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Lara Gut: «Ich habe mich selten alleine gefühlt»

Die frischgebackene Gesamtweltcupsiegerin Lara Gut erklärt, wie sie als erste Schweizerin seit 21 Jahren diese ruhmreiche Trophähe gewinnen konnte.

Martin Probst, St. Moritz
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Lara Gut mit den Kristallkugeln für den Sieg im Gesamt- und Super-G-Weltcup.

Lara Gut mit den Kristallkugeln für den Sieg im Gesamt- und Super-G-Weltcup.

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Endlich im edlen Hotel Kempinski in St. Moritz angekommen, bleiben Lara Gut nur ein paar Minuten, um zu packen. Maximal 15, wird sie ermahnt. Bereits wartet das Schweizer Fernsehen und will die Tessinerin für den Auftritt im «Sportpanorama» schminken. Das Leben als Gesamtweltcupsiegerin ist stressig. Kurz wird sie von ihrer Mutter umarmt. Es sind wichtige Momente für Lara Gut:

«Ich habe das Glück, dass ich eine super Familie habe und ein super Team. Wenn man Spitzensportlerin ist, gibt es Momente, in denen man sich einsam fühlt. Wenn du dann sagst, ich fühle mich alleine, denken die Leute: ‹Was ist eigentlich los, du gewinnst im Gesamtweltcup!› Ich habe mich selten alleine gefühlt. Ich habe im Gegenteil sehr viel Energie von sehr vielen Menschen erhalten.»

«Ich habe das Glück, dass ich eine super Familie habe und ein super Team. Wenn man Spitzensportlerin ist, gibt es Momente, in denen man sich einsam fühlt. Wenn du dann sagst, ich fühle mich alleine, denken die Leute: ‹Was ist eigentlich los, du gewinnst im Gesamtweltcup!› Ich habe mich selten alleine gefühlt. Ich habe im Gegenteil sehr viel Energie von sehr vielen Menschen erhalten.»

KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Das Umfeld nahm Lara Gut in dieser Saison viel Druck. Sie sagt, dass die Harmonie im Ski-Team nie grösser war. Sie meint damit nicht nur ihr eigenes Team Gut. Sondern vor allem Swiss Ski. Im Team der Frauen hat sie nach Jahren des selbst gewählten Alleingangs ihre Rolle gefunden. Und war somit erfolgreicher denn je. Sie stand 13-mal in diesem Winter auf dem Podest, davon sechsmal als Siegerin. Sie gewann die Super-G-Wertung und den Gesamtweltcup:

«Der Druck war immer da. Anfang Saison hiess es: ‹Jetzt muss sie die grosse Kugel gewinnen!› Dann hiess es nach ein paar Rennen: ‹Okay, es gibt wirklich die Möglichkeit, dass Lara Gut gewinnt, setzen wir sie unter Druck!› Es ging weiter: ‹Oh, sie hat 20 Punkte Rückstand, setzen wir sie noch mehr unter Druck!› Dann: ‹Jetzt ist Lindsey Vonn weg, setzen wir sie noch einmal mehr unter Druck!›»

«Der Druck war immer da. Anfang Saison hiess es: ‹Jetzt muss sie die grosse Kugel gewinnen!› Dann hiess es nach ein paar Rennen: ‹Okay, es gibt wirklich die Möglichkeit, dass Lara Gut gewinnt, setzen wir sie unter Druck!› Es ging weiter: ‹Oh, sie hat 20 Punkte Rückstand, setzen wir sie noch mehr unter Druck!› Dann: ‹Jetzt ist Lindsey Vonn weg, setzen wir sie noch einmal mehr unter Druck!›»

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Lara Gut versuchte das immer auszublenden, konzentrierte sich nur auf das Skifahren. Vor zwei Jahren war sie mit drei Siegen in die Saison gestartet. Damals liess sie sich von den Nebenschauplätzen ablenken:

«Vor zwei Jahren musste ich viel lernen. Aber ich habe das Rezept gefunden: Wenn ich mich nur auf den Sport konzentriere, ist vieles einfacher. Auf viele wirkt diese Einstellung vielleicht langweilig und ich werde als arrogant wahrgenommen. Aber es ist anders. Sobald ich mich auf die Leistung fokussiert habe, sind Podestplätze als Resultat entstanden, sind mir sehr gute Fahrten gelungen. Es war wichtig, den Fokus zu behalten.»

«Vor zwei Jahren musste ich viel lernen. Aber ich habe das Rezept gefunden: Wenn ich mich nur auf den Sport konzentriere, ist vieles einfacher. Auf viele wirkt diese Einstellung vielleicht langweilig und ich werde als arrogant wahrgenommen. Aber es ist anders. Sobald ich mich auf die Leistung fokussiert habe, sind Podestplätze als Resultat entstanden, sind mir sehr gute Fahrten gelungen. Es war wichtig, den Fokus zu behalten.»

KEYSTONE/APA/BARBARA GINDL

Mit Lindsey Vonn lieferte sich Lara Gut lange ein packendes Duell um den Gesamtweltcup. Und je näher die Entscheidung rückte, je mehr wurde ein Zoff zwischen Stars heraufbeschworen. Lara Gut blieb aber cool und setzte ihre Konkurrentin primär auf der Piste unter Druck:

«Der Skisport ist ein Kampf gegen die Zeitmessung und nicht ein Duell zwischen Athletinnen. Es ist nicht Tennis, man muss niemanden besiegen, sondern nur so schnell wie möglich ins Ziel kommen. Es war ein spannender Winter wegen des Duells zwischen Lindsey und mir. Doch wenn ich am Start stehe, fahre ich einfach so gut, wie ich kann, und dann sehe ich im Ziel, ob es gereicht hat oder nicht. »

«Der Skisport ist ein Kampf gegen die Zeitmessung und nicht ein Duell zwischen Athletinnen. Es ist nicht Tennis, man muss niemanden besiegen, sondern nur so schnell wie möglich ins Ziel kommen. Es war ein spannender Winter wegen des Duells zwischen Lindsey und mir. Doch wenn ich am Start stehe, fahre ich einfach so gut, wie ich kann, und dann sehe ich im Ziel, ob es gereicht hat oder nicht. »

KEYSTONE/EPA APA/HANS KLAUS TECHT

Der Fokus auf die Leistung war Lara Gut anzumerken. Bis nach dem letzten Rennen und sogar noch danach. Auch auf dem Siegerpodest, als ihr die grosse Kristallkugel überreicht wurde, kam es nicht zum emotionalen Ausbruch. Die Gefühle durften so lange nicht im Weg stehen, dass ein Loslassen nicht sofort gelang:

«Klar es ist schön, diesen Titel zu gewinnen. Ich werde aber nicht den ganzen Sommer denken, wie schön es ist, dass ich den Gesamtweltcup gewonnen habe. Ich werde vielmehr jeden Tag aufstehen und denken, was ich noch machen kann, damit ich noch besser bin als gestern. »

«Klar es ist schön, diesen Titel zu gewinnen. Ich werde aber nicht den ganzen Sommer denken, wie schön es ist, dass ich den Gesamtweltcup gewonnen habe. Ich werde vielmehr jeden Tag aufstehen und denken, was ich noch machen kann, damit ich noch besser bin als gestern. »

Dieser Ehrgeiz, immer noch besser zu werden, zeichnet die erfolgreichsten Sportler aus. Lara Gut denkt bereits an die nächste Saison, bleibt ihrem Motto aber treu. Prognosen gibt es von ihr nicht. Auch nicht für die WM 2017 in St. Moritz:

«Zuerst muss ich mich für die WM qualifizieren, dann schauen wir, was geschehen wird. Ich werde jetzt für eine Woche in die Ferien verschwinden. Etwa in zehn Tagen geht es zurück auf Schnee. Ab dann versuche ich wieder, besser zu werden. Denn darum geht es im Sport.»

«Zuerst muss ich mich für die WM qualifizieren, dann schauen wir, was geschehen wird. Ich werde jetzt für eine Woche in die Ferien verschwinden. Etwa in zehn Tagen geht es zurück auf Schnee. Ab dann versuche ich wieder, besser zu werden. Denn darum geht es im Sport.»

KEYSTONE/EPA/DOMINIC STEINMANN

15 Minuten haben Lara Gut gereicht, um zu packen. Alles andere hätte erstaunt. In diesem Winter gingen all ihre Pläne auf.

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