Fernsehen

Neuer Sport-Sender soll «Teleclub» und SRF in den Schatten stellen: UPC will ein Hockeyspiel pro Runde zeigen

UPC im Eishockey präsent: Das Unternehmen will sich im Sportfernsehen etablieren

UPC im Eishockey präsent: Das Unternehmen will sich im Sportfernsehen etablieren

UPC baut mit «MySports» ab der Saison 2017/18 einen Sportsender auf, der die TV-Landschaft verändern und das Staatsfernsehen in Bedrängnis bringen kann. Ein Eishockey-Spiel pro Runde soll im Free-TV gezeigt werden.

35,50 Millionen Franken bezahlt die UPC für die medialen Rechte unseres Hockeys. Die TV-Bilder des helvetischen Hockeys sind erst der Anfang. Im Laufe der Zeit sollen weitere Sportarten dazukommen.

Vorerst geht es um Hockey. Verbandsdirektor Florian Kohler sagt, man habe die Rechte UPC (und nicht mehr Teleclub/Swisscom) auch wegen der grösseren Reichweite verkauft.

UPC erreicht über die Glasfaserkabelnetze rund drei Millionen Haushaltungen und deckt gut und gerne 90 Prozent des Marktes ab. Was gemäss Kohler einer Verdoppelung der Reichweite gleichkommt.

Viel besser als Teleclub und SRF will man bei UPC werden

Viel besser als Teleclub und SRF will man bei UPC werden

Ein Spiel pro Runde im Free-TV und vier Bezahlkanäle

«MySports» wird auf einem frei empfangbaren Kanal pro Runde ein Spiel übertragen. Diese «Gratisspiele» sind ein Plus gegenüber dem bisherigen Pay-TV-Rechteinhaber «Teleclub». Zusätzlich sind bei «MySports» auf vier Bezahlkanälen sämtliche NLA Partien zu sehen.

Dazu kommen Spiele der NLB (nach regionalen Bedürfnissen) der 1. Liga (ab 2017 die aus 12 Teams bestehende überregionale Super-Erstliga), der U20-WM, alle Auswärtsspiele der Nationalmannschaft (neben der WM).

Eishockey-WM nach 2017 nicht mehr auf SRF

SRF hat die Rechte an der WM nur noch bis 2017 – gut möglich, dass ab 2017 auch die WM auf «MySports» läuft. Als Herrin über die Glasfaserkabelnetze wird UPC (mit 14 lokalen Kabelnetzpartnern) «My Sports» auf Kanal Nummer 9 laufen lassen und damit dem Hockey einen überaus prominenten Platz geben.

Bei der Präsentation von «MySports» haben UPC-Boss Eric Tveter und «MySports»-Chef Roger Feiner viel versprochen. Von «neuen Dimensionen», einer «neuen Ära», einer «Revolution» war die Rede – bei UPC und bei Hockey-Verbandsdirektor Florian Kohler. Er sagt: «‹MySports› kann bei den Sportübertragungen zu einem ernsthaften Konkurrenten der öffentlich-rechtlichen Sender werden.»

Besser, viel, viel besser als Teleclub und SRF

Niemand sagte es so, aber es war aus jedem Votum herauszuspüren: «MySports» will besser, anders sein als «Teleclub» und das Staatsfernsehen. Viel besser. Viel, viel besser. Mit neuen Produktions-Technologien, neuen Sendegefässen.

Da müssten eigentlich alle TV-Moderatoren die Hände reiben. Denn nach wie vor verdienen unsere TV-Stars nur ein Bruchteil ihrer ausländischen Kollegen. Weil es halt in der Schweiz keine Konkurrenz gibt. Die regionalen TV-Stationen sind keine Alternative und so ähnelt die Lohnstruktur in der Sportredaktion jener eines Bundesamtes. Es gibt heute nicht einmal mehr die sogenannten «Starverträge» und über 200'000 Franken Fix-Lohn verdient keiner der fest angestellten TV-Moderatoren.

Holt UPC Steffi Buchli an Bord?

Nun kommt «MySports» und braucht gute Moderatoren. Aber es wird keine Lohn-Revolution geben. Roger Feiner sagt ganz klar: «200'000 Franken Lohn? Das werden wir bei weitem nicht bezahlen.» Die Lust an einer Herausforderung, an einem Abenteuer, zählt bei «MySports» mehr als das Geld. Und da die Hockey-Verträge ja erst einmal fünf Jahre laufen, wird kaum eine bekannte TV-Persönlichkeit die «geschützte Werkstatt» und das «gemachte Nest» beim Staatsfernsehen verlassen.

Wer denn spekulieren will: von den prominenten TV-Gesichtern des Staatsfernsehens kommt, wenn überhaupt, wohl am ehesten Steffi Buchli in Frage. Sie ist die Frau von Hockey-Verbandsdirektor Florian Kohler.

«MySports» plant eine Hockey-Redaktion mit lediglich 15 Vollzeitstellen und insgesamt etwa 30 Mitarbeitern. Das ist sehr, sehr knapp bemessen und dürfte für eine Revolution oder neue Dimensionen bei weitem nicht ausreichen. Grösstenteils wird diese Redaktion wohl aus jenen Teleclub-Mitarbeitern bestehen, die am Ende der nächsten Saison ihren Job verlieren.

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