Fifa-Kongress in Bahrain

Präsident Gianni Infantino verteidigt «neue Fifa»: «Es gibt viele Fake News»

Gianni Infantino: «Es gibt viele Fake News über die Fifa, das Fifa-Bashing ist in gewissen Ländern ein Volkssport geworden.»

Der Schweizer Fifa-Präsident Gianni Infantino nutzt die Bühne am Kongress in Bahrain zu einer furiosen Abrechnung.

Das neue deutsche Council-Mitglied Reinhard Grindel sah alles andere als begeistert aus, als Gianni Infantino zum Rundumschlag ausholte. Zwei Tage nach der weltweit kritisierten Ablösung der Chef-Ethiker rechtfertigte der Präsident des Fussball-Weltverbandes energisch den Kurs seiner «neuen Fifa» – und bediente sich dafür beim US-Präsidenten Donald Trump.

«Es gibt viele Fake News über die Fifa, das Fifa-Bashing ist in gewissen Ländern ein Volkssport geworden», beklagte der Schweizer während seiner Rede beim Kongress in Bahrain: «Ich kann auch nachvollziehen, warum. Aber die Fifa hat sich verändert. Sie ist eine Demokratie, keine Diktatur.»

Grindel verfolgte Infantinos Worte auf dem Podium des Kongresszentrums aus nächster Nähe. Als der Kongress über die Neubesetzung der Ethik- und der Gouvernance-Kommissionen abstimmte, enthielt sich Deutschland zusammen mit der Schweiz – dennoch stimmten jeweils 97 Prozent der Nationalverbände für die En-bloc-Neubesetzung in den beiden Ethik-Kammern.

Zum Eckert-Nachfolger in der rechtsprechenden Kammer wurde Vassilios Skouris gewählt, der Grieche war zwölf Jahre lang Präsident des Europäischen Gerichtshofes. Borbélys Ermittlungen sollen über die kolumbianische Top-Juristin Maria Claudia Rojas laufen.

Infantinos Kritik an die Ethiker

Infantino tat den Rauswurf von Eckert und Borbely als völlig normalen «Prozess» ab – und trat gegen die Geschassten nach. «Ich finde es etwas traurig, dass es noch Hunderte offene Fälle geben soll», sagte Infantino: «Ich hoffe, dass sie jetzt behandelt werden.» Die grossen Entscheidungen (Blatter, Platini) seien zudem die gewesen, bei «denen die staatlichen Behörden eingegriffen haben», sagte der 47-Jährige, der dafür auch am Donnerstag massiv kritisiert wurde.

Infantino liess offen, ob er auch die Nachrichten von und über die Ethikkommission für «Fake News» hält. «Viele verbreiten falsche Informationen, um der Organisation zu schaden», sagte der Schweizer: «Das ist ein Gefühl, das ich jetzt habe.»

Der geschasste Chefermittler Cornel Borbély erwiderte vor der Rückreise in die Schweiz auf die Frage, ob es sich bei der Absetzung um ein von Infantino gesteuertes Manöver gehandelt habe: «Wir waren bei den Diskussionen nicht involviert und können das nicht im Detail beurteilen. Tatsache ist aber, dass der Präsident eine gewichtige Stimme hat und er sich in den letzten Monaten geweigert hat, sich positiv zur Arbeit der Ethikkommission zu äussern.»

Weitere Fakten schuf der Fifa-Kongress kaum: Die «Mega-WM» 2026, die erstmals mit 48 statt 32 Mannschaften gespielt werden wird, soll im Sommer 2018 in Moskau vergeben werden. Die USA, Kanada und Mexiko, die gerne schon in Bahrain als Ausrichter bestimmt worden wären, bleiben für die Ausrichtung haushoher Favorit. Spekuliert wird über eine konkurrierende Bewerbung aus Marokko, die bis zum 11. August eingereicht werden müsste.

Im Konflikt zwischen Israel und Palästina konnte erneut keine Lösung gefunden werden. Das Council will sich bis Oktober mit dem Problem befassen, das im Grunde darauf beruht, dass Klubs, die in der israelischen Liga spielen, im palästinensischen Gebiet beheimatet sind. (sid/rs)

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