Gesamtweltcup
Marco Odermatt kann seinem Traum vom Triumph im Gesamtweltcup ganz nahe kommen – Zeit für einige Rechenspiele

Der Nidwaldner kann bei den Rennen im norwegischen Kvitfjell auf Unterstützung von Beat Feuz zählen. Noch hat Odermatt ein Polster von 375 Punkten.

Martin Probst
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Marco Odermatt darf zuversichtlich in Richtung nach vorne blicken.

Marco Odermatt darf zuversichtlich in Richtung nach vorne blicken.

Martin Meienberger / freshfocus

Marco Odermatt führt gerne To-do-Listen. Nicht nur im Kopf. Er notiert sich Dinge, die er im Verlauf eines Tages erledigen will. Der Eintrag für den Sieg im Gesamtweltcup existiert allerdings erst in Gedanken.

«Logischerweise ist das mein ganz grosses Ziel. Es ist das Grösste, das ein Skifahrer gewinnen kann», sagt der Nidwaldner. Ein Häkchen auf Papier wird der 24-Jährige an diesem Wochenende allerdings noch nicht setzen.

Zwar ist sein Vorsprung mit 375 Punkten beachtlich. Doch mathematisch kann Odermatt den Triumph selbst mit drei Siegen in Kvitfjell nicht sichern. Weil danach noch sieben Rennen in dieser Saison ausstehen – und ein Athlet damit theoretisch noch 700 Punkte gewinnen könnte.

Zeit für einige Rechenspiele

Doch das Wort theoretisch ist wichtig. Konserviert Marco Odermatt in den zwei Abfahrten am Freitag und Samstag und im Super-G am Sonntag einen grossen Teil seines Vorsprungs auf den Norweger Aleksander Aamodt Kilde, wird ihn niemand mehr vom Gewinn der grossen Kristallkugel abhalten. Zeit für einige Rechenspiele.

Aleksander Aamodt Kilde.

Aleksander Aamodt Kilde.

Luca Bruno / AP

In den bisher acht Abfahrten der Saison hat Kilde 44 Punkte mehr gewonnen als Odermatt. Im Super-G sind es in bisher fünf Rennen 61 Punkte. Im Schnitt sind das etwas mehr als acht Punkte pro Rennen, in denen der Norweger den Unterschied machen müsste.

Im Januar 2021 zog sich Kilde einen Kreuzbandriss zu. Seither verzichtet er auf Starts im Riesenslalom. Und selbst wenn der 29-Jährige in den drei verbleibenden Riesenslaloms sein Comeback geben würde – gegen Odermatt hat er in dessen Paradedisziplin kaum eine Chance.

Realistisch gesehen muss Kilde in den verbleibenden fünf Speedrennen des Winters also nicht nur 375 Punkte aufholen, sondern auch noch ein riesiges Polster schaffen.

Feuz kann Kilde gleich doppelt ärgern

Man kann es so sagen: Bleibt Odermatt gesund, würden Kilde wohl nicht einmal fünf Siege in fünf Speedrennen reichen. Weil es a) nicht vorstellbar ist, dass der Schweizer gleichzeitig ohne Punkte bleibt und b) Odermatt den so entstehenden Rückstand von 125 Punkten statistisch gesehen in den drei Riesenslaloms locker aufholen würde.

Schliesslich weisst Odermatt in seiner stärksten Disziplin einen Saisonschnitt von 96 (!) Punkten aus. Nimmt man das als Massstab, müsste Kilde gleichzeitig dreimal auf das Podest fahren, um vorne zu bleiben.

Und dann wäre da noch Beat Feuz, der Kilde gleich doppelt ärgern könnte. Nicht nur, indem er den Norweger in der Abfahrtswertung überholen will, sondern auch als Punktedieb im Gesamtweltcup.

Beat Feuz.

Beat Feuz.

Michael Buholzer / KEYSTONE

Die Statistik spricht auch in diesem Bereich für die Schweizer Skifahrer. In Kvitfjell stand Feuz schon neunmal auf dem Podest. Viermal im Super-G und fünfmal in der Abfahrt. Kilde hingegen fuhr bei seinem Heimrennen erst einmal in die Top 3, als er vor zwei Jahren in der Abfahrt Zweiter wurde.

Anders als im Gesamtweltcup ist die Ausgangslage im Abfahrtsweltcup hoch spannend. Vier Fahrer trennen nur gerade 44 Punkte. Feuz und Odermatt messen sich mit Kilde und dem Österreicher Matthias Mayer