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Münchner Ernsthaftigkeit gegen Pariser Ausgelassenheit

Neymar (l.) und Marquinhos feiern den Führungstreffer im Halbfinalspiel gegen Leipzig.

Neymar (l.) und Marquinhos feiern den Führungstreffer im Halbfinalspiel gegen Leipzig.

Am Sonntagabend trifft der FC Bayern München auf Paris Saint-Germain im Endspiel der Champions League. Die Stimmungslagen sind unterschiedlich. Die Stärken ebenfalls.

Nach den Halbfinals kursierte ein Vergleich in den sozialen Netzwerken. Das eine Bild war eine Fotografie, auf der die Münchner Leon Goretzka, Joshua Kimmich und Thomas Müller auf der Ersatzbank miteinander sprechen. Ihre Mienen sind ernst. Es wirkt, als würden sie das vergangene Spiel analysieren. Vor wenigen Minuten waren sie ins Endspiel der Champions League eingezogen. Mit einem 3:0-Sieg.

Die Bayern wirken fokussiert, die Pariser dagegen ausgelassen.

Denn das andere Bild zeigt die Mannschaft von Paris Saint-Germain in der Umkleidekabine nach dem Finaleinzug. Alle jubeln und grinsen in die Kamera. Ob Ersatztorwart oder 222-Millionen-Transfer.

Auch die Medien beschwören die Einheit. Die französische Sportbibel «L’Equipe» titelte in der heutigen Ausgabe: «Soudés comme jamais.» Zusammengeschweisst wie nie zuvor.

Das deutsche Pendant, der «Kicker», ist offenbar der Meinung, die Bayern können sich nur selber schlagen. Statt die Mannschaft von Hansi Flick mit dem Pariser Ensemble zu vergleichen, stellt sie der «Kicker» dem Team von 2013 gegenüber. 2013, als die Bayern unter Jupp Heynckes das Triple gewannen.

Die Ernsthaftigkeit beim deutschen Meister entspricht nicht dem Stil, den diese Mannschaft praktiziert. Der FCB hat in den letzten beiden Spielen elf Tore erzielt, insgesamt 42. Sogar der Torrekord dieses Wettbewerbs ist in Reichweite, obschon Barcelona, das vor 20 Jahren einmal 45 Tore schoss, fünf Spiele mehr absolvieren konnte.

Auch die feiernden Pariser spielen einen Fussball, der nur bedingt zur eigenen Ausgelassenheit passt. In sieben ihrer zehn Spiele blieben sie ohne Gegentor. Überhaupt kassierte der französische Meister nur fünf Gegentore. Die wenigsten von allen. Der deutsche Trainer Thomas Tuchel will die milliardenschwere Verheissung PSG mit einer sicheren Defensive und einem spektakulären Angriff einlösen.

Die Bayern hingegen laufen keiner Verheissung hinterher. In den letzten zehn Jahren waren sie ständiger Titelkandidat. Doch in der Vergangenheit gründete ihre Stärke auch auf monumentalen Enttäuschungen. Im Endspiel 1999 verloren die Bayern in letzter Sekunde gegen Manchester United. Zwei Jahre später hielt Oliver Kahn im Final drei Elfmeter. Und ein bisschen auch diesen Verein zusammen. Das niederschmetternde «Finale dahoam» 2012 konterten die Bayern ein Jahr später mit dem Sieg im Londoner Wembleystadion.

Wer setzt sich im Estadio da Luz durch? Die Münchner Ernsthaftigkeit oder die Pariser Ausgelassenheit?

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