Tennis

Novak Djokovic und die Eifersucht auf Federer und Nadal: «Weshalb sollte ich noch Öl ins Feuer giessen?»

Novak Djokovic schlägt versöhnliche Töne an.

Novak Djokovic schlägt versöhnliche Töne an.

Vater Srdjan und Mutter Dijana bringen ihren Sohn Novak Djokovic mit unbedachten Äusserungen in Erklärungsnot. Nun äussert sich der Serbe zur ewigen Debatte, wonach er im Schatten seiner Rivalen stehe.

Wenn Novak Djokovic auf dem Tennisplatz steht, dann hat er immer zwei Gegner: jenen auf der anderen Seite des Netzes, und die Geschichte. Sie ist der Grund, weshalb er spielt. Es interessiert ihn nur, der Beste zu sein - der Beste der Gegenwart, der Beste der Epoche, und der Beste, der je ein Tennisracket in die Hand genommen hat.

Schon im letzten Sommer sagte er: «Ich habe genug erreicht, um von einem Moment auf den anderen aufzuhören. Doch ich tue es aus zwei Gründen nicht: Erstens macht es mir Spass, und zweitens möchte ich Geschichte schreiben. Ich möchte so viele Grand-Slam-Titel holen wie möglich, und ich möchte auch den Rekord für die meisten Wochen an der Spitze der Weltrangliste.» Beide Bestwerte hält derzeit noch Roger Federer, der 20 Grand-Slam-Titel auf sich vereinigt und die Weltrangliste während 310 Wochen anführte.

Novak Djokovic ist längst der Beste der Gegenwart, wahrscheinlich sogar der Geschichte. Doch die Wahrnehmung ist eine andere. Das hat viel mit seinen Eltern zu tun, die sich immer wieder unbedarft äussern. Jüngst war es Vater Srdjan, der sich in der serbischen Zeitung «Novosti» abschätzig über Roger Federer äusserte, als er sagte. «Er ist ein herausragender Tennisspieler, aber das könnte ich über seine Menschlichkeit nicht sagen.»

Federer gönne niemandem ausser sich selbst Erfolge. «Er ist neidisch auf Novak, weil er wusste, dass mein Sohn besser ist als er und ihn überragen wird.» Es sei unglaublich, was alles über seinen Sohn geschrieben werde. Dass ihm ständig die Rolle des Bösewichts zufalle, mache ihn nur noch stärker. Djokovic werde zum grössten Tennisspieler der Geschichte.

Srdjan Djokovic bezeichnete Roger Federer und Rafael Nadal wiederholt als schlechte Verlierer.

Srdjan Djokovic bezeichnete Roger Federer und Rafael Nadal wiederholt als schlechte Verlierer.

Die Leiden der Familie Djokovic

Versöhnlichere Worte schlägt Novak Djokovic selber an. Gegenüber serbischen Medien äusserte er sich in Belgrad ausführlich zur unendlichen Geschichte. Wenn er gegen Federer oder Nadal spiele, würden die Zuschauer seine Gegner unterstützen, «das heisst aber nicht, dass ich gehasst werde.» Er wolle sich nicht mit negativen Emotionen wie Hass und Wut beschäftigen und möge die Haltung «Serbien gegen den die Welt» nicht, die einige seiner Anhänger kultivieren. «Und selbst wenn mich die Leute nicht lieben, weshalb sollte ich noch Öl ins Feuer giessen?» Er sei auch nur ein Mensch, der manchmal ausraste. «Ich bin nicht stolz darauf, aber ich bin ein Mensch, der Fehler macht» Er wolle diese Negativität nicht. «Das sind nicht die Blumen, die in meinem Garten wachsen sollen.»

«Serbien gegen die Welt»: Ein Bild, das Novak Djokovic missfällt.

«Serbien gegen die Welt»: Ein Bild, das Novak Djokovic missfällt.

Seine Familie leidet indes unter der Wahrnehmung. Djokovics Frau Jelena entzieht sich der Öffentlichkeit inzwischen fast gänzlich und blieb auch den Australian Open fern. Und Mutter Dijana beklagte im letzten Herbst den Umgang mit ihrem Sohn im Männermagazin «GQ», als sie sagte: «Er ist so nett, höflich und arbeitet hart. Aber die Leute schätzen Novak nicht, weil er in der gleichen Ära wie Federer und Nadal spielt», sagt die 55-Jährige. «Ich leide auch darunter. Das Publikum respektiert zwar Novaks Erfolg. Aber sobald er gegen Federer spielt, jubeln die Fans Federer zu.» Djokovics Vater Srdjan glaubt, die mangelnde Wertschätzung hänge mit der Herkunft zusammen. «Tennis ist ein Sport für reiche Menschen. Und diese können nicht akzeptieren, dass jemand aus dem armen und kleinen Serbien zum besten Tennisspieler der letzten zehn Jahre wurde.

Djokovics Frau Jelena meidet die Öffentlichkeit.

Djokovics Frau Jelena meidet die Öffentlichkeit.

Er betreibt in Serbiens Hauptstadt Belgrad das Restaurant «Novak», in dem die Trophäen des 17-fachen Grand-Slam-Siegers ausgestellt sind und erzählte vom Telefonat nach dem achten Erfolg in Melbourne. «Novak hat mich angerufen und gesagt: ‹Papa, bau einen neue Vitrine, in die alle vier Grand-Slam-Pokale dieses Jahres passen.›» Er hatte damit wieder einen Brand gelegt, den sein Sohn bei nächster Gelegenheit löschen muss.

Dass der 32-Jährige aus dieser Konstellation durchaus auch Kraft schöpft, zeigt der Wimbledon-Final vom letzten Jahr. Das Publikum hatte sich Federer als Sieger gewünscht. Es hatte ihn angetrieben bis zum letzten Ballwechsel. Djokovic sagte später, er habe die «Roger-Roger»-Rufe in seinem Kopf in «Novak-Novak»-Rufe umgedeutet.

Das Grand-Slam-Titel-Rennen der Giganten

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