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«He made the people happy»: Das Meisterwerk des Liverpool-Trainers Jürgen Klopp

Jürgen Klopp ist ein spezieller Trainer: Manchen bezeichnen in als Menschenfänger. Seiner einnehmenden Art wegen, hat ihn ganz Liverpool ins Herz geschlossen. Das Bild entstand nach dem Gewinn der Champions League 2019.

Jürgen Klopp ist ein spezieller Trainer: Manchen bezeichnen in als Menschenfänger. Seiner einnehmenden Art wegen, hat ihn ganz Liverpool ins Herz geschlossen. Das Bild entstand nach dem Gewinn der Champions League 2019.

Dreissig Jahre wartete der FC Liverpool auf den 19. Meistertitel. Diesen hat er zu einem guten Teil Jürgen Klopp zu verdanken - der zu einer Klublegende avanciert ist.

Geschafft! Auf dem Sofa des Mannschaftshotels sind der deutsche Trainer Jürgen Klopp und der FC Liverpool am Donnerstag vor dem Fernseher englischer Meister geworden. Der Sieg von Chelsea gegen Manchester City macht es auch mathematisch klar: Bei 23 Punkten Vorsprung ist den Reds der Meistertitel sieben Runden vor Schluss nicht mehr zu nehmen.

Schon am Vorabend hatten sie mit dem 4:0 gegen Crystal Palace die Voraussetzung dafür geschaffen. Ihre Leistung beim 23. Heimsieg in Folge war atemberaubend und der Beweis, dass sie an Anfield auch ohne die Unterstützung ihres grossartigen Publikums Fussball vom Besten zelebrieren können.

Liverpools Mohamed Salah (einst beim FC Basel) während der Partie gegen Crystal Palace, die 4:0 endete und dem Titel den Weg ebnete.

Liverpools Mohamed Salah (einst beim FC Basel) während der Partie gegen Crystal Palace, die 4:0 endete und dem Titel den Weg ebnete.

Noch nie seit dem Beginn der Datenerfassung in der Premier League 2008 war es einem Team gelungen, dem Gegner im gesamten Spiel im eigenen Strafraum keine einzige Ballberührung zu erlauben.

Gewiss, in der 128-jährigen Klubgeschichte haben schon viele grosse Trainer in der Hafenstadt im Nordwesten Englands gearbeitet. Bob Paisley etwa hat für sechs der nun 19 Meistertitel gesorgt, die in Bronze gegossene Klublegende Bill Shankly für deren drei wie auch Kenny Dalglish, der zuvor als Spieler vier Mal Meister geworden war. Ihnen allen lag die fussballverrückte Stadt an der Merseyside zu Füssen; so, wie jetzt auch Jürgen Klopp.

Statue der Club-Legende Bill Shankly vor dem Stadion des FC Liverpool.

Statue der Club-Legende Bill Shankly vor dem Stadion des FC Liverpool.

Der Deutsche hat nach 30 Jahren des Wartens die längste Durststrecke in der Historie des FC Liverpool beendet. Ohne Pep Guardiola oder anderen Trainern weh zu tun: Klopp, der Welttrainer des Jahres 2019, ist momentan der Beste. Ein Motivator der Spitzenklasse, aber kein Feuerwehrmann. Er hat längst bewiesen, welch kompletter Trainer er ist.

Rein fachlich sind heutzutage viele top, doch mit welch geballter Empathie Klopp dafür sorgt, dass seine Spieler für ihn durchs Feuer gehen, ist einzigartig. Auch von Xherdan Shaqiri, entweder auf der Ersatzbank sitzend oder verletzt fehlend, hat man noch nie eine Klage vernommen.

Jürgen Klopp und seine grossen Niederlagen

Es gibt zwei Sprichwörter, die ziemlich gut zu Klopp passen: «Gut Ding will Weile haben» und «Was mich nicht umbringt, macht mich stark». Der gebürtige Stuttgarter, dieser Strahlemann mit der unerschöpflichen Energie, hat in seiner Trainerlaufbahn auch viel erleiden und erdulden müssen.

  • Mit Mainz hat er den Aufstieg um einen Punkt und dann um ein Tor verpasst, ehe es geklappt hat.
  • Borussia Dortmund formte er zwei Jahre lang, bis es dann zu zwei Meistertiteln reichte.
  • Liverpool war Achter, zweimal Vierter und einmal Zweiter – mit nur einer Niederlage und 97 Punkten! - , bis nun der grosse Wurf gelang.
  • Und nicht zu vergessen: Von 2013 bis 2018 musste Klopp mit sechs Finalniederlagen in grossen Spielen fertig werden. Darunter zweimal in der Champions League.

Teil des Erfolgs: der magische Dreizack

Er lernte, dass es mit dem spektakulären Offensivfussball des magischen Dreizacks Mané/Firmino/Salah nicht getan ist. Er holte für 62,5 Millionen Euro den brasilianischen Supergoalie Allison und für 85 Millionen den holländischen Weltklasseverteidiger Virgil van Dijk. Gleichwohl lässt sich nicht sagen, Klopp habe sich den Gewinn der Champions League 2019 und den aktuellen Titel in der Premier League mit dem Geld der amerikanischen Fenway Sports Group den Erfolg erkauft. In der Transferbilanz 19/20 steht ein Plus von 31,2 Millionen Euro.

Es wäre eine Tragödie gewesen, hätte das Coronavirus für einen Saisonabbruch gesorgt und dem FC Liverpool und seinem Trainer den verdienten Lohn vorenthalten. Auch wenn es für alle Liverpudlians hart sein muss, den ersehnten Titel unter diesen Umständen zu feiern.

Corona kann die Fans nicht stoppen. Sie feierten zu Tausenden vor dem Stadion und in der ganzen Stadt.

Corona kann die Fans nicht stoppen. Sie feierten zu Tausenden vor dem Stadion und in der ganzen Stadt.

Vor dem Stadion in Liverpool steht auf Shanklys Denkmal geschrieben: «He made the people happy». Das lässt sich ohne Zweifel auch von Jürgen Klopp sagen.

So feierten die "Red" den Gewinn der Meisterschaft - ohne Corona-Regeln:

Autor

Markus Brütsch

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