World Tour Finals

Nadal vs. Djokovic: Das Duell zweier Giganten

Ein Duell auf Augenhöhe: Aktuell führt Nadal in allen direkten Begegnungen mit 23:22. Ob der «Djoker» schon heute Samstag ausgleichen kann?

Ein Duell auf Augenhöhe: Aktuell führt Nadal in allen direkten Begegnungen mit 23:22. Ob der «Djoker» schon heute Samstag ausgleichen kann?

Rafael Nadal und Novak Djokovic kämpfen im Halbfinal in London um den Finalplatz bei den World Tour Finals. Die Zusammenkunft dreht sich um einen nicht mehr unwiderstehlichen Djokovic und einen völlig erstarkten Nadal.

Zusammen bringen sie es auf 24 Grand-Slam-Titel, kein Duell gabs bisher im Profitennis häufiger. Im Halbfinal der World Tour Finals stehen sich heute Samstag, um 15 Uhr Schweizer Zeit (SRF 2), zum 46. Mal Novak Djokovic und Rafael Nadal gegenüber. Noch führt Nadal 23:22, in diesem Jahr hat der Spanier jedoch alle drei Begegnungen verloren.

Das muss aber noch nichts heissen. Während Djokovic zuletzt nicht an sein Limit kam, trumpfte Nadal auf wie zu seinen besten Zeiten. Djokovic spiele in einer anderen Liga, hat Nadal vor einigen Tagen gesagt. Tatsächlich schien die unangefochtene Nummer eins der Welt da auch noch unschlagbar. «Das ist ein schönes Kompliment», kommentierte Djokovic: «Ich sehe mich aber überhaupt nicht in einer anderen Liga, das wäre unfair und arrogant, das würde ich nie sagen.»

Nicht mehr der Unantastbare

Tatsächlich wirkte der Serbe in den letzten beiden Matches nicht mehr unwiderstehlich. Wie schon nach der Niederlage gegen Roger Federer fand Djokovic auch nach dem Sieg über Tomas Berdych, dass er besser spielen könne. Ganz anders hatte das noch am Sonntag getönt, als er den Erfolg über Kei Nishikori als «unglaublich gute Leistung» einstufte.

Ganz anders tönte es nach dem Federer-Match, da sprach Djokovic gar davon, dass er seinem Gegner den Sieg vor allem im zweiten Satz geschenkt habe. «Ich bin ganz sicher, dass ich so etwas nie gesagt habe», betonte er nun. Das sei nicht fair, wenn jemand eine solche Geschichte erfinde. «Niemand soll böses Blut zwischen mir und Roger heraufbeschwören», wehrte er sich. Federer habe den Sieg verdient, sei der bessere Spieler gewesen. «Ich war enttäuscht von meiner Leistung, aber das hat nichts mit herschenken zu tun, das ist lächerlich», versuchte er, die Wogen zu glätten. Da er aber während des Turniers keine Zeitungen lese, habe er diese Schlagzeilen auch nicht mitbekommen. Mit allen Spielern auf der Tour pflege er eine sehr gute Beziehung, geprägt vom gegenseitigen Respekt. «Und darauf bin ich stolz.»

Respekt hat er natürlich vor Nadal. «Ich weiss, was mich erwartet», sagte er. Hoffentlich sei er in der Lage, sein bestes Tennis abzurufen. «Wir haben uns schon lange und epische Matches geliefert», sagte er. Unvergessen ist der Final beim Australian Open 2012, als sich Djokovic nach fast sechs Stunden in fünf Sätzen durchsetzte. Es sei eine tolle Rivalität mit Nadal, wie auch mit Federer.

Das Kriegsbeil mit dem Hartplatz begraben

Nadal aber kommt nach einer für ihn schwachen Saison zum Ende immer besser in Fahrt. Lange habe er mehr mit sich als seinen Konkurrenten gekämpft. «Dann ist es unmöglich, auf höchstem Niveau zu spielen», sagte er. Er sei noch nicht ganz sicher, ob er schon wieder ganz der Alte sei. Aber er sei auf dem richtigen Weg. «Solche Siege wie gegen Andy Murray oder Stan Wawrinka zeigen mir das», erklärte er. Inzwischen fühle er sich wieder wohl auf dem Platz, geniesse Matches und das Training. Der Sport sei doch ganz einfach: «Ich fühle, ich habe wieder mehr Zeit, ich denke nicht mehr daran, wie ich den Ball schlagen soll, sondern kann überlegen, wohin ich ihn schlage und fühle, dass er nicht ins Aus fliegt, das sind alles gute Zeichen», erklärte er.

Sogar mit dem Hartplatz in der von ihm nicht sonderlich geliebten Halle hat er sich angefreundet. «Das sind die schlimmsten Bedingungen für mich, aber ich habe hier zwei Topspieler geschlagen, das ist toll.» Ungewöhnlich oft stürmte er gegen Murray ans Netz. «Wenn ich den Ball gut treffe, spiele ich aggressiv, ich komme ans Netz, wenn ich Selbstvertrauen habe und mein Volley ist nicht schlecht», betonte er. Für Djokovic ist es kein gutes Zeichen, wenn Nadal so offensiv auftritt. Auch wenn der im dritten Gruppenspiel beim 6:7 (2:7), 6:3, 6:4 gegen David Ferrer erstmals einen Satz verlor. Aber er überstand auch diesen Test.

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