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Pures Glück: Gelson Fernandes erlebt bei Eintracht Frankfurt die beste Zeit seiner Karriere

Gelson Fernandes spielt mit Eintracht Frankfurt eine grossartige Saison und strahlt nur so vor lauter Glück.

Gelson Fernandes spielt mit Eintracht Frankfurt eine grossartige Saison und strahlt nur so vor lauter Glück.

Der 32-jährige Gelson Fernandes erlebt im Herbst seiner Karriere seine beste Zeit im Klubfussball und steuert mit Eintracht Frankfurt den Final in der Europa League an. Um dahin zu kommen, müssen die Hessen den grossen FC Chelsea eliminieren.

Gut Ding will Weile haben. Schon während der Hälfte seines Lebens ist Gelson Fernandes als Profi unterwegs, doch ein Titelhamsterer ist aus ihm noch nicht geworden. Mit dem FC Sion wurde er zwar mit 19 Jahren Cupsieger und mit Eintracht Frankfurt zwölf Jahre später ebenfalls, darüber hinaus sind die Exploits aber ausgeblieben.

Als er 2007 für 5,5 Millionen Euro zu Manchester City wechselte, waren die Himmelblauen noch nicht die Erfolgsmaschine von heute, und die zahlreichen anderen Arbeitgeber des Wandervogels spielten in ihren Ligen zumeist mittelmässige Rollen.

Nun aber, im Herbst seiner Karriere, steht Fernandes plötzlich doch noch vor grossen internationalen Spielen. Mit der Eintracht kämpft er gegen den FC Chelsea um den Einzug in den Europa-League-Final vom 29. Mai in Baku.

Das 13. Europa-League-Spiel

«Baku ist in unseren Köpfen drin», sagt der Mittelfeldspieler. «Chelsea ist zwar europäisch ein grosser Name, aber ich glaube an unsere Chance», sagt Fernandes. «Ich will als erster Walliser einen Europacupfinal bestreiten.»

Nach einer Gruppenphase mit sechs Siegen in sechs Spielen gegen Marseille, Lazio und Limassol schaltete die Eintracht in der K.-o.-Phase mit Donezk, Inter und Benfica drei Gegner aus, die im Herbst noch in der Champions League engagiert gewesen waren. «Im Halbfinal ist der Druck bei Chelsea», sagt Fernandes vor dem 13. Europa-League-Spiel der Frankfurter in dieser Saison.

Ja, dieser Fernandes. Man hatte sich schon ein wenig die Augen gerieben, als der Schweizer im Sommer 2017 von Rennes in die Bankenmetropole kam. Was wollte die Eintracht mit dem zwar laufstarken, aber nicht besonders kreativen Spieler?

Den Jungen helfen, den Verein voranbringen

«Er wird unserem Spiel mehr Stabilität verleihen», sagte Fredi Bobic damals. Der Manager hat längst recht bekommen. Nach einer durchzogenen ersten Spielzeit unter Niko Kovac hat sich Fernandes nach der Ankunft von Adi Hütter zum verlängerten Arm des Trainers hochgearbeitet.

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«Gelsons Erfolgshunger ist vorbildlich», sagt der Österreicher. Der Spieler selber skizziert seine Aufgabe so: «Ich muss den Jungen helfen und dafür sorgen, dass im Training die Intensität immer hoch ist.» Wer als Spieler bei der Eintracht unterschreibe, dürfe dies nicht einfach tun, um die Vorzüge einer internationalen Stadt zu geniessen, sondern er müsse den Verein voranbringen.

Fernandes erledigt seinen Job mit Bravour und darf sich mit den achtmeisten Einsatzminuten seines Teams, doppelt so vielen wie in der gesamten letzten Spielzeit, getrost Stammspieler nennen. Er läuft noch immer viel, dank seiner Erfahrung aber deutlich effizienter.

Von jeglichem Druck befreit

Überhaupt ist das Laufverhalten der ganzen Eintracht-Equipe aufschlussreich. In der Gesamtdistanzrangliste ist sie in der Liga lediglich an viertletzter Stelle, geht es aber um die Anzahl der Sprints, einsam an der Spitze; die Basis für das Pressing und das schnelle Umschaltspiel der «Adler».

«Mir kommt zugute, dass nach dem Rücktritt aus der Nati einige Reisen und sonstige Strapazen wegfallen», sagt der 67-fache Nationalspieler. «Vor allem habe ich aber viel Spass auf dem Platz und verspüre nicht mehr diesen Druck wie in jüngeren Jahren.»

Gegenwärtig ist er in einem Fernstudium dabei, den Master in Sportmanagement zu machen. «Ich will nach meiner Karriere im Fussball bleiben und einmal als CEO einen Verein oder Verband führen», sagt Fernandes. Trainer werde er aber nicht. Seine Familie sei angesichts der zahlreichen Transfers schon viel zu oft umgezogen.

Vorzeitig Vertrag verlängert

Wie zufrieden die Hessen mit den Leistungen des auf den Kapverden geborenen Schlakses sind, beweist die vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2020. «Gelson ist ein Mensch, dessen Charaktereigenschaften wir sehr schätzen. Seine fröhliche und hochprofessionelle Art ist für das Binnenklima wichtig», sagt Bobic dazu.

Fernandes sagt: «Die Eintracht passt perfekt zu mir.» Er lobt die Mentalität als besondere Qualität dieser Multikultigruppe und nennt als Beispiel die Partie bei Benfica: «Wir lagen 1:4 zurück und spielten in Unterzahl, wollten aber ums Verr… dieses wichtige zweite Auswärtstor erzielen – und schafften das auch.» Im Rückspiel reichte deshalb der 2:0-Sieg vor einem euphorisierten Publikum zum Weiterkommen.

Die Eintracht liefert unter Hütter eine überragende Saison und belegt in der Bundesliga drei Runden vor Schluss Rang vier. Kann sie ihn halten oder gewinnen die Frankfurter die Europa League, kicken sie in der nächsten Saison in der Königsklasse. «Da habe ich noch nie gespielt. Das wäre ein Traum», sagt Fernandes.

Jetzt geht es aber zuerst einmal zu Hause gegen Chelsea. «Der Baum wird brennen. In diesem Stadion und vor diesem Publikum zu spielen, ist pures Glück», sagt Fernandes.

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