Handball
Warum Andy Schmid nach zwölf Jahren in der Bundesliga in die Schweiz zurückkehrt

Der 37-jährige Ausnahmekönner verlängert seinen 2022 auslaufenden Vertrag bei den Rhein-Neckar Löwen nicht. Wird er die Bilderbuch-Karriere in seiner Heimat Luzern fortsetzen?

François Schmid-Bechtel
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Im Juni ist Schluss: Andy Schmid verlässt nach zwölf Jahren zum Saisonende die Rhein-Neckar Löwen.

Im Juni ist Schluss: Andy Schmid verlässt nach zwölf Jahren zum Saisonende die Rhein-Neckar Löwen.

Patrick B. Kraemer / KEYSTONE

Als er 2010 in die Bundesliga wechselte, war er der unbekannte Schweizer, auf den niemand in Deutschland gewartet hatte. Schlimmer noch: Wenig später wurde er im Ranking der Flop-Transfers auf Platz 1 geführt. Wenn sich Andy Schmid aber im nächsten Juni nach zwölf Jahren bei den Rhein-Neckar Löwen verabschiedet, werden sie den Abgang einer Lichtgestalt bedauern.

Allein zwischen 2014 und 2018 wurde der 37-jährige Handballer fünfmal in Serie zum wertvollsten Spieler der Bundesliga gewählt. Das hat zuvor noch keiner geschafft. Kurz: Die deutsche Handball-Liga wird nächstes Jahr um eine grosse Attraktion ärmer sein. Das ist seit Montag klar.

«Es ist Zeit, nach Hause zu gehen», sagt Schmid. «Auch wenn ich mich immer noch fit fühle und das Spielen mir unglaublich Spass macht, so ist im nächsten Juni einfach der richtige Zeitpunkt gekommen für einen neuen Schritt in unserem Leben. Gemeinsam mit meiner Familie habe ich die Entscheidung getroffen, dass die kommende Saison meine letzte als Spieler der Rhein-Neckar Löwen sein wird. Unsere Söhne sollen auch die Schweiz kennen lernen und wir möchten gerne näher bei unserer Familie sein.» Schmid ist mit der Norwegerin Therese verheiratet. Die beiden haben zwei Söhne: Lio, 9, und Levi, 5.

Der Löwen-Kampf um Andy Schmid

Dabei haben die Rhein-Neckar Löwen fast nichts unversucht gelassen, um Schmid längerfristig zu binden. In der Szene heisst es, man hätte dem Spielmacher den roten Teppich ausgerollt. Er hätte wählen können, ob er weiterspielen, ins Trainerbusiness oder ins Management einsteigen wolle.

Darauf angesprochen sagt Schmid: «Ja, sie haben versucht, mich zu halten. Das ehrt mich und zeigt, dass ich im Klub und in der Liga meinen Stempel aufdrücken konnte. Aber wenn ich mich jetzt nochmals für zwei oder drei weitere Jahre verpflichtet hätte, wäre es wegen der Kinder schwieriger, in die Schweiz umzuziehen. So hingegen können wir Levi in der Schweiz einschulen.»

Schmids Ankündigung sorgt in Deutschland zwar für Klarheit, wirft in der Schweiz viele Fragen auf. Wird er seine Spielerkarriere fortsetzen? Falls ja, bei welchem Verein? Oder steigt er gleich als Trainer ein? Oder übernimmt er einen Job beim Verband? «Ich weiss es nicht», sagt Schmid. «Klar ist einzig, dass wir in die Innerschweiz umziehen werden. Und klar ist, dass ich nicht Spielertrainer werde. Entweder spiele ich weiter, oder ich werde mich zum Trainer ausbilden lassen. Habe ich noch Spass? Bin ich gesund? Bin ich noch gut? Wenn ich diese drei Fragen mit Ja beantworten kann, dann spiele ich weiter.»

Kriens-Luzern oder Kadetten Schaffhausen?

Naheliegend wäre ein Wechsel zu Branchenprimus Kadetten Schaffhausen. Geschäftsführer David Graubner sagt: «Wir stehen seit Jahren immer wieder in Kontakt. Aber es gab bislang weder von unserer noch von seiner Seite einen Annäherungsversuch.» Gegen ein Engagement von Schmid spricht, dass die Schaffhauser mit dem Spanier Joan Cañellas eben erst einen routinierten Weltklasse-Regisseur für zwei Jahre verpflichtet haben.

Oder doch die Rückkehr zu den Wurzeln? Nick Christen, Geschäftsführer beim HC Kriens-Luzern, sagt: «Wir stehen immer wieder im Austausch. Aber dabei ging es nie um ein Engagement. Ausserdem wissen wir ja noch nicht mal, ob Andy überhaupt weiterspielen will oder nicht.»

Erfolge mit der Nationalmannschaft könnten die Karriere von Andy Schmid verlängern.

Erfolge mit der Nationalmannschaft könnten die Karriere von Andy Schmid verlängern.

Urs Flueeler / KEYSTONE

Bei dieser Frage landen wir zwangsläufig beim Nationalteam. 194 Mal ist Schmid für die Schweiz aufgelaufen und hat dabei 974 Tore erzielt. Sollte sich die Schweiz im April für die WM 2023 qualifizieren, wird Schmid bestimmt eine Saison in der Schweiz anhängen. Und sollte die Qualifikation für die EM 2024 in Deutschland gelingen, wäre sogar eine zweite Zusatzschlaufe denkbar. «Die Nati spielt in meinen Überlegungen sicher eine wichtig Rolle», sagt Schmid.

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