Gender-Gap
Dank Frauen-Medaillen bei Olympischen Spielen: Die Gleichberechtigung ist im Sport angekommen

Verschiedenste Schweizer Athletinnen sind bereit, im Jahr 2022 aufs Neue für grosse Erfolge zu sorgen. Zudem wirkt Sportministerin Viola Amherd kräftig mit.

Rainer Sommerhalder
Drucken

Der Schweizer Sport ist in Aufregung. Seit Bundesrätin Viola Amherd ihre Forderungen zur Gleichstellung in Verbänden und Vereinen resolut deponiert hat, zerbrechen sich Funktionäre den Kopf darüber, wie man eine im Raum stehende Quote von 40 Prozent Frauen in den Führungsgremien erreichen kann. Der Dachverband Swiss Olympic hat sich im neuen Leitbild und in der Strategie eine konsequente Umsetzung auf die Fahne geschrieben.

Bundesrätin Viola Amherd macht sich für Gleichberechtigung und eine hohe Frauenquote in Sportverbänden stark.

Bundesrätin Viola Amherd macht sich für Gleichberechtigung und eine hohe Frauenquote in Sportverbänden stark.

Keystone

Während in Funktionärsämtern und im Trainerbereich Frauen nach wie vor stark untervertreten sind, wird bei den Athletinnen und Athleten mit den Olympischen Spielen in Peking Gendergleichheit definitiv erreicht. Das Erstarken des Frauensports beschränkt sich aber nicht auf eine numerische Gleichstellung. Die Schweizerinnen gaben zuletzt an den Olympischen Spielen auch sportlich den Ton an und gewannen deutlich mehr Medaillen als die Männer.

Gleich viele Medaillenchancen für Frauen wie für Männer

Die Prognosen stehen gut, dass die Erfolgsgeschichte im Jahr 2022 weitergeschrieben wird. Als Team können die Fussballerinnen an der Europameisterschaft brillieren. Auch in den grossen Wettkämpfen der Einzelsportarten wie Welt- und Europameisterschaften in der Leichtathletik oder Olympische Winterspiele gehören ebenso viele Athletinnen wie Athleten zu den ganz heissen Eisen im Feuer.

Wächst die Schweizer Frauenfussballnati an der EM über sich hinaus?

Wächst die Schweizer Frauenfussballnati an der EM über sich hinaus?

Keystone

Welche Faktoren spielen bei dieser Entwicklung eine Rolle? Zum einen wurden weltweit wie national Strukturen angepasst und so Gelegenheiten erst geschaffen. Durch die gleiche Anzahl Medaillenentscheidungen für Männer wie Frauen bei den Olympischen Spielen erhöht sich die Chance auf sportlichen Erfolg rein statistisch.

In der Schweiz haben Frauen einen besseren Zugang zu den hauptsächlichen Fördergefässen des Leistungssports. Seit der Einführung der Spitzensport-Rekrutenschule im Jahr 2004 etwa hat sich der Frauenanteil kontinuierlich erhöht. Mit der anstehenden Verdoppelung der zur Verfügung stehenden Plätze wird ein nächster Boost einsetzen.

Leichtathletik-Nachwuchs: Mehr Mädchen als Buben

Wichtiger aber sind die Folgen der gesellschaftlichen Entwicklungen in den vergangenen Jahrzehnten. Nicht nur hat sich die Akzeptanz des Spitzensports als Beruf deutlich erhöht. Noch stärker hat sich die Einsicht, dass dieses Berufsbild auch für Frauen offenstehen muss, verstärkt. In den Nachwuchskadern der Leichtathletik zählt man heute mehr Mädchen als Buben. Und beim grössten weltweiten Wettkampf für Talente, den Olympischen Jugendspielen, betrug der Anteil Schweizer Frauenmedaillen zuletzt gar 67 Prozent.

Auch dank Mujinga Kambundji ist die Leichtathletik auf dem Vormarsch. Und: Es lassen sich immer mehr Mädchen dafür begeistern.

Auch dank Mujinga Kambundji ist die Leichtathletik auf dem Vormarsch. Und: Es lassen sich immer mehr Mädchen dafür begeistern.

Stefan Wermuth / Visana/

Die Akzeptanz des Frauensports schlägt sich auch in Zahlen nieder. Innerhalb der vergangenen acht Jahre stieg die Anzahl Profisportlerinnen in der Schweiz um zehn Prozent. Im Bereich des Breitensports gaben in der grossen Befragung «Sport Schweiz» 2020 rund 51 Prozent der Frauen an, regelmässig Sport zu treiben. Im Jahr 2000 waren es erst 32 Prozent.

Grosser Aufholbedarf in Forschung und Training

So vielversprechend sich die Entwicklung präsentiert, so gross bleibt die Pendenzenliste. In der sportwissenschaftlichen Forschung befassen sich lediglich vier Prozent mit Frauenthemen. Entsprechend ist ein grosser Teil der Trainingslehre und der Trainerausbildung auf Männer ausgerichtet.

Swiss Olympic hat deshalb vor kurzem das Projekt «Frau und Spitzensport» ins Leben gerufen. Das Ziel ist es, Athletinnen im Spitzensport bei der Optimierung ihrer Leistung zu unterstützen. Im Fokus stehen dabei spezifisch weibliche Themen, welche für das Training, die Ernährung und Erholung leistungsrelevant sind.