Sport

Missbrauch? Freigestellte Cheftrainerin wehrt sich

Die bisherige Cheftrainerin Iliana Dineva nimmt Stellung.

Die bisherige Cheftrainerin Iliana Dineva nimmt Stellung.

Nach den schweren Vorwürfen spricht Iliana Dineva erstmals – und erhält Support von Gymnastinnen.

Die Rhythmische Gymnastik schafft es selten in die Zeitungsspalten. Die Erfolge fehlen, aber auch die Verankerung in der Schweiz. Das ändert sich nur, wenn gravierende Vorwürfe im Raum stehen – so wie jetzt. In den vergangenen zwei Wochen berichtete der «Blick» fast täglich über die Vorkommnisse im Schweizer Nationalkader. Im Fokus stand Cheftrainerin Iliana Dineva. Sie soll unter anderem eine Athletin als «fette Kuh» bezeichnet, nach einem missglückten Wettkampf das Essen gestrichen und keine Rücksicht auf verletzte Gymnastinnen genommen haben.

In der Folge wurden Dineva und Nationaltrainerin Anelia Stantscheva vom Verband freigestellt. Kurz darauf stellte der Schweizerische Turnverband (STV) zudem das Training des Nationalkaders vorübergehend ein, nachdem auch gegen die interimistische Nachfolgerin Vorwürfe auftauchten. In der ganzen Debatte kam Dineva selbst bisher nicht zu Wort. Die «NZZ» sprach zwar mit ihr. Sie zog ihre Aussagen jedoch zurück, weil sie sich zuerst mit ihrem Anwalt absprechen wollte. Gestern lud sie nun zu einer Medienkonferenz in Zürich ein.

«Sie hat niemanden fertiggemacht»

Vor zwei Journalisten – vom «Blick» war niemand dabei – ­bezog ihr Anwalt Christian Widmer Stellung. Dass man sich mit dem Gewicht auseinander setze, dass man an die Leistungsgrenze gehe im Training, das gehöre zum Spitzensport, sagte er. «Die Frage ist jedoch: Wie geht die Trainerin mit den jungen Frauen um?» Dineva sei eine strenge Trainerin, die etwas verlange von den Gymnastinnen. «Sie hat jedoch niemanden fertig gemacht, niemanden gemobbt.» Zur Medienkonferenz kamen auch drei ehemalige Gymnastinnen. Eine von ihnen ist Gina Dünser. Sie gehörte bis 2018 zum Nationalkader und trainierte zwei Jahre unter Dineva. Sie war mit jenen beiden Athletinnen im Team, die in den vergangenen Tagen die Vorwürfe erhoben. Dünser selbst hat diese Zeit ganz anders erlebt. «Ich wurde immer korrekt behandelt, nie beleidigt», erzählte sie. Sie war lange verletzt. Im Training sei jedoch Rücksicht auf sie genommen worden. Die Aussagen ihrer Kollegin könne sie sich nicht erklären. Die ­frühere Teamkollegin Tamara Stanisic äusserte sich in der «NZZ am Sonntag» ähnlich.

Nächste Woche kommt es zum Gespräch mit dem STV

Wo die Wahrheit liegt, ist eine schwierige Frage. Zu viele Grautöne gibt es. Möglich ist, dass die Gymnastinnen die Zeit anders erlebt haben. Offen bleibt auch die Frage, was diese Vorwürfe mit dem temporären Entzug des Gastrechts in Magglingen zu tun haben. Im vergangenen Jahr durfte das Nationalkader zeitweise nicht mehr in der Sporthalle des Baspo trainieren. Grund dafür seien Differenzen in Fragen der Betreuung und der Trainingsmethodik, hiess es. Die sportmedizinische Kooperation ist bis heute ausgesetzt.

Dineva spricht hingegen davon, dass sie zuvor einen guten Austausch mit dem Ärzteteam hatte. Zudem sei ihr Vertrag in diesem Jahr bis 2024 verlängert worden, mit einer normalen Kündigungsfrist von drei Monaten. Nächste Woche werden sich Dineva, ihr Anwalt und der STV zu einem Gespräch treffen. «Wir wollen einiges richtig stellen», sagt Anwalt Widmer. «Und wir wollen eine Lösung finden.»

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