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Langnau muss sich neu erfinden oder warum der Schwanz mit dem Tiger wedelt

Trainer Heinz Ehlers kehrt den SCL Tigers den Rücken und geht zurück in seine Heimat Dänemark.

Trainer Heinz Ehlers kehrt den SCL Tigers den Rücken und geht zurück in seine Heimat Dänemark.

Trainer Heinz Ehlers verlässt die SCL Tigers nach dieser Saison – trotz eines weiterlaufenden Vertrages.

Manchmal wedelt der Schwanz mit dem Hund. Oder besser: Der Schwanz wedelt mit dem Tiger. Dieser Spruch sagt, dass der Kleinere den Grösseren, der Schwächere den Stärkeren dominiert.

Eigentlich ist der Klub in der Position der Stärke und sein Trainer in einer schwächeren. Bei den SCL Tigers ist es umgekehrt: Heinz Ehlers hat der Mannschaft seit seiner Amtseinführung am 2. Oktober 2016 so sehr ein eigenes taktisches Konzept «aufgezwungen», dass die Langnauer «Ehlers-Hockey» spielen: «Schablonen-Hockey» mit den Routiniers, die Jungen werden nur als spielerische Hilfskräfte geduldet. Es ist der hockeytechnische Gegenentwurf zur Revolution in Genf, Davos und Ambri – die auf junge Spieler, Tempo und Offensive setzen.

So sind die SCL Tigers die Hockeyfirma Ehlers’ geworden. Sportchef Marco Bayer hat in erster Linie Spieler transferiert, die in des Trainers Konzept passen: willige, disziplinierte «Defensivsoldaten». Die SCL Tigers sind defensiv so stabil geworden, dass es vergangene Saison zum ersten Mal seit 2011 und erst zum zweiten Mal überhaupt für die NL-Playoffs reichte.

Aber nun geht Ehlers per Ende Saison. Trotz Vertrags bis Ende der nächsten Saison. «Ich bin seit mehr als zehn Jahren in der Schweiz tätig. Trotzdem ist Dänemark meine Heimat, der Ort, wo ich meine Wurzeln habe und meine Familie lebt. Ich habe mich deshalb entschieden, zurück nach Dänemark zu gehen. Die SCL Tigers haben meine Bitte um vorzeitige Vertragsauflösung akzeptiert», sagt Ehlers, der hauptamtlicher Nationaltrainer seines Heimatlandes wird. Bis anhin war er das nur im Nebenamt.

Zuerst geht der charismatischste Spieler. Bereits im Dezember wird der Wechsel von Chris DiDomenico zu Gottéron per Ende Saison verkündet. Im Januar hat Trainer Ehlers den SCL Tigers mitgeteilt, dass er gehen wird, jetzt wurde das offiziell bestätigt. Nun heisst es in Langnau allenthalben, wie lieb sich alle haben. Wie sehr man Ehlers’ Abgang bedaure. Wie gut man doch miteinander ausgekommen sei. Welche Freude die Zusammenarbeit allen bereitet habe. Dass es eine Trennung im Guten sei und so weiter und so fort. Das ist – excusez l’expression – barer Unsinn.

Tuch zwischen Sportchef und Trainer ist zerschnitten

Das Tuch zwischen Ehlers und Sportchef Bayer ist schon seit Monaten zerschnitten. Im kleinen Kreis hatte Ehlers bereits im Herbst angeregt, ob es denn nicht möglich sei, Bayer eine andere Arbeit zuzuweisen und Jörg Reber wieder zum Sportchef zu machen. Bayers Vorgänger ist heute in Langnau «Nachwuchs-General».

Die Behauptung, Ehlers gehe wegen Sportchef Bayer, ist zwar polemisch, wenn nicht gar bösartig. Aber: Der Konflikt mit dem Sportchef ist einer von vielen Gründen. Es kann eigentlich nicht sein, dass der Mann, der am engsten mit dem Trainer zusammenarbeitet, einer der Gründe für dessen «Flucht» ist. Die Behauptung, Bayer sei es nicht gelungen, Ehlers zu halten, ist hingegen in jeder Beziehung korrekt. Dieses Versagen müsste eigentlich Konsequenzen haben. Seit Ehlers intern den Abgang mitgeteilt hat, sind die Langnauer die schwächste Mannschaft der Liga.

Der Abgang von Ehlers zwingt die SCL Tigers, sich neu zu erfinden. Ohne Ehlers funktioniert «Schablonen-Hockey» nicht, und einen Trainer mit der gleichen extremen Philosophie gibt es nicht. Ein neuer Trainer ist auch die grosse Chance zu einer neuen Ausrichtung.

Zu einer Verjüngung mit einem jungen Trainer mit dem Mut zu intensivem Lauf- und Tempohockey. Wie zuletzt in Ambri (Paolo Duca), Davos (Christian Wohlwend) und Genf (Patrick Emond).

Nun werden die Namen von Thierry Paterlini, Michael Liniger und Lars Leuenberger ins Spiel gebracht.

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