Radsport
Alle wollen eine Tour de Suisse für Frauen: Warum nun trotzdem Hilfe des Bundes nötig ist

Die Tour de Suisse soll es auch für Frauen geben. Doch die Durchführung ist ungewiss: Dazu fehlt noch eine halbe Million Franken. Nun soll der Bund helfen.

Raphael Gutzwiller
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Bald auch in der Schweiz zu sehen? Spektakulärer Frauen-Radsport wie hier an der Flandern-Rundfahrt.

Bald auch in der Schweiz zu sehen? Spektakulärer Frauen-Radsport wie hier an der Flandern-Rundfahrt.

Imago (4.4.2021)

Eigentlich sind sich alle einig: Auch die Frauen haben ihre Tour de Suisse verdient. Die Traditionsrundfahrt gibt es für Männer seit 1933, nur kurzzeitig gab es die Landesrundfahrt auch für Frauen. 2001 wurde letztmals eine «Tour de Suisse féminin» durchgeführt. Nun soll es zu einem Revival kommen.

Der Unterschied zwischen Mann und Frau ist im Schweizer Radsport noch immer eklatant. Deshalb hat Swiss Cycling vor anderthalb Jahren das Frauenförderprojekt «Fast & Female» ins Leben gerufen. Eine der Ideen: Die Tour de Suisse Women. Olivier Senn, Direktor der Tour de Suisse, findet:

«Es ist höchste Zeit, dass wir den Frauen in der Schweiz die gleiche Plattform bieten, wie es seit Jahren bei den Männern der Fall ist.»

Mehrere Fragezeichen

Doch ob es mit der erstmaligen Durchführung der Tour im Juni klappt, ist fraglich. Gleich mehrere Fragezeichen stehen dahinter. Zunächst Corona: Niemand weiss, ob die Durchführung solcher Velorennen im Juni möglich sein wird. Noch grösser ist jedoch die Frage nach dem Geld. Konkret geht es um eine halbe Millionen Franken, welche die weibliche Tour de Suisse in diesem Jahr kosten würde. Senn sagt: «Allein mit den bestehenden Sponsoren ist ein solches Projekt nicht zu stemmen.»

Unterstützen die Tour de Suisse der Frauen: Thomas Peter, Geschäftsführer von Swiss Cycling, die Nationalrätinnen Diana Gutjahr und Aline Trede, Mountainbike-Weltmeisterin Jolanda Neff, Marisa Reich, Vorstandsmitglied von Swiss Cycling und Olivier Senn, Direktor der Tour de Suisse.

Unterstützen die Tour de Suisse der Frauen: Thomas Peter, Geschäftsführer von Swiss Cycling, die Nationalrätinnen Diana Gutjahr und Aline Trede, Mountainbike-Weltmeisterin Jolanda Neff, Marisa Reich, Vorstandsmitglied von Swiss Cycling und Olivier Senn, Direktor der Tour de Suisse.

Swiss Cycling

Und so hoffen die Veranstalter nicht nur auf zusätzliche Sponsoren, sondern auch auf Unterstützung des Bundes. Die Finanzierung des Projekts soll unter anderem durch jene Bundesgelder erfolgen, die bereits für die Strassen-WM 2020 in Aigle-Martigny gesprochen wurde. Die WM wurde statt in der Schweiz im italienischen Imola durchgeführt. Noch ist unklar, wie viel Geld vom Weltradverband UCI an das Organisationskomitee und an den Bund zurückfliesst. Swiss Cycling rechnet damit, dass das Geld im Hinblick auf die Strassen-WM 2024 in Zürich dem Radsport für Entwicklungsprojekte wie eine Frauen-Tour zusteht.

Motion beim Bundesrat eingereicht

Weil sich der Rückzahlungsprozess in die Länge zieht, beschäftigt sich in den nächsten Tagen auch der Bundesrat mit der Rundfahrt für die Frauen. Die Nationalrätinnen Aline Trede (Grüne) und Diana Gutjahr (SVP) haben eine Motion eingereicht, die von Parlamentariern aller Parteien unterstützt wird. Die Forderung: Der Bund soll eine Defizitgarantie von rund 300'000 Franken übernehmen. «Swiss Cycling braucht diese Sicherheit, um nicht Gefahr zu laufen, sich mit diesem tollen Projekt in Schieflage zu bringen», heisst es im Vorstoss. Online können sich zudem Unterstützerinnen und Unterstützer registrieren lassen. Innerhalb von 24 Stunden haben das schon über 1000 Personen gemacht.

Frauenfeld durch Frauenfeld

Konkret sehen die kurzfristigen Pläne für die weibliche Tour de Suisse verglichen mit dem männlichen Pendant bescheiden aus: Statt wie bei den Männern eine Rundfahrt mit acht Etappen, sind für die Frauen nur zwei Etappen geplant, die zum Tour-Start der Männer vom 5. und 6. Juni rund um Frauenfeld stattfinden sollen.

Die langfristigen Pläne sind jedoch weit grösser. Künftig sollen die Rennen der Frauen und Männer stärker in einander greifen. Es ist vorstellbar, dass die Frauen und die Männer dieselben Etappen absolvieren. Thomas Peter, CEO von Swiss Cycling, sagt: «Wir möchten die Rundfahrt sukzessive ausbauen.» Das Ziel: Die Tour de Suisse soll zu den wichtigsten Rundfahrten der Welt für Frauen gehören. Auf dem Weg dahin gibt es aber einige Stolpersteine.

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