Handball
HC Dietikon-Urdorf mitten im Abstiegsrunden-Strudel

Während die Limmattaler im zweiten Aufeinandertreffen mit Fides St. Gallen chancenlos waren (27:34), gewann Verfolger Wetzikon seine Partie gegen Appenzell.

Raphael Biermayr
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Tarek Grendelmeier entwischt seinem Gegenspieler.
HCDU-Topskorer Daniel Imhof von zwei Gegenspielern gebremst.
Huckepack auch im Handball.
Ricardo Rüegg legt alle Wucht in diesen Abschluss.
Hälkinger mit freier Bahn.
HCDU-Trainer Claude Bruggmann: Zufriedenheit sieht anders aus.
Kreisläufer Marco Meier trifft für den HCDU.

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Otto Lüscher

Die Szene in der 44. Minute verdeutlichte zwei Tatsachen. Erstens: HCDU-Trainer und Bald-Vater Claude Bruggmann wird eine konsequente Erziehungslinie verfolgen. Zweitens: Die Vorentscheidung in der Partie gegen Fides St. Gallen war gefallen. Was war geschehen? Dietikon-Urdorfs Torhüter Josip Katicic hatte beim Stand von 18:23 nach einem lauthals geforderten Fussspiel eine Zwei-Minuten-Strafe wegen Reklamierens kassiert, anschliessend weiter gemosert und dafür eine zweite Strafe aufgebrummt erhalten. Bruggmann drehte sich nach seinem Torhüter um und – eine seltene Gefühlsregung des Ex-NLA-Spielers – fauchte ihn in an: «Geh heim!»

In der Folge zeigten die Gastgeber ironischerweise die beste Deckungsleistung an diesem Abend. Dank einer offensiven Ausrichtung am eigenen Kreis hielten sie das Skore während der vier Minuten mit einem Mann weniger ausgeglichen. Nach einer beiderseits nonchalanten Schlussphase hiess es 27:34.

Die Limmattaler hatten sich gegen Fides eine Menge vorgenommen, ungeachtet dessen zweitem Tabellenplatz. Der Grund für die Zuversicht war das 30:19 im Hinspiel. Nach dem gestrigen zweiten Aufeinandertreffen muss das als Betriebsunfall der Ostschweizer abgetan werden. Denn es lagen Welten zwischen den beiden Teams. Sinnbildlich dafür war Fides-Topskorer Andreas Keel: Der hünenhafte vormalige NLA-Spieler von St. Otmar warf in der zweiten Halbzeit fünf Treffer weitab vom Kreis. Mit minimalem Aufwand gelangen dem Linkshänder seine Tore durch eine löchrige Deckung, während die Limmattaler jeden Treffer herausarbeiten mussten.

Dabei wusste die HCDU-Offensive durchaus zu gefallen: Luzi Tiefenauer traf mit starken Antritten aus dem linken Rückraum in die Mitte elf Mal ins Schwarze, in der Mitte übernahm Ricardo Rüegg häufig die Verantwortung im Abschluss. Und am linken Flügel machte Christian Hilkinger Wirbel. Auf der undankbaren rechten Position spielte Daniel Imhof allerdings erneut verhalten (vier Tore). Im Hinspiel hatte er noch 13 Treffer markert. «Dani hat zu Beginn der Saison fast über seinen Verhältnissen gespielt, das hat sich natürlich herumgesprochen», stellte sich Trainer Bruggmann hinter den wichtigsten Spieler des HCDU der letzten Jahre.

Keinen Schutz des Trainers genoss hingegen Josip Katicic. «Nach einer schlechten Leistung sich so schlecht zu verhalten, geht einfach nicht. Im Abstiegskampf kann man sich das schon gar nicht erlauben.» Katicic folgte dem Geheiss des Trainers indes nicht, sondern sah sich den Rest des Matches im Foyer der Zentrumshalle an. «Man muss kein Mitleid mit mir haben», stellte er nach Schulterklopfern von Zuschauern klar. Die folgenden Wortfetzen enthielten häufig das Wort «bitter», Katicic schwankte zwischen Unverständnis für die Schiedsrichterentscheidung und für sein sein Verhalten.

Vor fast genau einem Jahr gab sich der Torhüter an selber Stelle reumütig: Ebenfalls gegen Fides St. Gallen hatte er je eine Zwei-Minuten-Strafe pro Halbzeit kassiert. Nach der zweiten liess ihn Bruggmann auf der Bank schmoren. Das war es mit den Parallelen zum gestrigen Match: Der HCDU holte damals nämlich gegen die St. Galler seinen 22. Punkt der Saison und war Sechster. Jetzt steht er mit 13 Zählern an neunter Stelle. Beziehungsweise an zehnter, wenn man die Verlustpunktrechnung macht. Nach dieser belegen die Limmattaler nun einen Abstiegsrundenplatz.

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