Ambri will mit Tempohockey gegen den Angstgegner Zug punkten

Nur gegen Zug und Biel hat Ambri diese Saison noch nicht gewinnen können. Das ist kein Zufall. Und doch soll sich das am Freitag im Derby gegen Zug ändern. Center Marco Müller ist überzeugt, dass Ambri bis Ende Saison nicht der Schnauf ausgeht.

Klaus Zaugg
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Marco Müller und Torhüter Benjamin Conz wollen heute endlich gegen Zug jubeln. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Bern, 16. November 2018))

Marco Müller und Torhüter Benjamin Conz wollen heute endlich gegen Zug jubeln. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Bern, 16. November 2018))

Bei der Video-Vorbereitung auf die Partie von Freitagabend in der Valascia braucht Zugs Trainer Dan Tangnes nur eine Szene aus Ambris Spiel vom letzten Dienstag zu zeigen. Eine Szene, die Ambris Glanz und Elend in dieser Saison erklärt: der teuflisch schnelle Dominik Kubalik enteilt der bestorganisierten Abwehr des Landes. Berns amerikanischer Topskorer Mark Arcobello, gewiss keiner, der auf Schneeschuhen unterwegs ist, läuft verzweifelt hinterher, schlägt beidhändig schwungvoll und heftig mit dem Stock nach dem Liga-Topskorer und hindert ihn so doch noch am Torerfolg. Allerdings zu einem hohen Preis. Er kassiert eine Fünfminutenstrafe mit Restausschluss plus eine Spielsperre, die er am Freitag ausgerechnet gegen die SCL Tigers absitzen muss. Dominik Kubalik darf auch noch zum Penalty antreten. Aber er scheitert an Zugs künftigem Torhüter Leonardo Genoni, und Ambri holt aus dem fünfminütigen Powerplay bloss einen Treffer (zum 2:2) heraus. Das reicht nicht. Am Ende siegt der SCB 3:2.

Was wir aus dieser Szene lernen: Ambri spielt ein spektakuläres, schnelles Lauf- und Energiehockey, und mit Domi­nik Kubalik hat man mit einiger Sicherheit den schnellsten Stürmer der Liga. So schnell, dass es ihm sogar gelingt, der mit Abstand besten Verteidigung der Liga davonzulaufen. Aber Ambri hat nicht genug talentierte Spieler, um die Laufmeter, die herausgespielten Chancen, die herausgeholten Strafen Abend für Abend in Tore umzumünzen. Manchmal – wie zuletzt in Bern – laufen Ambris tapfere Helden wie die Hamster im Rad.

«Wir sind frisch, weil wir mit vier Linien spielen»

Es ist kein Zufall, dass Ambri in dieser Saison zwar Titanen wie die meisterlichen ZSC Lions, den SC Bern oder den Erzrivalen Lugano schon mindestens einmal besiegt hat und nur gegen zwei Gegner noch nie gewonnen hat: gegen Zug und Biel. Gegen die zwei Teams, die ein sehr ähnliches Lauf- und Tempo­hockey zelebrieren, die jederzeit mit Ambri «tanzen» können, die aber talentierter und ausgeglichener sind. Dreimal hat Ambri diese Saison gegen Zug verloren.

Für Marco Müller ist es nun an der Zeit für den ersten Erfolg gegen Zug. Der produktivste Schweizer Center (39 Spiele/ 31 Punkte) dirigiert zwischen Dominik Kubalik und Dominic Zwerger die beste Angriffsformation der Liga und vertraut auf Ambris wichtigste Qualitäten: Energie, Tempo, Leidenschaft. Er und seine Mitspieler werden versuchen, auch Zug davonzulaufen. «Wir trainieren sehr intensiv und sind trotzdem frisch. Weil wir mit vier Linien spielen.» Diese Aussage des ehemaligen SCB-Juniors lässt sich mit einer Statistik untermauern: Ambri hat nur einen einzigen Spieler, der mit mehr als 20 Minuten Eiszeit pro Partie belastet wird: Verteidigungsminister Nick Plastino. Bei Zug sind es drei (die Verteidiger Santeri Alatalo, Rafael Diaz und Dominik Schlumpf). Müller ist überzeugt, dass die Energie nicht nur am Freitagabend reicht. Sondern für den Rest der Saison, um zum zweiten Mal seit 2006 die Playoffs zu erreichen.

Genug Energie also für Freitagabend und bis zum letzten Spiel der Saison und gute Zukunftsperspektiven: eine Wiederholung der wundersamen Saison ist durchaus möglich. Schlüsselspieler wie Marco Müller (bis 2022) und Dominic Zwerger bleiben. Der österreichische Nationalstürmer mit Schweizer Lizenz hat um drei Jahre bis 2022 verlängert. Mit einer NHL-Ausstiegsklausel. Aber die kann er erst im dritten Jahr im Sommer 2021 aktivieren. Zur grossen Herausforderung für Sportchef Paolo Duca wird die Besetzung der Ausländerpositionen. Liga-Topskorer Dominik Kubalik hat zwar einen Kontrakt bis 2020. Aber mit einer NHL-Ausstiegsklausel. Er hat gute Aussichten auf einen NHL-Vertrag für die nächste Saison. Chicago hat sich die Rechte am tschechischen Nationalstürmer erworben.

Trainer Luca Cereda hat einen gewöhnlichen Arbeitsvertrag

Das ausländische Personal kann der Sportchef ersetzen. Vor einem beinahe unlösbaren Problem stünde er aber dann, wenn Trainer Luca Cereda gehen würde. So stark wie Cereda prägt kein anderer Trainer das Spiel seiner Mannschaft. Nicht einmal Kari Jalonen in Bern oder Dan Tangnes in Zug. Seine Vertragssituation ist einmalig: er hat, anders als alle seine Amtskollegen, keinen Zeitvertrag. Sondern einen ganz gewöhnlich laufenden und kündbaren Arbeitsvertrag wie ein «gewöhnlicher» Arbeitnehmer. So gesehen ist juristisch offen und ungewiss, ob er bleibt. Doch Paolo Duca bestätigt, dass sein Trainer den Arbeitsvertrag nicht gekündigt hat und sagt, ein wenig unwirsch: «Sie können davon ausgehen, dass Luca Cereda auch nächste Saison unser Trainer sein wird.»

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