Olympische Spiele
Schweizer Team strebt in Peking mindestens 15 Medaillen an – so viele Sportlerinnen und Sportler sind dabei

168 Athletinnen und Athleten werden die Schweiz bei den Winterspielen in Peking vertreten. Der Anteil Frauen ist mit 45 Prozent so hoch wie noch nie. Sportlich will man den Erfolg von Pyeongchang vor vier Jahren mit insgesamt 15 Medaillen wiederholen.

Rainer Sommerhalder
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Der Schweizer Olympiachef Ralph Stöckli weilt seit dem 22. Januar in China.

Der Schweizer Olympiachef Ralph Stöckli weilt seit dem 22. Januar in China.

Keystone

Bis um 5 Uhr früh Lokalzeit hat der Schweizer Olympiachef Ralph Stöckli in Peking mit seinen Kolleginnen und Kollegen des Selektionsgremiums über die letzten Nominierungen diskutiert. In mehreren Fällen führte der Jugendbonus zu grosszügigen Entscheidungen. Im routinierten Team der Skicrosser andererseits kam es zu einem der wenigen Härtefälle.

26 Sportlerinnen und Sportler, welche in Peking für die Schweiz an den Start gehen sollen, haben bereits Olympische Medaillen gewonnen. Doch einer kann dieses Kunststück in China nicht wiederholen. Für Marc Bischofberger, Silberheld vor vier Jahren in Pyeongchang, gibt es im vierköpfigen Männerteam der Skicrosser keinen Platz.

Weitere prominente Namen, welche die Selektionshürden nicht gemeistert haben, sind die Biathlon-Geschwister Elisa und Aita Gasparin. Den Vorzug erhielt hier die erst 21-jährige, dreifache Nachwuchsweltmeisterin Amy Baserga.

Jugendbonus im Ski und im Langlauf

«Es kann nicht in allen Disziplinen nur um Medaillen gehen», betonte Ralph Stöckli in der einleitenden Begründung der Selektionen. In einigen Fällen hat man im Sinne des Aufbaus von jungen Hoffnungsträgerinnen und -trägern entschieden. So auch im Schweizer Skiteam, wo neben den arrivierten Fahrerinnen und Fahrern mit Aline Danioth, Noémi Kolly und Yannick Chabloz auch Olympioniken dabei sind, ohne die exakte Selektionsnorm erfüllt zu haben. Je elf Männer und Frauen vertreten die Alpinen in Chinas Bergen. Härtefälle gab es hier keine.

Auch im Langlauf der Frauen ist mit sechs Athletinnen ein überraschend grosses und junges Team berücksichtigt worden. Insgesamt sind 55 Prozent aller Selektionierten erstmals bei Olympia dabei. Bei den Routiniers sticht Skispringer Simon Ammann heraus. Für den 40-jährigen Toggenburger sind es die siebten Winterspiele. Auf fünf Teilnahmen kommen im Eishockey Andres Ambühl und Nicole Bullo. Älteste Teilnehmerin aus der Schweiz ist die 42-jährige Curlingspielerin Silvana Tirinzoni, das jüngste Teammitglied ist Eishockeyanerin Alina Marti mit 17 Jahren.

Mit 168 Athletinnen und Athleten bewegt sich die Teamgrösse auf der Stufe der letzten Austragungen in Pyeongchang (171) und Sotschi (163). Nur in den Sportarten Shorttrack und Nordische Kombination ist die Schweiz nicht am Start. Dank 75 Sportlerinnen ist der Frauenanteil so hoch wie noch nie. Ursprünglich ist Swiss Olympic von einem noch grösseren Team ausgegangen, allerdings holten die Schweizer Wintersportverbände weniger Quotenplätze heraus als erhofft.

«15 Medaillen sollten möglich sein»: Swiss Olympic will an den letzten Erfolg anknüpfen.

Keystone-SDA

Corona lässt die Kosten explodieren

Die Corona-Pandemie treibt hingegen die Kosten der Schweizer Olympiamission massiv in die Höhe. Man rechne mit deutlichen Mehrkosten. Das habe man bereits in Tokio erlebt, sagte Ralph Stöckli. Swiss-Olympic-Präsident Jürg Stahl wies darauf hin, dass die Teilnahme an den Olympischen Spielen «generell teurer werden». Diese Feststellung gelte selbst im Hinblick auf die kommenden Spiele im Sommer 2024 in Paris und im Winter 2026 in Mailand und Cortina in unmittelbarer Nachbarschaft.

Ob sich Schweizer Teilnehmende im Zusammenhang mit den Spielen in China über politische oder Menschenrechtsthemen äussern wollen, überlässt Swiss Olympic den Sportlern selber. «Es sind alles mündige Personen», sagte Stöckli. Gemeinsam mit der Schweizer Botschaft in Peking sowie Nicht-Regierungsorganisationen stellt man den Olympioniken ein Q+A dazu zur Verfügung. «Den Athletinnen und Athleten soll bewusst sein, dass es komplexe Themen sind und dass der Fokus darauf zusätzliche Energie rauben», betonte Stöckli.