Handball
Playoffs in Gefahr: Der RTV Basel fällt in Thun nach der Pause auseinander

Die Basler Handballer halten gegen Mittelfeldklub Wacker Thun 30 Minuten ordentlich mit, erzielen in der zweiten Hälfte aber kaum mehr ein Tor. Am Ende resultiert eine hohe und verdiente 19:34-Niederlage. Derweil machen Gerüchte um den Trainer die Runde.

Sven Gautschi
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Auch Topskorer Aleksander Spende konnte in Thun nicht überzeugen.

Auch Topskorer Aleksander Spende konnte in Thun nicht überzeugen.

Andy Mueller / freshfocus

Gerade noch sechs Sekunden blieben Wacker Thun in der ersten Halbzeit, um sich gegen den RTV Basel einen Drei-Tore-Vorsprung zu erarbeiten. Gefühlt eine Millisekunde vor der Pausensirene nutzte Ron Delhees eine Lücke in der RTV-Abwehr und verwertete zur moralisch wichtigen Pausenführung von 14:11 für das Heimteam. Es sei in den ersten 30 Minuten ein «Dahinvegetieren» gewesen, sagte Basels Schlussmann André Willimann.

Nach der Pause waren seine Vordermänner dann völlig von der Rolle und lieferten eine desolate zweite Halbzeit ab. Nur zwei Tore gelangen dem Team von Darijo Bagaric bis zur 45. Spielminute, was vor allem am sehr statischen Angriff lag. Gegner Wacker Thun liess sich auch nicht von den zwei Kreisläufern in der Offensive irritieren und mauerte das Tor von Torhüter Marc Winkler konsequent zu. Basels Topskorer Aleksander Spende, ansonsten ein Torgarant, musste so häufig aus völlig aussichtslosen Positionen abschliessen und traf insgesamt nur vier Mal.

Aufseiten der Berner Oberländer machten vor allem die beiden Schweizer Nationalspieler Nicolas Raemy und Lukas von Deschwanden den Unterschied aus. Mit jeweils neun Toren zeigten sie sich treffsicher und führten die Equipe von Trainer Martin Rubin zum ungefährdeten Sieg von 34:19. Es ist eine zusätzliche Motivationsspritze für die Thuner, die sich bereits den Platz in den Playoffs gesichert hatten. Für die Basler ist diese Position noch lange nicht im Trockenen und wird erst in den kommenden vier nervenaufreibenden Partien entschieden werden.

Mit fünf Punkten Rückstand lauert GC Amicitia gefährlich nahe an den Realturnern und hat für diesen Abstiegskampf entscheidend aufgerüstet. Die Stadtzürcher verpflichteten neben dem erfahrenen Trainer Petr Hrachovec auch vier neue Spieler, darunter für die neue Saison den ungarischen Nationalspieler Gabor Csaszar. Das Team vom Rheinknie ist unter Zugzwang.

Der RTV Basel braucht dringend Impulse

Die RTV-Führung um Präsident Sven Lüdin lancierte hierzu in der Nationalmannschaftspause den «peRspekTiVen-Wechsel». Nach Aussage des Funktionärs muss der RTV dank des Stabilisierungspakets vom Bund und möglichen Beträgen von Swiss Olympic zwar nicht gleich um seine Existenz bangen. Trotzdem will man das Sponsoring professionalisieren und holte hierzu das traditionelle Basler Transportunternehmen Settelen wie auch das Catering-Team bisskid AG ins Boot. Während Erstere den neuen RTV-Bus offerieren, sollen Letztere höchstwahrscheinlich den Event-Bereich von Vorstandsmitglied Tom Ryhiner unterstützen.

Der Erfolg des Basler Traditionsvereins wird entscheidend von dieser Kampagne abhängen, denn die Mannschaft braucht dringend Impulse. Die Missstände manifestierten sich auch am Sonntag gegen Wacker Thun, wo sich die Baselstädter in den ersten dreissig Minuten in einem drögen Spiel noch problemlos mit einem Team aus den mittleren Rängen messen konnten. Danach ging aber gerade den Rückraumspielern die Puste aus. Nicht verwunderlich, denn während Topteams der Liga zwischen Abwehr- und Angriffsspezialisten regelmässig wechseln können, ackern sich Torgaranten wie Aleksander Spende bei den Realturnern auch in der Abwehr ab.

Gerüchte um einen Abgang des Trainers

Gesundheitlich ist dieses dünne Kader auch für die RTV-Profis schwierig, denn die hohe Belastung resultiert in vielen Verletzungen. Während beispielsweise Wacker Thun die Absenzen mit einer exzellenten Juniorenabteilung mehr als adäquat ersetzen kann, ist die Basler Jugendförderung, abgesehen von Jannis Voskamp, Björn Buob und Yasin Kühner, ausbaufähig.

Die kommenden Wochen werden richtungsweisend sein für die Basler Handballer. Während bereits Gerüchte die Runde machen, dass Darijo Bagaric die Position als Cheftrainer Ende Saison abgeben wird, ist betreffend neuer Spieler noch wenig bekannt. Verstärkung ist jedoch unbedingt notwendig, denn mit dem BSV Bern, dem HSC Suhr Aarau und dem TSV St. Otmar St. Gallen warten weitere Teams aus dem Mittelfeld, gegen welche die Basler punkten müssen. Gelingt dies nicht, könnte es im letzten Spiel der Saison noch zu einem Showdown gegen GC Amicitia Zürich um den Playoff-Platz kommen.

Telegramm

Wacker Thun - RTV Basel 19:34 (11:14)

Keine Zuschauer. – SR Keist/Winkler. – Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen Thun, 7-mal 2 Minuten gegen Basel.

RTV Basel: Willimann (7 Paraden)/Kühner (2); Basler (1 Tor), Berger (5), Buob, Engler (4), Karvatski, Khadkevich, Krause, Esono Mangue (2), Spende (4), Stamenov (2), Ramseier, Voskamp (1)

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