Radsport
Volksfest ohne Volk: Wie die Tour de Suisse in diesem Jahr funktioniert

An der diesjährigen Tour de Suisse fehlen Zuschauer. Statt am Streckenrand sollen die Fans am TV schauen.

Raphael Gutzwiller
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Die Tour de Suisse ist im Schweizer Sport einzigartig. Natürlich steht an der Rundfahrt der Radsport im Zentrum, doch sie hat wie kein anderer Event in der Schweiz den Charakter eines Volksfestes. Die Tour de Suisse zieht durch die Schweiz, bringt die Radstars vor die heimische Haustüre.

In diesem Jahr fährt zwar wieder die Welt-Elite in hohem Tempo durch die Schweiz, statt einem Volksfest dürfte die Stimmung derweil trist sein. Obwohl an einzelnen Sportveranstaltungen inzwischen wieder Zuschauer zugelassen sind, wird die Rundfahrt eine triste Angelegenheit: Start- und Zielgelände sind abgesperrt. Am Streckenrand gilt Abstands- und Maskenpflicht. Zudem entfällt die traditionelle Werbekollonne genau so wie andere Aktivitäten rund um die Schweizer Traditionsrundfahrt. «Es fehlt ein ganz wichtiger Teil der Tour de Suisse», stellt Tour-Direktor Olivier Senn fest. «Aber für uns ist entscheidend, dass die Tour stattfinden kann. Nun geht es nur um den Sport.» Das Motto lautet «Sofa statt Streckenrand», die Zuschauer werden gebeten am Fernsehen die Rennen zu verfolgen. Pro Etappe überträgt SRF zwei Stunden live.

Auf diesen Radstars liegt der Fokus an der Tour de Suisse

Der Weltmeister und Sieger der Flèche Wallone ist ein Spezialist für Eintagesrennen. Dass Alaphilippe aber auch an Rundfahrten mithalten kann, hat der 28-jährige Franzose an der Tour de France 2019 gezeigt, als er 14 Tage lang das gelbe Leadertrikot trug. An der Tour de Suisse fährt er auf einem Rad im Regenbogendesign – den Farben des Weltmeisters.
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Mathieu van der Poel ist auf jedem Velo Weltklasse. Der niederländische Ausnahmekönner fährt Radquer, Mountainbike und auf der Strasse. Bisher gelingt ihm die Balance zwischen den Disziplinen eindrücklich. Nach seinen Weltcup-Einsätzen auf dem Mountainbike, kehrt er wie Konkurrent Thomas Pidcock an der Tour de Suisse auf die Strasse zurück.
Marc Hirschi: Hirschi ist der neue Goldjunge des Schweizer Radsports. WM-Bronzenmedaillengewinner und Etappensieger an der Tour de France im letzten Jahr: Hirschi hat auf sich aufmerksam gemacht. Das will der 22-Jährige auch an der Tour de Suisse. Ihm sollten die zweite und dritte Etappe liegen. Das gelbe Trikot scheint für den Berner in Reichweite.
Stefan Küng: Im Zeitfahren macht Küng fast keiner was vor: Der 27-jährige Thurgauer ist ein absoluter Spezialist auf dem Zeitfahrvelo. Im letzten Jahr krönte er sich zum Europameister und wurde an der WM Dritter. Küngs grosses Ziel sind die Olympischen Spiele, ein Erfolg im eigenen Wohnzimmer in Frauenfeld würde der 28-Jährige dennoch gerne mitnehmen.
Stefan Bissegger: Das zweite Schweizer Zeitfahr-Ass ist Bissegger. Wie sein Namensvetter Stefan Küng wohnt er in Frauenfeld, bestreitet beim Tour-Zeitfahren also ein Heimrennen. Der 22-jährige hat in dieser Saison bereits mehrfach als Zeitfahrer Ausrufezeichen gesetzt. An der Tour de Romandie den 2. Platz und bei Paris-Nizza holte er seinen ersten Profi-Sieg.
Gino Mäder: Nicht erst seit seinem Etappensieg am Giro d'Italia sind sich Radsportexperten einig, dass Mäder eine grosse Zukunft vor sich hat.

Der Weltmeister und Sieger der Flèche Wallone ist ein Spezialist für Eintagesrennen. Dass Alaphilippe aber auch an Rundfahrten mithalten kann, hat der 28-jährige Franzose an der Tour de France 2019 gezeigt, als er 14 Tage lang das gelbe Leadertrikot trug. An der Tour de Suisse fährt er auf einem Rad im Regenbogendesign – den Farben des Weltmeisters.

AP Photo/Olivier Matthys

Im letzten Jahr musste die 84. Austagung der Tour de Suisse verschoben werden, es fand ausschliesslich eine virtuelle Rundfahrt statt. Auch die diesjährige Ausgabe war lange Zeit unsicher, erst im Mai kam grünes Licht. Zuvor hatte der Föderalismus den Organisatoren das Leben schwer gemacht. Statt einer einheitlichen Bewilligung des Bundes mussten 14 Kantonen einzeln eine Bewilligung für den Event und das dazugehörende Schutzkonzept erteilen. «Die Anforderungen der Kantonen haben sich zum Teil deutlich unterschieden», stellt Senn fest.

3100 PCR-Tests und 150 Isolationszimmer

Das Ergebnis: Ein in allen Kantonen einheitliches, aber sehr striktes Konzept, das komplett ohne Zuschauer auskommt und gestützt ist auf eine grosse Zahl an Tests ist. Statt wie bei der Tour de France und anderen grossen Rundfahrten gibt es an der Tour de Suisse nur eine statt mehreren Blasen, in der alle Beteiligten Platz finden. Athleten, Teammitglieder, Organisatoren oder Journalisten müssen sich alle drei Tage einem PCR-Test unterziehen. Insgesamt werden 3100 PCR-Tests für die Rundfahrt benötigt. «Das ist sehr aufwändig, aber es erhöht die Chance, dass wir allfällige positive Fälle rechtzeitig aus dem Verkehr ziehen können», so Senn. Insgesamt haben die Organisatoren 150 Isolationszimmern organisiert, um betroffene Personen in Quarantäne schicken zu können.

Trotz der harschen Auflagen für die Tour de Suisse 2021 taten die Organisatoren alles für die Austragung. «Ein erneutes Wegfallen des Rennens wäre enorm schwierig gewesen», sagt Senn. Sponsoren hätten sich abwenden können, zudem wäre der Platz im Rennkalender gefährdet gewesen. «Überall finden Rennen und Rundfahrten statt, dann wäre es schwierig gewesen, wenn nur in der Schweiz die Tour de Suisse nicht hätte durchgeführt werden können», so Senn.

Nach einem Jahr Pause starten am Sonntag wieder 23 Teams, darunter 19-World-Tour-Teams und das Schweizer Nationalteam, in die Tour de Suisse. Zunächst steht in Frauenfeld ein Zeitfahren auf dem Programm. Die Tour de Suisse 2019 dauert acht Tage bis zum darauffolgenden Sonntag. Zudem findet an diesem Wochenende die beiden Etappen der Frauen statt.

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