Kampf gegen Doping

IOC-Präsident Thomas Bach stösst gemeinsam mit der Wada eine umfassende Reform an

Reicht Gottvertrauen im Kampf gegen russisches Staatsdoping? IOC-Präsident Thomas Bach traf diese Woche an der ersten Konferenz über Glauben und Sport Papst Franziskus.

Reicht Gottvertrauen im Kampf gegen russisches Staatsdoping? IOC-Präsident Thomas Bach traf diese Woche an der ersten Konferenz über Glauben und Sport Papst Franziskus.

Der IOC-Präsident will den Kampf gegen Doping unabhängiger und wirkungsvoller gestalten, indem er die Verantwortung von den Sportverbänden weg zur Wada und zum CAS überträgt.

Der Besuch beim göttlichen Stellvertreter hat Wunder gewirkt. Drei Tage nach dem himmlischen Treffen mit Papst Franziskus bei der Eröffnung der ersten Konferenz für «Glauben und Sport» im Vatikan in Rom musste sich Thomas Bach wieder einmal dem Teufelszeug Doping zuwenden. Als hätten höhere Mächte ihre Finger im Spiel, fanden das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) beim gestrigen olympischen Gipfeltreffen in Lausanne wieder zurück zum einträchtigen Miteinander und stiessen eine umfassende Reform des Systems an.

Seit der vom IOC ignorierten Wada-Empfehlung, Russland komplett von den Olympischen Spielen in Rio zu verbannen, herrschte zwischen den beiden Organisationen ein hässlicher Kleinkrieg mit gegenseitigen Schuldzuweisungen am derzeitigen Chaos im Anti-Doping-Kampf. Noch zu Beginn dieser Woche hatte Wada-Gründungspräsident Dick Pound in Richtung Gipfel-Teilnehmer gelästert: «Es sind die üblichen Verdächtigen, die sich in Lausanne treffen.»

Er sprach ihnen die Fähigkeit ab, «differenziert über das breite Spektrum der Fragen nachzudenken». Der Schweizer FIS-Präsident Gian-Franco Kasper konterte und verbot sich eine Einmischung der Wada in die Politik. «Sie soll den Kampf gegen Doping führen. Und das ist meiner Meinung nach kein politischer Kampf.» Der frühere Wada-Direktor David Howman setzte das vergiftete Pingpong mit der Feststellung fort: «Dem IOC ist Kontrolle wichtiger als Unabhängigkeit.»

(Quelle: Youtube/ARD)

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Neue Abteilung der Wada

Nun sassen sie am Samstag also am Hauptsitz des IOC gemeinsam am Tisch: Bach, Kasper, Wada-Chef Craig Reedie, Fifa-Boss Gianni Infantino, die Präsidenten eines weiteren Dutzends Sportverbände und die Chefs der nationalen Olympischen Komitees von China, Russland und den USA. Und sie verabschiedeten eine einhellige Reform-Erklärung zum zukünftigen Anti-Doping-Kampf, der deutlich griffiger und vor allem ungleich unabhängiger als bisher funktionieren soll.

Die Wada wird dabei den unbestrittenen Lead haben. Ihre im Rahmen des Anti-Doping-Codes von 2015 lancierte Untersuchungskammer soll schärfere Zähne erhalten und auch massgeblich in die Angelegenheiten der nationalen Dopingagenturen einwirken können. Als hauptsächliche Neuerung wird eine Doping-Testagentur unter dem Dach der Wada ins Leben gerufen. Thomas Bach erhofft sich, dass diese bis zu den Winterspielen 2018 in Südkorea einsatzbereit ist.

Bisher hat die Wada nur rund 4000 von weltweit 300 000 jährlichen Dopingkontrollen durchgeführt. Neu sollen alle internationalen Tests von der Wada koordiniert werden. Diese braucht dazu selbstredend viel mehr Personal und vor allem Geld. Bach sagt, die IOC-Mitgliedsverbände seien zu einer «substanziellen Erhöhung ihrer Beiträge bereit». Dies sei realistisch, weil die internationalen Sportverbände ihre bisherigen Doping-Kontrollorgane nicht mehr benötigen werden. «Die Wada ist die Plattform im gemeinsamen Kampf gegen Doping», sagte Bach.

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Das CAS als einziger Richter

Bislang waren bei Grossevents für das Kontrollmanagement die Weltverbände oder das IOC zuständig. Dies galt auch bei der Sanktionierung von Dopingsündern. Bach strebt auch hier eine kompromisslose Unabhängigkeit an. Und der Jurist sagt: «Ich bin der Meinung, dass der Ankläger nicht gleich Richter sein darf.» Deshalb soll nicht die Wada, sondern der internationale Sport-Gerichtshof (CAS) in Lausanne nun bereits in erster Instanz über Dopingvergehen urteilen.

Bei Olympischen Spielen ist dies seit Rio 2016 bereits der Fall, neu müssten auch die Fachverbände diese Kompetenz aus den Händen geben. Auch für das CAS bedeutet dieser Schritt eine massive Erhöhung von Personal und Finanzen. Bach sagte nach dem Gipfeltreffen, er habe vom CAS das klare Signal erhalten, bereit zu sein. Auch Wada-Präsident Reedie geht von «bedeutenden zusätzlichen Machtbefugnissen» für die Weltagentur aus.

Die Reformanstrengungen wurden durch den Skandal um das russische Staatsdoping ausgelöst. Doch selbst die Russen verhielten sich gestern lammfromm und verkündeten eine göttliche Eingebung: Russlands Sportministerium wird in Zukunft «zwecks stärkerer Unabhängigkeit und Transparenz» nicht mehr in der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada vertreten sein. Fragt sich, ob damit wirklich mehr als der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben wird.

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