Basketball
Swiss-Central-Coach Orlando Bär arbeitet mit seinem Team am nächsten Highlight

Orlando Bär (31) von Swiss Central Basketball ist der jüngste NLA-Trainer. Sein Fernziel ist klar definiert.

Stephan Santschi
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Dereinst möchte Orlando Bär «ein renommiertes europäisches Team führen».

Dereinst möchte Orlando Bär «ein renommiertes europäisches Team führen».

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 30. September 2020)

Es war ein vorzüglicher Auftritt am Mittwoch in Genf, ein Ausrufezeichen. Mit dem Skore von 75:67 eliminierte Swiss Central Basketball den Titelverteidiger aus dem Schweizer Cup und zog in den Viertelfinal ein (siehe Box). Für die Zentralschweizer war es ein weiterer Höhepunkt nach dem Aufstieg in die höchste Liga im Juni und dem positiven Auftakt in die aktuelle Spielzeit (Platz 6). «Wir befinden uns noch immer in einem Lernprozess. Doch was wir bisher erreicht haben, gab es in unserer Vereinsgeschichte noch nie. Wir werden weiter Gas geben», versichert Trainer Orlando Bär.

Auch er selbst verfügt noch über viel Entwicklungspotenzial, schliesslich ist er mit 31 Jahren der jüngste Coach der NLA (Swiss Basketball League). Derzeit besucht er die Vorkurse für die Berufstrainerausbildung von Swiss Olympic, die im kommenden Jahr auf dem Programm steht. Seit 2020 steht Bär als Chef an der Seitenlinie von Swiss Central, gegenwärtig bestreitet er seine Premierensaison in der NLA. «Ich lerne täglich dazu und profitiere sehr von Zoran Popovic. Er war und ist mein Mentor», sagt Bär über den Sportchef und Assistenztrainer von Swiss Central.

Als Aktiver schaffte es Bär mit Kriens nicht über die regionale 1. Liga hinaus. «Das Timing war nicht gut, vielleicht habe ich zu spät angefangen, um mehr zu erreichen», sinniert der gebürtige Urner. Ohnehin stellte er früh fest, dass ihm die Trainerfunktion besser liegt. «Eine Gruppe führen, mit Athleten arbeiten und das Maximum aus ihnen herausholen – das gefällt mir.» Auch das Analysieren, das Tüfteln über Taktik und Trainingsplanung, reizte ihn bald mehr, als selbst den Ball Richtung Korb zu bugsieren. Und so assistierte Orlando Bär bereits als Teenager bei Übungseinheiten im Nachwuchs, fand kontinuierlich in die Hauptverantwortung und begrüsste später als Aktivtrainer sogar seinen früheren Juniorencoach als Spieler im Team.

So will Bär sein Team spielen sehen

«Teilweise jünger zu sein als die Spieler war vor allem zu Beginn eine Herausforderung», sagt Bär. Seine Lösung: «Autorität kann man nicht erzwingen, die erarbeitet man sich. Ich setzte auf meine natürliche Art, Kompetenz und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.» Daran hat sich bis heute nichts geändert. Bär weiss zwar, dass er das Steuer in der Hand hat, zuweilen gibt er es aber auch gerne weiter an die Spieler. Auf dem Platz will er seine Mannschaft mit Mut, Tempo und einer Spur Frechheit am Werk sehen. «Ich überlege mir nicht 30 Systeme, um die gegnerische Defensive zu überlisten. Taktik und Zusammenspiel sind wichtig, aber ich möchte, dass meine Spieler auch in 1:1-Situationen selbst etwas kreieren können.»

Bär, der auch Schweizer U18-Nationaltrainer war und jedes Jahr in Tenero ein Basketballcamp organisiert, lebt die Leidenschaft für seinen Sport. Das Fernziel ist klar definiert: «Ich will Profi-Trainer werden und dereinst ein renommiertes europäisches Team führen.» Auch der Traum vom Engagement in der NBA ist im Hinterkopf. «Schritt für Schritt», lautet das Motto von Orlando Bär. Daher richtet sich sein Fokus nun auf Samstag und das letzte Heimspiel des Jahres, wenn mit Fribourg der Meister in der Staffelnhalle gastiert (18.30 Uhr). Und sich eine gute Gelegenheit für ein weiteres Highlight bietet.

Swiss Central schafft Coup im Cup

Swiss Central hat sich sensationell für den Cup-Viertelfinal qualifiziert. Das Team von Orlando Bär gewann am Mittwoch beim aktuellen Cupsieger Genf mit 75:67 (39:45). Nach zwei Minuten führten die Gäste bereits mit 10:0. Auch in der Folge spielte SCB mutig und erfolgreich. Fast 50 Prozent aller Dreier landeten im Korb; mit jedem Treffer schien das Selbstvertrauen der Gäste zu wachsen. Letztlich gelang SCB ein Start-Ziel-Sieg – und das ohne US-Spielmacher Antwoine Anderson, der krank in Luzern blieb. Zu den Topskorern avancierten Marco Lehmann mit 20 und Joël Fuchs mit 16 Punkten. Im Schlussviertel sorgte zudem Harding Nana für die entscheidenden «Big Points». Darüber hinaus bewies Captain Michael Plüss mit seiner besonders aufsässigen Defensive einmal mehr, dass er zu den unangenehmsten Gegenspielern gehört. SCB-Head­coach Bär sagt zum Cup-Coup: «Wir haben an uns, an unsere Prinzipien und an unsere Chance geglaubt. Und ich glaube, dass wir immer noch Luft nach oben haben.» (ds)

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