Sportradar
Korrupter Schiedsrichter sorgt für eine Premiere

Der Welt-Fussballverband Fifa baut seine seit einem Jahr bestehende Zusammenarbeit mit Sportradar 2018 massiv aus und überwacht die Meisterschaft aller Mitgliedernationen.

Rainer Sommerhalder
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FIFA via Getty Images

Zwischendurch landet auch mal ein Schiedsrichter vor dem Richter. So geschehen mit dem Ghanaer Joseph Lamptey, der im November 2016 ein WM-Qualifikationsspiel zwischen Südafrika und Senegal (2:1) derart offensichtlich beeinflusst hatte, dass ihn die Fifa lebenslänglich sperrte. Lamptey wollte dieses Verdikt nicht akzeptieren und rekurrierte vor dem Sportgerichtshof in Lausanne (CAS). Der 43-Jährige sah sich als Unschuldiger oder zumindest weiterhin als Unparteiischer.

Im September schmetterte das CAS den Rekurs des von Wettbetrügern manipulierten Fifa-Schiedsrichters ab und bestätigte den lebenslänglichen Ausschluss. Nicht nur eine Genugtuung für den Weltfussballverband, der als unmittelbare Folge des Lausanner Urteils das besagte Spiel wiederholen liess (2:0-Sieg von Senegal am 10. November) und damit für eine Premiere sorgte. Noch nie setzte ein internationaler Verband ein Wertungsspiel aufgrund von Wettbetrug noch einmal an.

CAS bestätigt vier Urteile

Auch für die St. Galler Firma Sportradar, den Fifa-Partner bei der Überwachung von Fussballspielen auf mögliche Manipulation, war der Schuldspruch des CAS eine Bestätigung. Der von der eigenen Ermittlungseinheit an die Untersuchungsbehörden der Fifa übergebene Bericht gegen Lamptey wurde vom Gericht als «wertvoller Beweis» anerkannt. Es ist bereits der vierte CAS-Entscheid im Fussball, der auch auf den von Sportradar gelieferten Ergebnissen beruht. Im Fall des afrikanischen Schiedsrichters gaben verdächtige Bewegungen bei den Wettquoten unmittelbar vor seinem imaginären Handspenalty-Entscheid Hinweise auf den möglichen Betrug.

Die Fifa arbeitet erst seit 2017 mit dem Weltleader bei der Überwachung von Sportanlässen im Hinblick auf möglichen Wettbetrug zusammen. Zuvor wurde diese Arbeit von einer Tochtergesellschaft der Fifa ausgeführt, was teurer und weniger effizient war. Fifa-Präsident Gianni Infantino, der als früherer Chef der Rechtsabteilung bei der Uefa mit Sportradar zusammenarbeitete, hatte massgeblichen Anteil an diesem Systemwechsel.

Im kommenden Jahr wird die Kooperation massiv ausgebaut. Neu übernimmt Sportradar im Auftrag des Weltverbandes das Monitoring sämtlicher Pflichtspiele der zwei höchsten Ligen in allen Fifa-Mitgliedsverbänden. Das sind geschätzte 160 000 Partien pro Jahr. Neben der Verfolgung von Wettmanipulation klärt die Fifa auch junge Fussballer über die scheinbar lukrativen Verlockungen der Wettmafia auf.

Bisweilen ist es erschreckend, wie weit in den Fussball hinein der Arm des organisierten Verbrechens reicht. So verweist das CAS in seiner Entscheidung darauf, dass der albanische Klub Skenderbeu zwischen 2010 und 2015 mehr als 50 Spiele manipulierte. Hauptdrahtzieher in diesem Fall waren der Präsident und der Trainer. Nicht nur deshalb lässt die Fifa durch Sportradar von Schiedsrichtern und Funktionären sogenannte Background-Checks vornehmen. Verdächtige Personen stehen fortan unter Beobachtung.

Erstmalige Task-Force für WM

Ein besonderes Augenmerk in Bezug auf Spielmanipulation legt die Fifa bei der Weltmeisterschaft im kommenden Sommer in Russland. Erstmals in der WM-Geschichte wird eine spezielle Task-Force von Fachleuten während des Turniers vor Ort die Tätigkeiten im Wettgeschäft intensiv verfolgen und Verdachtsmomenten unverzüglich nachgehen. Neben Fifa-Mitarbeitern aus dem Bereich Integrität wird Sportradar mit Fachleuten das Aufdecken und Untersuchen von Sportbetrug aus ihren Büros weltweit unterstützen. Man arbeitet Hand in Hand mit den teilnehmenden Mannschaften und den staatlichen Ermittlungsbehörden zusammen. Russland hat Sportbetrug 2013 offiziell als Straftat ins Gesetz aufgenommen – als direkte Folge der anstehenden Fussball-WM im eigenen Land.

Dank Sportradar aufgedeckt: Weitere Fälle von Manipulation in den letzten zwei Jahren

FK Pakruoja Kruoja (Litauen): Das CAS bestätigt die Sanktionen gegen den Klub und neun Spieler wegen Manipulation und stützt sich auch auf Ermittlungsdokumente von Sportradar.

KS Skenderbeu (Albanien): Das CAS macht den Aussschluss aus der Champions League durch die Uefa wegen Wettbetrug definitiv.

Gloria Buzau (Rumänien): Das CAS bestätigt die zweijährige Sperre gegen Coach Ion Viorel des rumänischen Zweitligisten. Insgesamt wurden 14 Spieler und 3 Klubfunktionäre bestraft.

SK Babite (Lettland): Die lettische Liga hat den Erstligisten wegen des Verdachts auf Spielmanipulation vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Sportradar meldete sechs offensichtlich manipulierte Partien.

Athlone Town (Irland): Die Uefa und die irische Polizei ermitteln gegen den irischen Zweitligisten wegen Spielmanipulation.

CD Eldense (Spanien): Die spanische Polizei und der spanische Verband untersuchen einen Wettbetrug in der dritten spanischen Liga. Eldense soll absichtlich gegen die zweite Mannschaft des FC Barcelona mit 0:12 verloren haben. Neun Spieler sollen an der Spielmanipulation beteiligt sein.

Thailändische Liga: Die königliche thailändische Polizei verhaftete verschiedene Verdächtige bei gross angelegten Spielmanipulationen, darunter 5 Spieler, 2 Schiedsrichter und einen Klubmanager. Die entscheidenden Hinweise kamen von Sportradar.

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