Coronaregeln bei Olympia
Marco Odermatt und die Macht von Chinas Virologen

Ab wann bedeutet eine Coronainfektion für Sportlerinnen und Sportler das Olympia-Aus? Gerade Goldhoffnungen wie die Schweizer Skistars, die derzeit wegen ihrer Erfolge von Interview zu Interview und von Siegerehrung zu Siegerehrung gereicht werden, sind vor einer Last-Minute-Infektion besonders gefährdet.

Rainer Sommerhalder
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Marco Odermatt ist ein gefragter Mann . Umso mehr Kontakt mit Medien, Publikum und Funktionären er hat, umso grösser die Gefahr, sich im dümmsten Moment noch anzustecken.

Marco Odermatt ist ein gefragter Mann . Umso mehr Kontakt mit Medien, Publikum und Funktionären er hat, umso grösser die Gefahr, sich im dümmsten Moment noch anzustecken.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Was passiert, wenn Skistar Marco Odermatt am 27. Januar positiv auf Corona getestet wird? Sind die Olympischen Träume damit geplatzt oder besteht eine Chance, dass er acht Tage später in Chinas Bergen die Abfahrt bestreiten kann? Christophe Dubi, Olympiadirektor des IOC, hat vergangene Woche angedeutet, dass neuerdings eine gewisse Flexibilität in der Frage gilt, wie positive Fälle kurz vor dem Entzünden des Olympischen Feuers gehandhabt werden.

Die Frage zu Odermatt geht also an Ralph Stöckli, den Schweizer Olympiachef. Dieser sagt: «Der Prozess scheint uns klar. Grundsätzlich kann ins Flugzeug steigen, wer vier negative Tests an vier aneinanderfolgenden Tagen vorlegen kann – unabhängig vom Zeitpunkt der Ansteckung. Ein Expertenteam kann Ausnahmen bewilligen, wenn ein Testresultat zwar positiv, der CT-Wert den Sportler aber nicht mehr als infektiös ausweist».

Positiv ist nicht überall auf der Welt positiv

Es kann also sein, dass chinesische Virologen das letzte Wort haben, ob ein kurzfristig angesteckter Athlet am Start steht. China definiert den Schwellenwert, wann ein PCR-Test positiv gewertet wird, übrigens wie die Schweiz bei 40. Andere Länder kennen ein CT-Limit von lediglich 35. Stöckli sagt, dass durchaus die Situation eintreffen kann, wo jemand vor dem Abflug negativ und bei der Einreise in Peking positiv getestet wird.

Der Schweizer Olympiachef spricht sieben Tage vor seiner eigenen Abreise nach China von «unzähligen Fragen, die noch offen sind» und einem unglaublich grossen administrativen Aufwand, welcher Swiss Olympic für die gut 400-köpfige Peking-Delegation erledigen muss.

Rund 170 Athletinnen und Athleten sollen die Schweiz in Peking vertreten. Die letzten Selektionen erfolgen am 24. Januar. Stöckli sagt, die ständige Unsicherheit dieser Olympiahoffnungen vor einem positiven Test generiere einen «enormen Druck». Um diesem auch vor Ort gewachsen zu sein, wird die sportpsychologische Betreuung personell verstärkt.

Stöckli erwähnt nebst Corona drei weitere Faktoren, welche die Winterspiele zu einer grossen Herausforderung machen: Die enorme Kälte in Chinas Bergen, die grossen Distanzen zwischen den drei Athletendörfern und zu guter Letzt: «Es sind und bleiben politische Spiele. Auch darauf müssen wir die Delegation einstellen.» (xy)

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