Präsident des HC Luzern: «Diese Chance müssen wir packen»

Der HC Luzern steigt in die 1. Liga auf und erscheint damit erstmals wirklich auf der Karte des Schweizer Eishockeys. Im Cup wartet möglicherweise sogar das ganz grosse Los auf die Luzerner.

Stephan Santschi
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Im Cup konnte der HC Luzern auf dem Eis jubeln, mit dem Aufstieg klappte es am «grünen Tisch». Bild: Michael Wyss

Im Cup konnte der HC Luzern auf dem Eis jubeln, mit dem Aufstieg klappte es am «grünen Tisch». Bild: Michael Wyss

Es ist viel Zeit vergangen, seit in Luzern ein Eishockey-Club einen gewissen Stellenwert hatte. 1996 stieg der SC Luzern mit einem gewissen Arno Del Curto an der Seitenlinie in die NLB auf. Das Abenteuer mündete aber direkt in den Konkurs und in die formelle Auflösung des Vereins. Der Nachfolger heisst HC Luzern, 1998 gegründet, doch über die 2. Liga hinaus schaffte er es nie. Bis jetzt. Sportlich ist die Mannschaft zwar in den Playoffs gescheitert, mangels aufstiegswilliger Teams gelingt ihr nun jedoch die Promotion am grünen Tisch, wie vor kurzem bekannt geworden ist. «Diese Chance», sagt Präsident Benno Vonarburg, «müssen wir einfach packen. Zuletzt haben wir ja ein Mauerblümchen-Dasein gefristet.»

Damit wird sich der HCL erstmals in der Clubgeschichte in der 1. Liga präsentieren. «Die 2. Liga ist nicht nichts», sagt Trainer Robert Küttel. «In der 1. Liga wirst du aber in der ganzen Schweiz wahrgenommen.» Mit anderen Worten: Der HC Luzern ist endlich auf der Karte des Schweizer Eishockeys angekommen.

HC Luzern begrüsst immer mehr Nachwuchs

Auch wenn der Aufstieg letztlich einem Geschenk gleichkommt, hat ihn sich der Verein verdient. Es ist nämlich Bewegung reingekommen in den HC Luzern, das zeigt der Blick in die Juniorenabteilung. «Ich bin hier seit drei Jahren und seither hat sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen von 130 auf 180 erhöht. Das ist eine gute Steigerung», berichtet Andzejs Mitkevics. Der 42-jährige Lette ist der Chef der Nachwuchsabteilung und als Profitrainer beschäftigt. Ab Sommer wird ihm mit seinem Landsmann Janis Zarins ein zweiter vollamtlicher Fachmann zur Seite gestellt. «Der Hauptfokus», so betont Präsident Vonarburg, «liegt bei uns weiterhin auf der Nachwuchsförderung.»

Damit sich Toptalente gut entwickeln, hat der HCL letztes Jahr Partnerschaften mit anderen Zentralschweizer Vereinen lanciert. Gemeinsam mit dem EHC Engelberg, HC Seetal und EHC Sursee sind zwei Auswahlteams gebildet worden – eines bei den U15-Junioren (Mini Promotion), eines in der U13 (Moskito Top). Die U13-Junioren werden nächste Saison sogar in der Elite, also in der höchsten Liga ihrer Altersstufe spielen, die U15 in der zweithöchsten (Top). Noch nicht soweit ist der aktuell drittklassige U20- und U17-Nachwuchs. «Wir werden nie den EV Zug konkurrieren können. Doch wir möchten für alle Trainings anbieten – egal, ob es zum Plausch ist oder mit Ambitionen auf ein späteres Profitum», erklärt Mitkevics. Auch der EVZ ist in die Zusammenarbeit miteingebunden. «Es kann zu einem Austausch von Junioren kommen. Es soll ein Geben und Nehmen sein.»

Das Aushängeschild dürfte derweil in der 1. Liga über mehr Strahlkraft verfügen. Gepriesen wird beim HC Luzern vor allem der starke Teamgeist, die Frage aber sei erlaubt: Ist man der Herausforderung auf diesem Level überhaupt gewachsen? «Zunächst habe ich schon etwas die Nase gerümpft, gerne hätte ich in der kommenden Spielzeit den Aufstieg auf sportlichem Weg geschafft», gibt Trainer Küttel zu Protokoll. «Selbstverständlich stehe ich aber voll hinter dem Entscheid, schon jetzt in die 1. Liga zu gehen.»

Ambri, Zug oder Langnau – wer kommt nach Luzern?

Die Mannschaft wird verstärkt, vor allem die Defensive soll Zuwachs erhalten – sie galt in der abgelaufenen Spielzeit als Problemzone. «Es ist aber nicht so, dass wir alles austauschen», sagt Sportchef Laurent Scheiwiler, «fünf Transfers aus höheren Ligen sollen es sein, mehr nicht.» Am 18. Mai organisiert der Verein zudem ein Try-out, um sich nach weiteren Kaderergänzungen umzusehen. «Da melden sich zwar vor allem Spieler, die sonst nirgends unterkommen. Überraschungen aber kann es immer geben», so Scheiwiler.

Zu was die Luzerner fähig sind, bewiesen sie in der Cup-Qualifikation, wo sich gleich drei 1.-Ligisten eliminierten. Damit schafften sie als einziger Amateurclub den Einzug in die 1. Hauptrunde des Schweizer Cups, die am 10. September 2019 ausgetragen wird. «Das ist natürlich eine grosse Sache für uns», freut sich Präsident Benno Vonarburg. Die Luzerner hoffen nun auf das grosse Los, der Sportchef träumt von Ambri, der Trainer vom EV Zug, der Präsident von den ZSC Lions oder den SCL Tigers. «Wer es auch immer sein wird, fest steht: Wir wollen etwas Gutes aus diesem Event machen, damit wir unseren Bekanntheitsgrad weiter steigern können», so Benno Vonarburg.

Beim HC Luzern sind sie jedenfalls überzeugt, dass sich auch das Eishockey in einer vom Fussball dominierten Stadt etwas Aufmerksamkeit sichern kann. Für die Zukunft will man sich in der 1. Liga etablieren. Seit dem letzten Jahr gibt es den Fanclub «Dragonhowling», dem aktuell knapp 40 Mitglieder angehören. Die Suche nach Sponsoren ist zwar hart, doch die Budgetsteigerung von 500000 auf bis zu 650000 Franken werde man stemmen können. «Wer das grosse Geld verdienen will, ist bei uns aber am falschen Platz. Finanzielle Abenteuer werden wir keine eingehen», betont Vonarburg, der in Zürich in einem Industrieunternehmen als Finanzchef fungiert. Dem HC Luzern soll es schliesslich nicht so ergehen, wie vor 22 Jahren seinem Vorgänger, dem SC Luzern.

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