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Kopf-an-Kopf-Rennen um Playoff-Plätze im Eishockey: Geht Bern der Schnauf aus?

Die Berner Tomi Karhunen (links) und Ramon Untersander liegen nach einem Gegentreffer im eigenen Tor.

Die Berner Tomi Karhunen (links) und Ramon Untersander liegen nach einem Gegentreffer im eigenen Tor.

Im Rennen um die Playoff-Qualifikation der National League spielen fünf Eishockeyteams um zwei Plätze.

Theoretisch können Ambri, Langnau und Bern noch über den Trennstrich zwischen Playoffs und Abstiegsrunde klettern. Aber eigentlich hat nur noch der SCB eine realistische Chance. 71 Punkte könnten reichen.

Am «billigsten» war der letzte Playoff-Platz 2011 zu haben. Damals genügten 60 Punkte. Am «teuersten» war es im vergangenen Frühjahr. Servette brauchte 75 Punkte für den achten Rang. Wollen Ambri, Langnau oder der SCB doch noch in die Playoffs, müssen sie mindestens vier der ausstehenden Spiele gewinnen. Nur können das nicht alle, weil sie noch gegen­ein­ander antreten müssen. Eine Übersicht.

7. Lugano: 66 Punkte aus 46 Spielen

Lugano hat sieben der vergangenen elf Partien gewonnen und ist dem Ziel von allen «Zitterteams» am nächsten. Im besten Fall braucht Lugano nur noch drei Punkte und fünf sollten auf jeden Fall reichen. Zwei Massnahmen haben die Mannschaft stabilisiert und wieder «über den Strich» gebracht. Erstens die Entlassung des notorischen finnischen Verlierers Sami Kapanen am 18. Dezember und zweitens die Verpflichtung eines zweiten ligafähigen Torhüters, um dem genügsamen Sandro Zurkirchen Beine zu machen.

Als Serge Pelletier von Kapanen übernahm, hatte Lugano auf dem zweitletzten Platz nur noch zwei Punkte Reserve auf Schlusslicht Rapperswil-Jona. Niklas Schlegel hat auf diese Weise Luganos Goalieproblem gelöst und wenn Lugano auf Kosten des Meisters die Playoffs erreichen sollte, so können wir sagen, dass der SCB die Playoff-Qualifikation um ein paar Silberlinge verkauft hat: Die Berner transferierten Niklas Schlegel nach der Verpflichtung von Tomi Karhunen ohne jede Not aus einem laufenden Vertrag heraus nach Lugano.

Restprogramm: Fribourg (a), Bern (h), Lakers (a), Ambri (h)

8. Fribourg: 64 Punkte aus 45 Spielen

Von allen «Zitterteams» ist Gottéron am besten in Form und hat sieben der letzten neun Partien gewonnen. Ein Trainerwechsel hat die Wende gebracht: Als Mark French am 5. Oktober gehen musste, war Fribourg mit fünf Punkten Rückstand auf Ambri Schlusslicht. Inzwischen haben Sportchef Christian Dubé und sein Berater Sean Simpson die launischen Schillerfalter einerseits taktisch stabilisiert und andererseits auch «emotionalisiert», Eishockey wird wieder gespielt und nicht nur gearbeitet.

Gottéron kann im stürmischen Vorwärtsgang gewinnen (6:5 n.P. in Biel), beherrscht aber auch das coole taktische Schablonenspiel wie beim Sieg in Zürich (1:2 n.V.) oder zuletzt in Lausanne (3:2). Von zehn Partien, die in die Verlängerung oder in die Penalty-Entscheidung gingen, hat Fribourg neun gewonnen. Die Rechnung ist eigentlich ganz einfach: Wenn Gottéron fürs zweitletzte Spiel mit vier Punkten Vorsprung nach Bern reist, dann sind die Playoffs nahe. Aber Torhüter Reto Berra muss sein bestes Eishockey spielen.

Restprogramm: Lugano (h), Langnau (a), Zug (h), SCB (a), Servette (h)

9. Bern: 60 Punkte aus 45 Spielen

Ohne die überragenden Leistungen ihres finnischen Torhüters Tomi Karhunen hätten die Berner die Playoffs bereits zum aktuellen Zeitpunkt verspielt.

Es gibt noch eine Chance. Wenn der amtierende Meister mindestens drei der ausstehenden fünf Partien gewinnt (und darunter jene gegen Gottéron) – dann sind die Playoffs bei günstiger Konstellation noch möglich. Aber der SCB hat diese Saison gegen Lugano die drei bisherigen Spiele und einmal auch auf eigenem Eis gegen Gottéron verloren. Der Trainerwechsel – Hans Kossmann für Kari Jalonen – hat nichts bewirkt. Die bange Frage ist bei der ältesten Mannschaft der Liga vielmehr: Haben die Titanen (Simon Moser, Marc Arcobello) noch genug Schnauf für einen Schlussspurt? Arcobello hat in den letzten 15 Partien nur noch zwei Tore erzielt. Die grosse Chance ist die Direktbegegnung in der zweitletzten Runde gegen Gottéron – aber bis dahin sollte der Rückstand möglichst nicht mehr vier Punkte betragen.

Restprogramm: Lakers (h), Lugano (a), Davos (a), Fribourg (h), Lausanne (a)

10. Langnau: 59 Punkte aus 45 Spielen

Dass die SCL Tigers mit dieser Mannschaft überhaupt noch eine Playoff-Chance haben, ist ein Wunder. Die Langnauer haben nur zwei der letzten acht Partien gewonnen.

Durch hausgemachte Unstimmigkeiten ist eine formidable Ausgangslage (fünf Punkte Vorsprung auf Platz neun) auf ärgerliche Art und Weise verspielt worden. Wenigstens ist die Fähigkeit, auf Rückschläge reagieren zu können, noch nicht ganz verloren gegangen. In Genf gelang nach drei Niederlagen hintereinander endlich wieder ein Sieg (3:2 n.P.). Die Ausgangslage ist ähnlich wie in Bern: Ein überragender Goalie (Ivars Punnenovs) gibt der Mannschaft in jedem Spiel eine Chance auf den Sieg. Aber wer macht die Tore? Chris DiDomenico hat in den vergangenen 14 Partien nur zwei Tore erzielt. Ob es reicht, dürfte sich schon am Samstag im Heimspiel gegen Fribourg ­Got­téron zeigen.

Restprogramm: Davos (a), Fribourg (h), Lausanne (a), Zug (a), Biel (h)

11. Ambri: 57 Punkte aus 46 Spielen

Nur wenn Ambri alle vier ausstehenden Partien nach 60 Minuten gewinnt, sind die Playoffs noch möglich. Das ist allerdings höchst unwahrscheinlich.

Die Tapferen der Leventina zahlen nach ihrer grandiosen vergangenen Saison (Platz fünf in der Qualifikation) den erwartet hohen Preis für den Tanz auf zu vielen Hochzeiten (Champions League, Qualifikation, Spengler-Cup). Aber nach der Qualifikation ist noch nicht Schluss: Nach der Platzierungsrunde müssen der Elfte und der Zwölfte zu den Playouts antreten und der Verlierer muss in die Liga-Qualifikation gegen den Meister der Swiss League – sofern der aufstiegsberechtigt ist. Ambri hat reiche Erfahrung im sportlichen Überlebenskampf – eine Erfahrung, die Bern völlig fehlt und auch die Langnauer haben den Pulverdampf des Abstiegskampfes seit vier Jahren nicht mehr in der Nase gehabt. Ambri dürfte von allen «Zitterteams» auf die Fortsetzung in der Platzierungsrunde am besten vorbereitet sein.

Restprogramm: ZSC (a), Servette (h), Davos (h), Lugano (a)

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