Fussball

Der FC Zürich besiegt den FC Lugano im Final mit 1:0 und ist Schweizer Cupsieger

Der FCZ ist Absteiger und Cupsieger zugleich. In der nächsten Saison spielt man Challenge League und Europa League. Im heimischen Letzigrund setzte sich die Elf von Uli Forte mit 1:0 gegen den FC Lugano durch, der einen Elfmeter vergab. Einziger Torschütze der Partie war Sarr in der ersten Hälfte. Für den FCZ ist es der neunte Cupsieg.

Den Platz in der höchsten Liga hat der FC Zürich verloren, im Cup hingegen bleibt er in der schlechtesten Saison seit 1988 ungeschlagen. Die von allen möglichen (Deutungs-)Instanzen abgeschriebene Elf setzte im Letzigrund einen Schlusspunkt, der den allseits wahrnehmbaren Frust der aufgebrachten Anhänger mutmasslich etwas eindämmen dürfte.

Lugano fehlte nicht die Kraft, sondern weitgehend das Format, den künftigen Zweitligisten nachhaltig unter Druck zu setzen. Zdenek Zeman führte die höchst mittelmässig bestückte Squadra zwar unter die Top 9 der Super League, ein Coup wie 1993 (4:1 gegen GC) blieb dem ergrauten Maestro verwehrt.

Zürich wird nach einem Sommer der angekündigten Besinnung und Umstrukturierung als prominentester Vertreter der Challenge League in der Gruppenphase der Europa League fortfahren. Unter Umständen pendelt die Equipe in ein paar Monaten zwischen Manchester und Le Mont.

Der europäische Bonus von 2,5 Millionen Euro ist vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht Gold wert. In seiner aktuellen Lage ist der Verein auf jeden zusätzlichen Cent angewiesen.

Die direkte Qualifikation für den Europacup ist auch für den Trainer des grossen Meisterschaftsverlierers ein gutes Argument, seine Mission beim Stadtklub fortzusetzen: Uli Forte hat innerhalb von 17 Tagen mehr gewonnen als sein Vorgänger zuvor während elf miserablen Monaten - eine zeitnahe Verlängerung seines FCZ-Engagements würde niemanden mehr erstaunen.

Salvis Fehler, Favres Big Saves

Ein Fangfehler der FCB-Leihgabe Mirko Salvi kam dem bis dato ungenügenden FCZ zupass. Vom Geschenk des Keepers profitierte Sangoné Sarr (41.). Der Senegalese drehte wild jubelnd ab, an der Seitenlinie ballte Uli Forte die Faust - der neue Coach setzte seit seiner Ankunft in Zürich ausnahmslos auf den 23-Jährigen, der unter Sami Hyypiä kaum zum Zug gekommen war.

Der Zürcher Vorteil hatte sich zunächst nicht abgezeichnet. Die Bianconeri, offenkundig beseelt vom überraschenden Ligaerhalt, beherrschten den angezählten Kontrahenten. Anastasios Donis (6.) verpasste früh eine erstklassige Chance. Und in der 33. scheiterte Mattia Bottani mit einem Foulpenalty an Anthony Favre, den der Zürcher Goalie selber verschuldet hatte.

Sekunden nach seinem Fehler setzte der Romand seinem Big Save einen womöglich entscheidenden Akzent. Die Tessiner verloren an Fahrt, Zürich hingegen legte spürbar zu - nach dem glückhaften 1:0 ohnehin. Und selbst von den verletzungsbedingten Ausfällen der beiden Leader Burim Kukeli und Gilles Yapi liess sich der FCZ nicht (mehr) stoppen.

Bizarre Atmosphäre

Ancillo Canepa hatte im Vorfeld von einer "absurden Situation" gesprochen und aus seiner Optik das Chaos der Gefühle gemeint. Nicht nur dem Patron fiel es schwer, alle primär negativen Eindrücke der letzten Tage richtig einzuordnen und auszublenden.

Dass auch die Equipe noch mitten im Verarbeitungsprozess stecken würde, war nach dem tiefen Fall vom Mittwoch zu erwarten. Der Hohn und Spott hinterliess Spuren, die Beschimpfungen aus dem militanten Segment der Anhänger hallten nach.

Und was ein Teil der Kurve vom eigentlichen Cup-Festtag hielt, wurde deutlich, als vor dem Anpfiff im Minutentakt schwere Knallkörper detonierten: wenig, bis nichts. Ihr Gruss an die Spieler war kein freundlicher: "Gewinnt den Final, geht nach Hause und schämt euch weiter!"

Wut statt Freude

Die Ambiance fühlte sich bizarr an - wohl für alle Beteiligten. Ausgelassene Freude kam nicht auf, zu sehr drückt der Fall in die sportliche Anonymität auf das Gemüt der Protagonisten.

Und nach dem Schlusspfiff? Sofort der kräftige Applaus? Positive Emotionen? Mitnichten - zwischen zwei Sektoren bekämpften sich unmittelbar nach Spielschluss einige Zürcher Fan-Gruppierungen. Pfiffe, Schläge, Tritte. Es war nur eine Minderheit, die sich für einen Moment in den Vordergrund drängte; aber sie senkte die Laune. Besinnung tut gut und im Fall einiger Fanatiker dringend not.

Partie verpasst? Der Spielverlauf zum Nachlesen in unserem Liveticker:

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