Nach turnskandal
Bericht zu Vorfällen beim Turnverband: Ein Viertel der Athletinnen erleidet Schmerzen

Nachdem schon fast das ganze Personal in der Führung des Schweizerischen Turnverbandes ausgetauscht werden musste, regt ein Untersuchungsbericht einen Neustart in der Rhythmische Gymnastik an. Das Ziel Olympische Spiele ist dadurch Geschichte.

Raphael Gutzwiller
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Olympiaträume müssen begraben werden: Die Rhythmische Gymnastik in der Schweiz braucht ein Neuanfang.

Olympiaträume müssen begraben werden: Die Rhythmische Gymnastik in der Schweiz braucht ein Neuanfang.

Urs Lindt / freshfocus

Die Magglingen-Protokolle und die Skandale rund um die beiden «Kindersportarten» Kunstturnen und Rythmische Gymnastik haben ihre Folgen. Virtuell präsentierte die Anwaltskanzlei Pachmann Rechtsanwälte einen Bericht zu den Skandalen in der Sportart Rhythmische Gymnastik.

Es liegen offensichtliche systematische Probleme zu Grunde, zeigt der Bericht auf.

Die Ergebnisse sind erschreckend:

  • Ein Viertel der befragten Athletinnen mussten Schmerzen erleiden
  • 90 Prozent der Athletinnen wurden regelmässige angeschrien
  • Die Infrastruktur ist ungenügend und fördert das Verletzungsrisiko
  • In zwei von sechs konkreten Fällen waren Athletinnen an Wettkämpfen angetreten, obwohl sie verletzt waren

Thilo Pachmann sagte: «Für den Schweizerischen Turnverband muss die anständige und korrekte Behandlung der Gymnastinnen höchste Priorität haben, wobei gleichzeitig Trainerinnen und Funktionäre vor Vorverurteilungen zu schützen sind.» Das Wohl der Athletinnen müsse also höher gewichtet werden als der sportliche Erfolg.

Damit rückt das sportliche Ziel, die Olympischen Spiele 2024, in weitere Distanz. «Die Zielsetzungen in der Rhythmischen Gymnastik müssen stark redimensioniert werden. Sich für Olympia zu qualifizieren ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen und der aktuellen Infrastrukturen nicht realistisch», so Pachmann.

Auch Fabio Corti, neuer Präsident des STV, hielt fest, dass man diese Ziele anpassen müsse. Zudem sagt er: «Wir müssen das Vergangene sauber aufarbeiten.»

Nach den Turnskandalen musste unter anderem Geschäftsführer Ruedi Hediger zurücktreten. Die Nachfolgerin Béatrice Wertli muss gemeinsam mit dem noch zu bestimmenden Chef Spitzensport die Überarbeitung des Spitzensportkonzeptes in Angriff nehmen. Sie meinte dazu:

«Wir können die Vergangenheit nicht ungeschehen machen, aber wir können die Zukunft gestalten.»

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