Europa League

Manipulation & Korruption: FCB-Gegner Anorthosis Famagusta erlebt Exemplarisches für den zypriotischen Fussball

Wenn Anorthosis Famagusta gegen den Rivalen Omonia Nikosia spielt, geht es meistens heiss zu und her.  Dieses Bild aus dem Jahr 2012 steht symbolisch für die Probleme des zypriotischen Fussballs.

Wenn Anorthosis Famagusta gegen den Rivalen Omonia Nikosia spielt, geht es meistens heiss zu und her. Dieses Bild aus dem Jahr 2012 steht symbolisch für die Probleme des zypriotischen Fussballs.

Die Vorbereitung von FCB-Gegner Anorthosis Famagusta wurde in den letzten Tagen gewaltig gestört. Leider nichts Neues für die seit Jahren im Exil spielenden Zyprioten.

Ein Elfmeter gegen Anorthosis Famagusta und angeblich ungewöhnliche Wettaktivitäten sorgen am vergangenen Wochenende für einen Skandal. Solche Geschichten suchen den von Korruption gebeutelten zypriotischen Fussball immer wieder heim. Diesmal stört er die Vorbereitung des FCB-Gegners auf das Spiel in der Europa-League-Qualifikation empfindlich.

Alles beginnt am Sonntagabend. Beim Spitzenspiel zwischen Tabellenführer Apollon Limassol und dem Drittplatzierten Anorthosis führt Famagusta 1:0, um am Ende 1:3 zu verlieren. Während dem Spiel stellt der zypriotische Verband ungewöhnliche Wettaktivitäten fest. Er eröffnet eine Ermittlung und Andreas Papacharalambous, der Vorsitzende des Ethikausschusses, erklärt sich daraufhin im Fernsehen. «Wir haben Daten gesammelt, die uns zwingen, dem nachzugehen», sagt er. Normalerweise obliegt diese Überwachung der Uefa, die im Fall eines Manipulationsverdachts rund 48 Stunden später eine Untersuchung einleitet. Warum der zypriotische Verband hier bereits am Tag nach dem Spiel öffentlich macht, dass eine Untersuchung läuft, schürt Zweifel an der Integrität.

Der Ausschuss betrachtet in der Folge vor allem die Szene rund um den Elfmeter zum 1:1. Auf TV-Ausschnitten ist zu sehen, wie Anorthosis-Keeper Giorgi Loria mit dem Kopf in die Ecke nickt, in die der Schütze angeblich schiessen soll. Was er kurz darauf auch macht. Doch ein Beweis für eine allfällige Spielmanipulation ist das natürlich nicht. Loria hätte ja genau so gut in die Ecke nicken können, in die er später springt.

Anorthosis distanziert sich am Montag mit einem Statement auf der Website von den Anschuldigungen. «Wir verurteilen all die lächerlichen Dinge kategorisch», heisst es. Und der Klub geht sogleich in den Gegenangriff über und wirft Papacharalambous schmutzige Geschäfte vor: Der Verband arbeite mit Omonia-Präsident Stavros Papastavrou zusammen. Omonia Nikosia ist wegen des besseren Torverhältnisses im Vergleich mit Anorthosis der amtierende Meister in Zypern und auch der aktuelle Arbeitgeber des senegalesischen FCB- Neuzugangs Kaly Sene.

Am Dienstag stellen dann die nationale Wettbehörde und auch die Uefa klar, dass es keine verdächtigen Wettaktivitäten rund um die Partie Anorthosis gegen Apollon gegeben hat. Die Vereine sehen sich im Recht. Der Verband wiederum muss sich die Frage gefallen lassen, warum er die Untersuchungen so schnell öffentlich gemacht hat. «Wir sind mit solchen Korruptionsgeschichten aufgewachsen. Auch wenn nichts dran ist, wird in Zypern immer viel spekuliert. Letztendlich schadet das dem Sport», sagt der zypriotische Sportjournalist Kyriacos Nicolaou. Den jüngsten Skandal bezeichnet er als «Tragikomödie».

Ausländer prägen den Flüchtlingsverein

Anorthosis hat in seiner Historie schon grössere Dramen erlebt. Nachdem der Norden Zyperns und damit auch Famagusta 1974 von der Türkei besetzt wurde, flüchtete der Verein nach Larnaka. Dort amtet und spielt der Klub auch heute noch. Viele Anhänger sind Flüchtlinge, die sich gegen die türkischen Herrscher auflehnen. An Heimspielen wird sowohl die griechische als auch die zypriotische Flagge geschwenkt. Mittlerweile freuen sich die zypriotischen Fans aber vor allem über die positive sportliche Entwicklung.

Zypern hat international mehr Erfolg als die Schweiz

Zypern liegt aktuell auf Rang 14 der Uefa-Fünfjahreswertung. Drei Plätze vor der Schweiz. Noch haben vier Teams die Chance, sich für eine europäische Gruppenphase zu qualifizieren. «Dass der zypriotische Fussball trotz aller Nebenschauplätze Erfolg hat, liegt an den vielen Ausländern, die mittlerweile hier spielen und für die der europäische Wettbewerb wichtig ist», sagt Nicolaou. Auch bei Anorthosis sind aktuell nur zehn Zyprioten im 29-Mann-Kader. Der Trainer Temur Kezbaia ist Georgier. Er ist seit 2019 zurück bei seinem Ex-Klub, wo man sich gerne an seine erste Amtsperiode von 2005 bis 2009 erinnert.

Unter Kezbaia wurde Anorthosis 2008 zum vorerst letzten Mal Meister und spielte daraufhin als erster zypriotischer Verein überhaupt in der Champions League. Dort gab es zwei Unentschieden gegen Werder Bremen, ein 3:3 gegen Inter Mailand und sogar einen Sieg gegen Panathinaikos Athen. «Das war sensationell», sagt Nicolaou. «Doch das heutige Team hat bis auf den Trainer nichts mehr mit dem damaligen Team gemein.» Anorthosis sei erfahren, habe ein gutes Pressing und sei kein Team, das gerne abwartet. In Zypern hat Anorthosis in der abgelaufenen Saison die meisten Chancen kreiert. Nicolaou geht davon aus, dass sie auch in Basel auf alles oder nichts spielen werden. Der Vorwurf der Spielmanipulation wird sie nicht davon auf jeden Fall nicht abhalten.

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