BVB-Goalie
«Ich kann keine Nacht mehr durchschlafen»: Roman Bürki über den Anschlag auf den Teambus

Fünf Tage nach dem Sprengstoffanschlag auf den Dortmunder Teambus hat sich Roman Bürki in einem Interview mit der Sonntags-Zeitung erstmals ausführlich zum Terror-Angriff geäussert. Der Schweizer Goalie erhebt schwere Vorwürfe an die Adresse der UEFA.

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Fünf Tage nach dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus spricht Torhüter Roman Bürki (kleines Bild) über die schrecklichen Momente.

Fünf Tage nach dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus spricht Torhüter Roman Bürki (kleines Bild) über die schrecklichen Momente.

AP/Montage_az

"Ich habe noch immer Probleme, schlafen zu können. Im Unterbewusstsein zucke ich zusammen und schrecke darum auf. Das ist das Schlimmste: dass ich keine Nacht durchschlafen kann." Die Bombenexplosionen hallen nach, der Schock sitzt beim BVB-Keeper tief: "Ich muss drei Kreuze an die Decke machen, dass ich noch am Leben bin."

Von der profanen Normalität ist der 26-Jährige weit entfernt. Quälende Fragen kreisen im Kopf: "Warum? Warum ist das passiert? Wieso wir Fussballer als Ziel? Wir haben uns doch immer von politischen Themen distanziert. Uns anzugreifen, ist doch komplett absurd."

Bilder des Sprengstoff-Anschlags auf den BVB-Mannschaftsbus:

Am Mittwoch, 11. April 2017, kommt es zu einem Sprengstoff-Anschlag auf den Mannschftsbus von Borussia Dortmund.
17 Bilder
Kurz nach der Abfahrt von Borussia Dortmund vom Hotel zum Stadion sind in der Nähe des Mannschaftsbusses drei Sprengsätze explodiert. Das teilte die Polizei in Dortmund am Dienstagabend mit.
Der Bus wurde nach Vereinsangaben an zwei Stellen beschädigt.
Explosion am Mannschaftsbus von Borussia Dortmund (11.04.17)
Für die Fussballfans im und um das Stadion habe keine Gefahr bestanden, teilte die Polizei mit.
Das Hinspiel gegen Monaco im Viertelfinale der Champions League wurde nach dem Angriff auf den Mannschaftsbus kurzfristig abgesagt.
Das Sicherheitspersonal überprüft die Zuschauerränge.
Ein Anwohner unterhält sich an der Strassensperre mit einem Polizisten.
Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange informiert am Dienstagabend die Medien.
Eine Anzeigetafel im Stadion informiert die Fussball-Fans über den Vorfall.
Die geborstenen Scheiben am BVB-Mannschaftsbus.
Die geborstenen Scheiben am BVB-Mannschaftsbus.
Einsatzkräfte der Polizei bei ihren Ermittlungen nach den Explosionen.
Wurde beim Anschlag auf den Mannschaftsbus verletzt: Verteidiger Marc Bartra, hier nach seiner Operation am rechten Arm.
Solidarität für verletzten Mannschafts-Kameraden: Goalie Roman Bürki wärmt sich im Bartra-Trikot auf
«Wir hätten uns mehr Zeit gewünscht»: BVB-Trainer Tuchel kritisiert die Neuansetzung des Spiels nach dem Anschlag.
Die tapferen Dortmunder werden nicht belohnt: Monaco gewinnt die Partie nach dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus mit 2:3 (0:2).

Am Mittwoch, 11. April 2017, kommt es zu einem Sprengstoff-Anschlag auf den Mannschftsbus von Borussia Dortmund.

AP/EPA

Für den Entscheid, den Champions-League-Viertelfinal knapp 24 Stunden nach der Attacke auf die Equipe neu anzusetzen, bringt er nicht das geringste Verständnis auf: "Für mich war schlimm, dass wir schon am Tag nach dem Anschlag wieder spielen mussten. Wenn wir hätten wählen können, von uns hätte keiner gespielt."

Er habe während der Partie gegen Monaco (2:3) alles immer etwas später wahrgenommen - "als hätte ich einen Schleier vor den Augen"; hinterher seien bei jedem Spieler Tränen geflossen, so Bürki im Gespräch mit der Sonntags-Zeitung am Tag nach der Rückkehr in die Bundesliga gegen die Eintracht Frankfurt (3:1).

Der Schweizer hat wie der Dortmunder Coach Thomas Tuchel auch die UEFA im Verdacht, Druck ausgeübt zu haben, die Partie bereits am Tag danach durchzuführen. "Ich spürte, dass es denen (UEFA) nur ums Geld geht und nicht um das Menschliche. Wenn ich dann am nächsten Tag von irgendeinem Sprecher der UEFA oder der FIFA eine Aussage höre, das Spiel wäre abgesagt worden, wenn jemand ums Leben gekommen wäre... Also, das ist doch wohl die grösste Frechheit, die es gibt. Muss immer zuerst etwas Gravierendes passieren, bevor man handelt?"

Von der politischen Rhetorik hält Bürki wenig, als Direktbetroffener beurteilt er die Aussagekraft der in einem äusserst schwierigen Kontext veranstalteten Champions-League-Partie anders. Für ihn persönlich war das Spiel am letzten Mittwoch kein Statement gegen den Terrorismus: "Das war doch kein Zeichen, das war nur ein Ignorieren der Tatsachen."

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