Siebenkämpferin

Géraldine Ruckstuhl bricht Schweizer Rekord – vor 14 Monaten wäre ihre Karriere fast beendet gewesen

Géraldine Ruckstuhl beim Hochsprung am Siebenkampf-Meeting in Götzis.

Géraldine Ruckstuhl beim Hochsprung am Siebenkampf-Meeting in Götzis.

Die Luzerner Siebenkämpferin Géraldine Ruckstuhl brach am Mehrkampf-Meeting in Götzis den Uralt-Schweizer-Rekord. Und sie berührt mit der Geschichte, die dahintersteht.

Da war die von herzlichem Applaus umrahmte Spezialauszeichnung zur Newcomerin des Meetings. Da war der Respekt der Konkurrentinnen und Fachleute in Götzis. Und da waren die erstaunlichen Fakten: 6291 Siebenkampf-Punkte sammelte Géraldine Ruckstuhl an den beiden Wettkampftagen. Platz 12 belegte sie im Weltklassefeld. Sie brach den zweitältesten Schweizer Rekord bei den Frauen, die total 6265 Punkte von Corinne Schneider aus dem Jahr 1985 in Zug, um 26 Zähler. Um sagenhafte 456 Punkte verbesserte sie ihr eigenes, bisheriges Höchstergebnis. In fünf der sieben Disziplinen glückten ihr persönliche Bestmarken. Géraldine Ruckstuhl überraschte. Und sie überraschte sich selber. «Von einem solchen Total hätte ich nicht zu träumen gewagt», sagte sie.

19 Jahre alt geworden ist die talentierte Mehrkämpferin aus Altbüron Ende Februar. Zweitjüngste mit der zweitschwächsten Vorgabe war sie im hochklassigen, 30-köpfigen Feld. Und sie trat mit einer Geschichte an, die manch eine oder einen zum Aufgeben veranlasst hätte. Vor 14 Monaten stürzte die U18-Weltmeisterin des Vorsommers beim Hürdentraining. Schwere innere Verletzungen zog sie sich zu. Niederschmetternd waren die Diagnosen der Ärzte. Schwere Zweifel äusserten sie, ob sich die Sportlerkarriere fortsetzen liesse. Viel Geduld sei auf jeden Fall nötig.

Aufgeben war nie ein Thema

Im Üben von Geduld sah sich die «extrem ungeduldige Athletin» gefordert. Hinzu kamen Zweifel, Ängste. «Mein Traum ist zerstört», realisierte sie. Aber sie schaute rasch nach vorn. Resignation war kein Thema. «Ich bin ein Wettkampfmensch, und die Leichtathletik ist mir das Liebste, etwas anderes als die Rückkehr gibt es nicht», erkannte sie. Bereits nach drei Monaten stand sie wieder auf dem Wettkampfplatz – als Werferin. Sie qualifizierte sich für die U20-Weltmeisterschaften im Speerwerfen (7.). Gut ein halbes Jahr nach dem Unfall gewann sie den Schweizer-Meister-Titel im Siebenkampf – mit 5835 Punkten.

Géraldine Ruckstuhl bei der Schweizermeisterschaft 2015.

Géraldine Ruckstuhl bei der Schweizermeisterschaft 2015.

Richtig recht gibt der Sport-KV-Absolventin aber das Götzis-Resultat. Jetzt hat sie zurückgefunden aufs höchste Level – und das auf direktem Weg. «Dieses Resultat ist grossartig und eine Riesenmotivation», sagt Ruckstuhl. An der langfristigen Ausrichtung und der Planung von ihr und Coach Rolf Bättig ändert es allerdings nichts. «Jetzt gönne ich mir eine Pause», sagte sie.

Körperlich und mental will sie durchatmen und ausspannen – um dann voller Elan nächste Grosstaten anzusteuern. Die U20-Europameisterschaften von Mitte Juli in Grosseto (It) wirken motivierend. Und wichtig dabei: Die realistisch denkende Frau weiss: «Der perfekte Wettkampf ist Götzis nicht gewesen. Der Start beim 100-m-Hürdenlauf war ganz schlecht, beim besten Kugelstoss rutschte die Kugel aus der Hand, und wirklich enttäuschend gelang der Weitsprung, wo es bei allen drei Versuchen nicht gelang, das Eingeübte richtig zusammen- und umzusetzen.»

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