Schwingen
«Ich sagte mir: Fertig, jetzt musst du selber angreifen!» – Kilchberg-Sieger Samuel Giger über den Schlussgang und den verrückten Festverlauf

Der 23-jährige Thurgauer gewinnt den Siegermuni und feiert damit seinen ersten Triumph an einem Fest mit eidgenössischem Charakter.

Ives Bruggmann
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Der Thurgauer Samuel Giger klassiert sich in Kilchberg im Rang 1a.

Der Thurgauer Samuel Giger klassiert sich in Kilchberg im Rang 1a.

Michael Buholzer / KEYSTONE

Ihnen wurde vor dem Fest die Favoritenrolle zugeschrieben. Wie sind Sie damit umgegangen?

Samuel Giger: Auf der einen Seite ist es natürlich schön, wenn einem die Favoritenrolle zugetraut wird, auf der anderen Seite wollte ich mich nicht verrückt machen lassen. Ich suchte diese Rolle nie und versuchte deshalb, mich nicht damit zu beschäftigen. Was ich zudem gemacht habe: Ich konsumierte während der ganzen Saison kaum Medien und las keine Artikel über mich. Was den Druck angeht: Ich hatte das Gefühl, dass ich diesen stets im Griff hatte. Die letzten zwei Wochen vor dem Fest war ich zwar angespannt, aber in einem gesunden Masse.

Nun sind Sie Kilchberg-Sieger. Was bedeutet Ihnen das?

Es ist noch zu frisch, um das zu beschreiben. Was feststeht, ist, dass dieser Triumph meinen bisher grössten Erfolg der Karriere darstellt und ich mich riesig darüber freue.

Viele schrieben Sie nach dem vierten Gang und dem zweiten «Gestellten» ab.

Ich habe im ersten Moment selbst nicht mehr daran geglaubt. Ich wusste, dass ich es nicht mehr in den eigenen Fingern hatte. Nach der ersten Enttäuschung nahm ich mir aber vor, den fünften Gang mit der Maximalnote zu gewinnen, um wenigstens theoretisch auf den Schlussgang hoffen zu können. Es musste einfach sehr viel zusammenkommen, dass es am Ende doch noch für mich reicht. Und das hat es letztendlich dann auch. Dass ich schon weg vom Fenster war, macht den Sieg umso schöner.

Wie haben Sie den Schlussgang gegen Kilian Wenger erlebt?

Kilian Wenger hat zu Beginn zwei-, dreimal ordentlich gezogen. Dann sagte ich zu mir: Fertig, jetzt musst du selber angreifen! Das hat zum Glück funktioniert, ich konnte ihn daraufhin am Boden fixieren und zum gültigen Resultat überdrücken.

Gegen Lukas Renfer vergaben Sie im vierten Gang vermeintlich den Festsieg. Haderten Sie danach mit sich selbst?

Direkt nach dem Gang wusste ich nicht recht, was ich hätte anders machen können. Ich wollte den Gang unbedingt gewinnen, gab während sieben Minuten mein Bestes, schaffte es aber nicht, ihn zu besiegen. Ich werde den Gang irgendwann analysieren und so herausfinden, was ich das nächste Mal besser machen kann.

Ist die Bodenarbeit etwas, das Sie noch verbessern können?

In Sachen Technik lernt man nie aus. Sei es im Stand, bei den Haken- und den Flankenschwüngen oder am Boden. Es gibt auch bei mir stets etwas zu verbessern. Das ist auch mein Ziel. Ich will immer stärker werden.

Und ausserhalb des Schwingens?

Ich werde sicher im mentalen Bereich weiter an mir arbeiten. Ich glaube, dieses Gefühl des Erfolges und des erreichten Ziels kann ich für die Zukunft mitnehmen. Das ist eine Erfahrung mehr, die ich jetzt habe.

Der nächste Grossanlass ist das Eidgenössische Schwingfest im kommenden Jahr.

Darüber mache ich mir noch keine Gedanken. Jetzt geniesse ich zuerst einmal diesen Sieg.

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