Leichtathletik
Olympia in Gefahr: Géraldine Ruckstuhl muss Siebenkampf abbrechen

Eine Fussverletzung macht der Altbüronerin auch an den Schweizer Meisterschaften zu schaffen. Die Olympia-Qualifikation ist fraglich.

Stefanie Barmet
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Nicht in Topform: Géraldine Ruckstuhl (23) in Langenthal.

Nicht in Topform: Géraldine Ruckstuhl (23) in Langenthal.

Bild: Hanspeter Roos (26. Juni 2021)

Die Leichtathletik-Schweizer-Meisterschaften in Langenthal boten eine der letzten Chancen, um sich für die Olympischen Spiele in Tokio zu qualifizieren. Die Qualifikationsperiode endet am 30. Juni. Einerseits kann man sich durch das Unterbieten der international festgelegten Olympialimiten für die Sommerspiele qualifizieren, andererseits werden die verbleibenden Startplätze an die Bestplatzierten in der Weltrangliste vergeben. Im Olympischen Siebenkampf sind in diesem Jahr nur 24 Athletinnen zugelassen, dementsprechend hoch liegt die Limite von 6420 Punkten. Lediglich zehn Athletinnen konnten diesen Wert bisher erfüllen.

Géraldine Ruckstuhl, die seit 2018 eine persönliche Bestleistung von 6391 Punkten aufweist, liegt in diesem Ranking zurzeit auf Rang 22. Jedoch werden an nationalen Meisterschaften, die am vergangenen Wochenende in verschiedenen Ländern stattfanden, wertvolle Zusatzpunkte vergeben, wodurch die Weltrangliste noch einmal kräftig aufgewirbelt werden dürfte. Umso wichtiger war der Wettkampf in Langenthal für die Altbüronerin. Mit einer guten Punktzahl sowie dem Gewinn des SM-Titels hätte sie sich den Start in Tokio sichern können. Doch die Fussverletzung, welche die 23-Jährige bereits in den Vorbereitungen behindert und zurückgeworfen hatte, machte ihr auch in Langenthal zu schaffen. Der Auftakt über die Kurzhürden ging mit einer deutlichen Saisonbestleistung von 14,52 Sekunden zwar in Ordnung, die persönliche Bestzeit von 13,76 Sekunden verpasste die zweifache WM-Teilnehmerin jedoch deutlich. Überhaupt nicht ideal verlief der Hochsprungwettkampf. Bereits bei 1,51 m war Schluss für die Siebenkämpferin, die eine persönliche Besthöhe von 1,83 m aufweist. Im Kugelstossen erreichte sie eine Weite von 13,28 m, womit sie wiederum klar hinter ihrer Bestleistung (14,04 m) zurückblieb. In der Folge brach sie den gesamten Wettkampf ab.

«Gesundheitliche Probleme zwangen mich dazu, der Fuss macht leider nicht mit»

, sagte Ruckstuhl. Was der erneute Rückschritt für den weiteren Saisonverlauf bedeutet und ob die Qualifikation für Tokio trotzdem noch möglich ist, wird sich in den nächsten Tagen nach der Überarbeitung des World Rankings zeigen. Den Siebenkampfsieg holte sich die ehemalige U23-Europameisterin Caroline Agnou mit 6041 Punkten.

13. Titel für Nicole Zihlmann

Nach einem starken ersten Tag mit persönlichen Bestleistungen über 100 m Hürden (13,69 Sekunden) und 200 m (24,96) sowie der Egalisierung der Freiluft-Hochsprung-Bestleistung von 1,66 m und einem guten Auftritt im Kugelstossen war die Obwaldnerin Sandra Röthlin auf dem besten Weg zu einer persönlichen Siebenkampfbestleistung. Am zweiten Tag konnte sie jedoch nicht an die guten Leistungen anknüpfen. Im abschliessenden 800-m-Lauf stellte sich die Athletin der LA Nidwalden, die in zehn Tagen an den U23-Europameisterschaften antreten wird, als Pacemakerin zur Verfügung und gewann mit 5641 Punkten Silber. Bei ihren letzten Aktiv-Schweizer-Meisterschaften konnte Nicole Zihlmann ihre beeindruckende Titelsammlung erweitern. Die Athletin des LC Luzern warf den Hammer im ersten Versuch auf 65,04 m, konnte sich in der Folge jedoch nicht mehr steigern. Mit über sieben Metern Vorsprung gewann sie ihren 13. Titel. Am Dienstag wird sie anlässlich des Meetings Spitzen Leichtathletik Luzern in ihrem Heimstadion antreten.

Über den Gewinn seiner ersten Medaille bei den Aktiven durfte sich Lars Wolfisberg vom TV Sarnen freuen. Der Junior steigerte seine persönliche Bestleistung um über einen Meter auf 53,40 und gewann damit die Bronzemedaille. Bronze gewann auch Livia Odermatt vom LC Luzern im Hochsprung der Frauen mit einer gültigen Höhe von 1,76 m. Ihr Vereinskollege Noah Dje, der noch der Junioren-Kategorie angehört, gewann dank persönlicher Bestleistung von 14,77 m die Silbermedaille im Dreisprung.

Silke Lemmens knapp geschlagen

Quasi auf der Ziellinie noch abgefangen wurde Silke Lemmens über 400 m. Die Zugerin startete schnell und sah lange nach der sicheren Siegerin aus, doch auf der Zielgerade kam die Einheimische Sarah King immer stärker auf und sorgte mit einer Zeit von 52,99 Sekunden für einen Überraschungssieg. Lemmens gewann mit 53,03 Sekunden Silber. Julia Niederberger, die im Vorlauf mit 54,96 Sekunden die U23-EM-Limite unterboten hatte, lief in 55,16 Sekunden auf Rang fünf.


Leichtathletik

Schweizer Meisterschaften in Langenthal. Männer. 100 m: 1. Silvan Wicki (Aarau) 10,22. Noah Dje (Luzern) 11,16. Philip Meuli (Luzern) 11,25. – 200 m: 1. Alex Wilson (Basel) 20,84. Nico Wyss (Luzern) 21,99. Noah Attalla (Rothenburg) 22,49. – 400 m: 1. Ricky Petrucciani (Zürich) 45,69. Luca Moser (Emmenstrand) 50,99. – 800 m: 1. Robin Oester (Thun) 1:52,01. Dominik Ummel (Luzern) 1:55,35. Matthias Schöpfer (Sempach) 2:00,77. – 400 m Hürden: 1. Kariem Hussein (Dübendorf) 48,84. Danilo Küchler (Rothenburg) 54,72. – Weit: 1. Benjamin Gföhler (Zürich) 7,89. 6. Raphael Huber (Willisau) 7,27. – Drei: 1. Simon Sieber (Schaffhausen) 15,24. 2. Noah Dje 14,77. 8. Leandro Peralta (Luzern) 12,91. – Hammer: 1. Lukas Baroke (Aarau) 59,64. 3. Lars Wolfisberg (Sarnen) 53,40. Frauen. 100 m: 1. Mujinga Kambundji (Bern) 11,05. Géraldine Frey (Zug) 11,73. Anja Ming (Inwil) 12,03. Céline Schwarzentruber (Willisau) 12,67. – 200 m: 1. Cornelia Halbheer (Winterthur) 23,38. 6. Anja Ming 24,42 (VL 24,11). Géraldine Frey 24,14. – 400 m: 1. Sarah King (Langenthal) 52,99. 2. Silke Lemmens (Zürich) 53,03. Julia Niederberger (Nidwalden) 55,16 (VL 54,96). – 800 m: 1. Lore Hoffmann (Athle) 2:01,65. Lieke Wehrung (Cham) 2:12,46. Katharina Hirt (Rotkreuz) 2:14,04. Michelle Scherrer (Willisau) 2:12,72. Lisa Stöckli (Gettnau) 2:13,16. – 1500 m: 1. Joceline Wind (Biel) 4:21,46. 7. Fiona von Flüe (Cham) 4:28,77 (VL 4:27,92). – 5000 m: 1. Nicole Egger (Langenthal) 16:23,56. 15. Olivia Keiser (Zug) 17:48,09. – 100 m Hürden: 1. Ditaji Kambundji (Bern) 13,03. Eveline Rebsamen (Ballwil) 13,85. Leona Zurmühle (Rohenburg) 15,62. – Weit: 1. Daniela Schlatter (Bern) 6,37. 7. Ronja Wengi (Zug) 5,52. – Dreisprung: 1. Alina Tobler (Brühl) 12,85. 4. Barbara Leuthard (Zürich) 12,07. – Hoch: 1. Salome Lang (Basel) 1,97. 3. Livia Odermatt (Luzern) 1,76. 7. Anja Ming 1,65. – Stab: 1. Angelica Moser (Zürich) 4,55. 1. Ronja Wengi 3,65. 12. Alexandra Stucki (Zug) 3,50. – Hammer: 1. Nicole Zihlmann (Luzern) 65,04. 6. Jasmin Schorno (Luzern) 43,77. 7. Kathrin Budmiger (Sarnen) 43,12. – Siebenkampf: 1. Caroline Agnou (Biel) 6041 Pt. 2. Sandra Röthlin (Nidwalden) 5641 (100mH 13,69/Hoch 1,66/Kugel 13,69/200 m 24,96/Weit 5,57/Speer 41,77/800 m 2:25,56). Resultate: swiss-athletics.ch

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