Fussball
Kein Lohn, Streikdrohung und Chaos beim FC Biel

Seine Vision scheiterte kläglich: Präsident Carlo Häfeli wollte mit dem FC Biel in neue Sphären vordringen – jetzt kämpft er gegen den Konkurs.

Konstantin Furrer
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Der anfängliche Enthusiasmus von Biels Präsident Carlo Häfeli ist verflogen.

Der anfängliche Enthusiasmus von Biels Präsident Carlo Häfeli ist verflogen.

KEYSTONE

In zehn Jahren soll der FC Biel mit Schalke mitspielen. Als Carlos Häfeli im Sommer als Mehrheitsaktionär beim FC Biel einstieg, hegte er grosse Pläne für den Klub aus dem Seeland. Er sprach vom Aufstieg in die Super League und von gefüllten Stadien. Für die neue Saison wurde das Budget um eine Million erhöht. Von diesem Geld ist jetzt aber nicht mehr viel übrig. Im Sommer führte der Klub eine Grossrevision durch. Über 20 Spieler verliessen den Klub, etwa gleich viele kamen neu dazu. Häfelis Idee schien simpel: Spieler günstig zu verpflichten, um diese dann später wieder teuer zu verkaufen. Diese Rechnung ist bis jetzt aber noch nicht aufgegangen. Lediglich der Verkauf von Antonio Marchesano an den FC Zürich konnte die Kassen des FC Biels aufbessern. Ein halbes Jahr nach der Übernahme ist vom anfänglichen Enthusiasmus Häfelis nicht mehr viel übrig.

Trotz neuem Stadion steht der FC Biel kurz vor dem Konkurs.

Trotz neuem Stadion steht der FC Biel kurz vor dem Konkurs.

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Erstmals Risse in Häfelis System offenbarten sich im Dezember. An einer Generalversammlung gab er bekannt, dass er im Sommer eine halbe Million in den Klub eingeschossen hatte, um dem Konkurs zu entgehen. Häfeli warf der früheren Klubführung vor, die Buchführung vernachlässigt zu haben. Anfangs Herbst habe er feststellen müssen, dass noch Zahlungen von über einer halben Million Franken offen standen. Die ehemalige Klubleitung um die Präsidenten Werner Könitzer und Toni Sanktjohanser, Finanzchef Dominik Borner und Geschäftsführer Daniel Hinz wehrten sich gegen diese Vorwürfe. An einer Pressekonferenz legten sie Beweise vor, die belegen, dass die Buchhaltung regelkonform geführt wurde. «Wir können belegen, dass wir seriös gearbeitet haben», unterstrich Könitzer.

Vier VR-Mitglieder treten zurück

In der Winterpause kam es dann zum Paukenschlag. Vier Verwaltungsräte traten wegen Unstimmigkeiten mit Häfeli zurück. Sie hatten dem Präsidenten zuvor ein Ultimatum gestellt. Häfeli soll alle offenen Rechnung in Höhe von 800 000 Franken begleichen und seine Aktien zur Verfügung stellen. Zwei Monate später liegen 19 Betreibungen vor und der Schuldenberg ist inzwischen auf über eine Million Franken angewachsen.

Bleibt für den FC Biel nur noch der Hinterausgang aus dem Profifussball?

Bleibt für den FC Biel nur noch der Hinterausgang aus dem Profifussball?

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

An einer Gläubigerversammlung im Februar präsentierte Stefan Kunze, der Medienchef des FC Biels, den 50 versammelten Gläubigern drei Optionen. Häfeli nahm an der Versammlung nicht persönlich teil. Er weilte im Ausland. Die erste Option enthält eine Auszahlung von 20 Prozent der Schulden, im Gegenzug müssten die Gläubiger aber auf die restlichen 80 Prozent verzichten. Bei der zweiten Optionen verzichteten die Gläubiger ebenfalls auf 80 Prozent der Schulden, erhielten aber 20 Prozent ausgezahlt und weitere 20 Prozent in Form von Dienstleistungen wie Tickets zu Heimspielen und Werbung. Bei der dritten Option willigten die Gläubiger auf eine Stundung der Schulden bis August ein, würden aber dann 100 Prozent ihres Geldes erhalten. Häfeli gibt den Gläubigern bis zum 10. März Zeit, sich für eine Option zu entscheiden. Die Pläne sorgten bei den Gläubigern für rote Köpfe. Dietmar
Faes, Kopf einer potenziellen Seeländer Investorengruppe, bezeichnete die Vorschläge inakzeptabel.

Die Liga zeigt sich besorgt

«Die Swiss Football League ist sehr beunruhigt über die Situation rund um den FC Biel», sagt der SFL-CEO Claudius Schäfer. Auch die Kommunikation mit dem Verein gestaltet sich harzig. «Es ist schwierig, die verantwortlichen Personen zu erreichen und an verlässliche Informationen zu gelangen», sagt Schäfer weiter. Der SFL reichte deshalb am Donnerstag eine Anzeige gegen den FC Biel ein. Angezeigt wird unter anderem ein Verstoss gegen die Informationspflicht der Klubs gegenüber der SFL. Bereits im Februar reichte der SFL eine Anzeige wegen fehlender Lohnbestätigungen ein.

Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League «Die Swiss Football League ist sehr beunruhigt über die Situation rund um den FC Biel»

Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League «Die Swiss Football League ist sehr beunruhigt über die Situation rund um den FC Biel»

Keystone

Vergangene Woche gab Häfeli an der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Chiasso bekannt, dass er drei neue Investorengruppen für den FC Biel gefunden habe. Diese sollen helfen, die ausstehenden Januar- und Februar-Löhne zu bezahlen. Daneben stellte er mit Marcel Michel ein neues Verwaltungsratsmitglied vor. Wer diese Person aber genau ist, wurde nicht verraten. Fragen der Journalisten liess Häfeli unbeantwortet. Einzig dass Michel in der Modebranche tätig sei, wurde preisgegeben. Laut dem «Blick» soll Michel allerdings ein ehemaliger Bordellbetreiber sein.

Die auf den Montag versprochene Auszahlung der Löhne lässt aber trotz der neuen Investoren weiter auf sich warten. Noch drohen die Spieler nicht mit Streik. Sie trainieren auch ohne Lohn weiter. «Wir konzentrieren und auf den Fussball und hoffen, dass der Rest gut kommt», sagte FCB-Spieler Janick Kamber. Aber die Zeit für den FC Biel drängt. Findet sich nicht bald eine neue Geldquellen, droht der Konkurs.