Portrait
Migrationsminister Hawke: So tickt der Mann, der Djokovic aus Australien werfen könnte

Alex Hawke kann als australischer Migrationsminister Novak Djokovic eigenständig aus dem Land werfen. Das wäre eigentlich auf der Linie des Politikers, der als sehr konservativ gilt.

Adrian Bürgler, watson.ch
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Alexander Hawke entscheidet über das Schicksal von Novak Djokovic

Alexander Hawke entscheidet über das Schicksal von Novak Djokovic

Keystone

Auch heute Mittwoch fällt im Fall «Australien gegen Novak Djokovic» wohl keine Entscheidung mehr. Das Anwaltsteam der Weltnummer 1 hat weitere Anträge gegen eine Annullierung des Visums eingereicht. «Das hat natürlich einen Einfluss auf den Zeitpunkt einer Entscheidung», wird ein Sprecher von Migrationsminister Alex Hawke zitiert.

Hawke ist der Mann, der im Alleingang über den Verbleib Novak Djokovics in Australien entscheiden kann. Der «Biosecurity Act» erlaubt es dem australischen Minister für Immigration und Staatsbürgerschaften, dem serbischen Tennis-Star das Visum zu entziehen, sofern dieser den Aufenthalt Djokovics in Melbourne als Gefahr für die öffentliche Gesundheit Australiens sieht.

Doch wer ist eigentlich dieser Alexander George Hawke, der diese grosse Macht – und Bürde – trägt? Was sind seine politischen Ansichten? Und was hat er davon, wenn er Djokovic zurück nach Serbien schickt?

Ex-Soldat, konservativ und umstritten

Hawke ist Politiker der australischen «Liberal Party» – der konservativen Mitte-Rechts-Partei, die wohl am ehesten mit der Schweizer FDP zu vergleichen ist. Die Partei glaubt an den freien Markt, kämpft gegen hohe Steuern, gegen Kommunismus und Sozialismus.

Seit dem 22. Dezember 2020 hat Hawke das Amt als «Minister for Immigration, Citizenship, Migrant Services and Multicultural Affairs» inne. Davor bekleidete er diverse andere Posten in der australischen Regierung, unter anderem war er stellvertretender Verteidigungsminister. Vor seiner Politkarriere machte der heute 44-Jährige ein Masterstudium in Regierungs- und öffentlicher Arbeit und diente sechs Jahre in der australischen Armee.

Hawke gilt als äusserst konservativ. Schon früh in seiner Politkarriere sorgte er für Aufsehen, als er sagte: «Niemand kommt in die Liberal Party, um links zu sein. Wenn du für studentische Zwangsvereinigungen, Drogenabgaben oder eine Senkung des Schutzalters bei Homosexualität stehst, dann kannst du dich den Grünen, der Labor Party oder den Demokraten anschliessen.»

Hardliner in religiösen Fragen

Gerade der letzte Punkt ist für den Australier zentral. Hawke ist bekennender Christ und ein Gegner der Ehe zwischen Gleichgeschlechtlichen. Er sieht die Familie als Grundstein der Gesellschaft und glaubt diese durch die Ehe zwischen Gleichgeschlechtlichen bedroht. Als das australische Parlament 2017 über die Öffnung der Ehe abstimmte, enthielt er sich seiner Stimme. 2018 unterstützte er den Vorschlag, wonach religiöse Schulen homo- oder bisexuelle Schüler ausschliessen dürfen sollen. Er erklärte, dass gläubige Menschen in Australien mittlerweile ständig attackiert würden.

Als 2020 mit der Labor-Politikerin Anne Aly erstmals eine Frau muslimischen Glaubens ins australische Parlament gewählt wurde, warf Hawke ihr vor, sie glaube, «ihre Diversität sei besser als die Diversität anderer Menschen» – im Verweis darauf, dass die meisten australischen Politiker Wurzeln anderswo hätten. Als diese Aussage mit Empörung aufgefasst wurde, warf Hawke der linken Labor Party «gespielte Empörung und falsche Rassismus-Vorwürfe» vor.

Hawke unterstützte eine Motion, welches das australische Budget für Auslandshilfe reduzierte. Und er ist der Ansicht, dass der Kampf gegen den Klimawandel nicht die Aufgabe der Regierung sei.

Enger Vertrauter des Premierministers

Als Teil der Liberal Party steht Hawke auch für geschlossene Grenzen. Die Partei befürwortet starke Grenzkontrollen, die auch Boote mit Migranten an Bord stoppen sollen. Im Zuge der Djokovic-Affäre witzelt die linke Labor Party nun, Hawke und seine Partei hätten die Kontrolle über die australischen Grenzen verloren – für einen konservativen Politiker wie Hawke dürfte sich dies wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen.

Der Minister für Migration gilt als enger Vertrauter von Premierminister Scott Morrison. Die beiden gelten auch als privat gut befreundet. Sie sind gemeinsam in einer Bibelstudiengruppe, die sich einmal in der Woche trifft.

Hawke sagt: «Ich glaube fest an die Ideen von Gnade, Vergebung, Erlösung und einer zweiten Chance – christliche Werte, die unsere Welt menschlicher und bewohnbarer machen.» Ob er auch Novak Djokovic eine zweite Chance gibt, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

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