomas Wisler, unten) mussten sich dem Favoriten Willisau (Dimitar Sandov) beugen.

Wenn sich zwei Nachbarn wie die Willisauer Lions und Hergiswil auf der Ringermatte duellieren, ist die Rivalität kaum zu überbieten. Die Emotionen gehen immer wieder hoch. Das war auch beim 40. Duell vor 450 Zuschauerinnen und Zuschauern in Willisau nicht anders. Für zahlreiche Beobachterinnen und Beobachter ist dieser Kampf das einzig wahre Derby im Schweizer Ringsport.

Obwohl in der Mannschaftsaufstellung des Titelverteidigers das erfolgreiche Brüderduo Portmann fehlte, waren die Rollen zwischen dem Leader und dem Tabellenletzten Hergiswil in der NLA-Mannschaftsmeisterschaft klar verteilt. Trotzdem lagen die Napfringer nach fünf Kämpfen und mit zwei Schultersiegen lediglich mit 8:11 im Rückstand. Gleich zum Auftakt holte David Aregger die ersten vier Mannschaftspunkte. In der Gewichtskategorie bis 97 Kilo wehrte Raphael Kaufmann 42 Sekunden vor Schluss einen Angriff mit der Armklammer seines Kontrahenten Daniel Häfliger geschickt ab und warf ihn auf die Schulter. «Ich hatte zwar mit einem Sieg gerechnet, aber dass er mit der Höchstnote bewertet wurde, überraschte mich doch», sagte der Primarlehrer.

Stefan Reichmuth lässt nichts anbrennen

Auf der Seite der Willisauer brillierten die beiden Leichtgewichtler Timon Zeder und Dimitar Sandov sowie Stefan Reichmuth in der schwersten Gewichtskategorie mit überlegenen Erfolgen. Reichmuth liess wie erwartet gegen den zehn Kilo schwereren Simon Marti nichts anbrennen. «Ich musste seinem Gewicht etwas ausweichen, was mir mit den Doppelangriffen bestens gelungen ist», erklärte der Olympia-Achte von Tokio 2021. Für ihn beginnt bereits wieder die Aufbauphase für die EM im nächsten Frühjahr. Nach der Pause überraschten die Hergiswiler mit zwei weiteren Erfolgen durch Philippe Kunz und Martin Grüter. Damit gingen sie nach sieben Kämpfen mit 13:12 zwischenzeitlich gar in Führung. In der Schlussphase wendete sich das Blatt jedoch wieder klar zu Gunsten der Gastgeber. Altmeister Jonas Bossert triumphierte mit seinen tadellosen Aushebern über Patrick Kunz. Der 19-jährige Mansur Mavlavev wies Sven Bammert ebenso deutlich in die Schranken. «Das Team zeigte zwar eine solide Leistung, auch wenn drei Siege mehr möglich gewesen wären. Doch unser Gegner hat das Optimum herausgeholt», resümierte Philipp Rohrer, Cheftrainer Greco der Willisau Lions. Die jungen Athleten aus Hergiswil waren motiviert, gegen den Rekordmeister etwas zu reissen. «Nach der Mannschaftsaufstellung hätte bei uns für einen Erfolg jedoch etwas Ausserordentliches passieren müssen. Ich habe mit der Niederlage in diesem Ausmass gerechnet», so Co-Trainer Marco Hodel. Nach dem überraschend deutlichen 23:14 Triumph von Schattdorf gegen das besser klassierte Kriessern muss Hergiswil nach 2017 zum zweiten Mal ins Abstiegs-Playoff. Vor vier Jahren sicherten sich die Luzerner den Ligaerhalt mit einem hauchdünnen 20:19-Erfolg gegen Brunnen.

Samuel Scherrer vor Knieoperation

Hiobsbotschaft für den Titelverteidiger Willisau Lions: Samuel Scherrer unterzieht sich am 2. November in Zürich einer Knieoperation. Damit fällt der zweifache Vize-Europameister von 2020 und 2021 in den schweren Gewichtsklassen für die Halbfinal- und Finalkämpfe aus. Der 24-Jährige zog sich bereits im vergangenen Juli an den Schweizer-Meisterschaften im Freistil einen Kreuzbandriss am linken Knie zu. Die vorerst konservative Behandlung fruchtete nicht und führt nun zu einem operativen Eingriff. Die Trainingspause dürfte sechs bis neun Monate dauern. (sige)

Willisau Lions – Hergiswil 22:14
57 kg: Timo Koch v. David Aregger 0:4. – 61 kg: Timon Zeder s. Patrick Rölli 3:0. – 65 kg: Dimitar Sandov s. Thomas Wisler 4:0. – 70 kg: Lukas Bossert v. Martin Grüter 0:3. – 75 kg: Roger Heiniger s. David Wisler 2:1. – 75 kg: Mansur Mavlaev s. Sven Bammert 4:0. – 80 kg: Jonas Bossert s. Patrick Kunz 4:0. – 86 kg: Reto Reichmuth v. Philippe Kunz 1:2. – 97 kg: Daniel Häfliger v. Raphael Kaufmann 0:4. – Stefan Reichmuth s. Simon Marti 4:0.

Schattdorf – Kriessern 23:14
57 kg: Lion Husmann s. Reto Steger 4:0. – 61 kg: Simon Gerig s. Nico Lüchinger 4:0. – 65 kg: Sven Gamma s. Dorien Hutter 3:1. – 70 kg: Michael Epp s. Michel Steger 2:1. – 75 kg: Benjamin Gander v. David Loher 0:4. – 75 kg: Peter Zberg s. Jan Langenegger 4:0. – 80 kg: Nicolas Christen s. Christian Wolf 4:0. – 86 kg: Sven Epp v. Tobias Betschart 0:4. – 97 kg: Michael Jauch v. Ramon Betschart 0:3. – 130 kg: Elias Kempf s. Noel Hutter 2:1.

Freiamt – Einsiedeln 27:7
57 kg: Shayen-Yanick Dietiker v. Gino Gugolz 1:2. – 61 kg: Nils Leutert s. Dany Kälin 4:0. – 65 kg: Nino Leutert s. Michel Schönbächler 3:0. – 70 kg: Michael Bucher s. Lars Neyer 3:0. – 75 kg: Pascal Strebel s. Jan Neyer 4:0. – 75 kg: Joel Meier v. Adrian Mazan 1:2. – 80 kg: Yves Müllhaupt s. Jan Walker 4:0. – 86 kg: Marc Weber v. Yves Neyer 1:2. – 97 kg: Roman Zurfluh s. Andreas Burkard 3:0. – 130 kg: Magomed Ayskhanov s. Boris Illenser 3:1.

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