Eidgenössisches Turnfest Aarau
Mit einer Hechtrolle ins Sägemehl: Andi Imhof und sein erneuter Triumph im Nationalturnen

Am Eidgenössischen Turnfest in Aarau realisiert Andi Imhof im Nationalturnen den dritten Turnfestsieg in Folge. Während er den ersten Wettkampftag auf dem fünften Platz beenden musste, trumpft Imhof am zweiten Tag auf - und darf sich zurecht zum dritten Mal krönen lassen.

Larissa Gassmann
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Am Freitag startet Imhof in den vier von ihm ausgewählten Vornoten-Disziplinen.
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Die Nationalturner Andy Imhof, links, und Matthias Herger versuchen, sich im Sprint gegenseitig zu übertrumpfen.
Danach braucht der Schwinger erst einmal eine Pause. Der Nationalturner Andy Imhof anlaesslich des Eidgenoessischen Turnfest 2019 in Aarau am Freitag, 14. Juni 2019 im Schachen in Aarau. Das Eidgenoessische Turnfest in Aarau dauert vom 13. Juni bis 23. Juni 2019. (KEYSTONE/Urs Flueeler)
«Viele haben erkannt, dass das Nationalturnen etwas sehr Gutes ist, auch für den Schwingsport selbst», sagt Imhof über das Nationalturnen
Er mag eigentlich alle Disziplinen, am liebsten aber das Steineheben und Steinstossen, weil er dort sein Können und seine Kräft optimal einsetzten kann.
Am Samstag darf er sich auf ein gewohnteres Terrain wagen.
Im Ringen tritt er gegen Straub Robin (gelb, STV Zihlschlacht) an.
Der junge Straub macht es Imhof nicht leicht.
Mit vereinten Kräften kann Andi Imhof ihn aber trotzdem besiegen.
Nach dem kräftezehrenden Duell darf sich Imhof erholen.
Im Schlussgang muss er sich schliessslich gegen seinen Vereinskollegen Matthias Herger beweisen.
Vor seiner letzten und schweren Prüfung ist Konzentration gefragt.
Imhof will nach 2007 und 2013 seinen dritten Sieg an einem ETF realisieren.
Die beiden Vereinskollegen schwingen oft zusammen...
Andi Imhof Nationalturnen ETF (16.06.2019)
Die beiden Urner schenken sich nichts.
Imhof kämpft und gibt nicht auf.
Er mobilisiert in seinem letzten Duell die verbliebenen Kräfte.
Nach fünf Minuten ist es vollbracht: Imhof gewinnt den Schlussgang gegen Vereinskollege Herger Matthias.
Sein Schüler muss sich Imhof geschlagen geben.
Bereits zum dritten Mal in Folge kann Imhof den Turnfestsieg im Nationalturnen für sich beanspruchen.
Noch lange gehört er nicht zum alten Eisen. Laut «BLICK» will er in sechs Jahren auch in Lausanne weiterhin mitmischen.
Über seinen Sieg freut sich nicht nur Imhof selbst, sondern seine ganze Familie.

Am Freitag startet Imhof in den vier von ihm ausgewählten Vornoten-Disziplinen.

URS FLUEELER

Andi Imhof tropft der Schweiss von der Stirn. Mit hochrotem Kopf versucht der Nationalturner im Schlussgang, seinen Vereinskollegen Matthias Herger zu Boden zu ringen. Sekunden, die sich wie Minuten anfühlen, vergehen.

Imhof ächzt. Fasst sich ein Herz, nimmt seine noch verbliebene Energie zusammen und schickt seinen Kollegen auf Tuchfühlung mit dem Sägemehl. Nach fünf Minuten ist das Kunststück vollbracht: Zum dritten Mal nach 2007 und 2013 beendet das Mitglied des Turnvereins Bürglen das Eidgenössische Turnfest als Turnfestsieger der Kategorie Nationalturnen.

Dass er sein letztes Duell mit einem Sieg beenden wird, war zu erwarten, doch Imhof wusste um die Stärke von Herger: «Erst als Matthias auf dem Rücken lag, wurde mir bewusst, dass ich dieses Fest hier gewinne», sagt der 34-Jährige.

Sprinten, stossen, schwingen

Aber Moment! Schwingen, Sägemehl? Was hat das an einem Turnfest zu suchen? Verwundert zeigten sich ob der Kombinationen zwischen Kampf- und Turnsport auch die vorbeilaufenden ETF-Besucher, die es kaum glauben konnten, dass in Aarau nicht nur geturnt, sondern auch kräftig geschwungen wurde.

Auch am ersten Wettkampftag bot sich den Zuschauern ein ungewohntes Bild: Am Freitagmorgen schwangen die rund 104 Teilnehmer nicht etwa die Gegner durch die Luft, sondern das Turnbein. Bodenturnen, Weitsprung, Hochweitsprung, 100-m-Sprint, Steinstossen und Steinheben – mindestens in vier dieser sechs Disziplinen mussten die Nationalturner antreten.

Um den Zehnkampf zu komplettieren, kommen dazu vier bis sechs Runden Ringen und Schwingen. Imhof entschied sich für die letzten vier Turn-Disziplinen, wobei Steinstossen und Steinheben seine Favoriten sind.

Kleine Wackler im Bodenturnen

Doch Lieblingsdisziplinen hin oder her, den ersten Wettkampftag musste er auf dem fünften Platz beenden. Beunruhigt hat ihn das allerdings nicht: «Es ist für mich nicht aussergewöhnlich, dass ich nach den Turnelementen nicht auf den vordersten Rängen bin. Von dem her habe ich mir keine allzu grossen Gedanken gemacht», sagt er.

Während des Bodenturnens sah man auch der restlichen Schwingerfraktion an, dass ihr der erste Wettkampfteil nicht besonders liegt. Hochkonzentriert vollführten alle ihre Übungen, nur wenige verzogen bei kleinen Wacklern das Gesicht.

Und auch wenn deren Anzahl hoch war: Wie die Schwinger für einmal versuchten, Eleganz und Ruhe auszustrahlen und ihre Körperbewegungen genauestens zu kontrollieren, war faszinierend. Dennoch stellt sich die Frage, ob Nationalturner von der restlichen Schwingerwelt auch einmal blöde Sprüche zu hören bekommen. «In den letzten paar Jahren hat sich das sehr gewandelt. Viele haben erkannt, dass das Nationalturnen etwas sehr Gutes ist, auch für den Schwingsport selbst», relativiert Imhof.

Unsicherheiten abgestreift

Trotzdem wirkten die Teilnehmer am Nachmittag gelöster. Mit Elan stiegen die Schwinger in ihr gewohntes Outfit – und streiften sogleich ihre Unsicherheiten ab. Nur Imhof hatte weiterhin zu kämpfen. Gegen den Thurgauer Ernst Bühler erreichte er nur ein Unentschieden.

Auch am zweiten Wettkampftag forderten ihm seine Duelle viel Kraft ab. Nach seinem Sieg im Ringen gegen Robin Straub – wie Bühler ebenfalls Mitglied des STV Zihlschlacht – sank er abseits der Menge und von allen unbeobachtet erschöpft zu Boden.

«Von der Intensität her war der zweitletzte Kampf gegen Robin Straub der härteste. Auch, weil ich ihn unbedingt gewinnen wollte», resümiert er im Nachhinein. Umso erstaunlicher war es, wie sich der Favorit noch zurückkämpfen und im Schlussgang Herger übertrumpfen konnte, womit er diesen auf den vierten Platz verwies.

Verdienter Triumph

Auch Marcel Bieri (Menzingen ZG) und Jeremy Vollenweider (Marthalen ZH) konnten Imhof nicht mehr einholen und mussten sich mit dem zweiten respektive dritten Rang zufriedengeben.

Andi Imhof, der auch am Eidgenössischen Schwingfest in Zug starten wird, hat somit bewiesen, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört. Aber mit Leichtigkeit hat er seinen dritten Sieg nicht errungen. Ganz gewiss ist jedoch: Es ist ein verdienter Triumph. Zurückgekämpft hat er sich wie ein Löwe. Gekrönt wurde Imhof nun zum dritten Mal wie ein König.