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Olivier Senn: «Tour de Suisse ist ein Rennen der Kompromisse»

Die Tour de Suisse Ausgabe 2015 war publikumsmässig ein Erfolg. Trotzdem beschäftigen Direktor Olivier Senn noch ein paar Baustellen.

Marcel Kuchta, Bern
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Tour-de-Suisse-Direktor Olivier Senn während der zweiten Etappe.

Tour-de-Suisse-Direktor Olivier Senn während der zweiten Etappe.

Mario Heller

Dichte Zuschauerreihen vor dem Bundeshaus. Grosser Publikumsandrang rund um das Stade de Suisse. Das abschliessende Wochenende der Tour de Suisse bestätigte den Organisatoren der Schweizer Rundfahrt, dass sie auf das richtige Konzept gesetzt haben. Das Rennen, welches heuer erstmals unter der Führung des Sportvermarkters InfrontRingier veranstaltet wurde, hat die Erwartungen sowohl in sportlicher als auch struktureller Hinsicht erfüllt. Direktor Olivier Senn durfte mit seiner Premiere an der Spitze der grössten Sportveranstaltung der Schweiz zufrieden sein. Besonders das «Hub-Konzept« mit den fixen Start- und Zielorten an den beiden Wochenenden habe sich bewährt. Trotzdem ortet nicht nur der Aargauer in einigen Bereichen Verbesserungspotenzial:

Die Streckenführung: Durch die Einschränkung mit den Hubs Zug (noch zwei Jahre) und Bern (noch nächstes Jahr) an den beiden Wochenende sowie dem Fixpunkt Sölden (noch zwei Jahre) ist die Flexibilität bei der Routenwahl auf absehbare Zeit limitiert: «Fakt ist, dass die Tour de Suisse ein Rennen der Kompromisse ist. Es ist klar, dass wir Parameter haben, die uns bei der Streckenführung einschränken. Damit müssen wir leben», sagt Senn.

Transfers: Einige Fahrer beschwerten sich über den langen Transfer von Sölden nach Wil. Senn zeigt Verständnis für diesen Kritikpunkt, unterstreicht aber auch: «Wir haben diesen Umstand im Vorfeld des Rennens ganz klar kommuniziert. Auf der anderen Seite durften die Fahrer dafür am ersten und am letzten Wochenende drei Tage lang im selben Hotel schlafen, welches maximal eine halbe Stunde vom Etappenort entfernt war. Das Echo der sportlichen Leiter war generell sehr positiv.»

Etappenort Bern: Im Vorfeld hatten die Organisatoren mit einem personellen Aderlass im lokalen OK in Bern zu kämpfen. Auch die Streichung gesprochener Gelder der Stadt machte den Veranstaltern arg zu schaffen. InfrontRingier musste schliesslich eingreifen, damit die Etappen in Bern wie geplant über die Bühne gehen konnten. Aber wie sieht es angesichts der ungünstigen Umstände im Hinblick auf das nächste Jahr aus? «Grundsätzlich haben wir noch einen Vertrag mit Bern. Jetzt werden wir mit den Behörden und der Stadtregierung zusammensitzen und schauen, was möglich ist. Es ist Aufgabe der Stadt, ein lokales OK zu stellen. Wir gehen davon aus, dass die Tour de Suisse auch im kommenden Jahr in Bern ankommen wird», sagt Senn.

Kurzfristige Änderungen: Der Felssturz am Gotthard und die damit verbundene kurzfristige Streckenänderung sorgten im Vorfeld der Tour de Suisse für Aufregung, zumal Brunnen, der geplante Startort der 3. Etappe, den Bettel wenige Tage vor Rennbeginn auch noch hinwarf. Für Olivier Senn kein Problem – im Gegenteil: «Das war höhere Gewalt, da konnten wir nicht viel machen. Und sowieso: Ein wenig Improvisieren ist immer schön. Darum sind wir auch so gerne mitten im Geschehen und weniger im Büro. Wir leben mit dem Adrenalin.»

TV-Vertrag: In der «NZZ am Sonntag» war zu lesen, dass sich InfrontRingier überlegt, nach der Tour de Suisse 2016 aus dem bis 2018 laufenden Vertrag mit dem Schweizer Fernsehen SRG und der Produktionsfirma TPC auszusteigen. InfrontRingier zahlt der SRG gegen eine Million Franken jährlich für die Produktion der TV-Bilder, welche man allerdings auch selber produzieren könnte. Senn gibt aber zu bedenken: «Die Bilder müssen ja dann auch noch im TV erscheinen.» Fortsetzung folgt.

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