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«Wir werden in Albanien so konzentriert und gut spielen wie bisher immer»

Qualifiziert sich die Schweizer Nati für die WM? «Davon bin ich überzeugt», sagt Torhüter Diego Benaglio. Auch die anderen Spieler, wissen was sie drauf haben. Beim Zusammenzug ins Feusisberg beantworten sie alle Fragen der «Nordwestschweiz».

Etienne Wuillemin, Feusisberg
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Die Schweizer Nati trainiert in Feusisberg fürs Spiel gegen Albanien
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Pajtim Kasami, rechts, und Ricardo Rodriguez: Üben für den Ernstfall.
Granit Xhaka, links, Xherdan Shaqiri, Mitte, und Pajtim Kasami. Kasam, dessen Elter aus Albanien kommen, ist zum ersten Mal dabei.
Ottmar Hitzfeld weiss, was die Truppe tun muss: Gewinnen.
Xherdan Shaqiri im Training vor dem Spiel gegen Albanien. Für den Schweiz mit Wurzeln im Kosovo keine einfache Sache.

Die Schweizer Nati trainiert in Feusisberg fürs Spiel gegen Albanien

Keystone

Die Schweiz kann am Freitag gegen Albanien Historisches erreichen: Mit einem Sieg wäre sie erstmals bereits vor dem letzten Spieltag für eine WM qualifiziert.

In Tirana erwartet die Auswahl von Ottmar Hitzfeld ein emotionales Spiel. Bereits im Heimspiel gegen Albanien mussten die Schweizer erfahren, wie heissblütig deren Fans sind. Das Schweizer Team tut deshalb alles, um Konflikte im Vorfeld zu vermeiden. Dazu gehört auch, dass die Stammspieler mit kosovarischen Wurzeln – Behrami, Shaqiri, Xhaka – keine Interviews geben.

Erste Vorwürfe aus Albanien erreichten die Schweiz nämlich bereits: Der Verband habe die Freigabe von Spielern wie Abrashi, Lenjani oder Gashi absichtlich verzögert. Doch es waren die Mühlen der Fifa, die langsam mahlten. Am 16. September aber hiess der Weltfussballverband das Gesuch von GC-Spieler Gashi gut, die Fussballnation zu wechseln.

Diego Benaglio: Qualifiziert sich die Schweiz am Freitag für die WM?

Davon bin ich überzeugt. Weil wir in Albanien so konzentriert und gut spielen wie bisher immer in dieser WM-Qualifikation.

Stephan Lichtsteiner: Ist Ihre Oberschenkel-Verletzung gravierend?

Ein Einsatz am Freitag in Albanien ist unwahrscheinlich. Es bringt nichts, eine Pause von drei Monaten zu riskieren, wenn der Muskel reisst. Ich muss nun abwarten, ob allenfalls das Spiel gegen Slowenien möglich wäre. Falls nicht, würde ich wahrscheinlich zurück nach Turin reisen.

Michael Lang: Was wäre gegen Albanien anders als bei Ihrem Debüt gegen Brasilien?

Für mich gibt es im Nationalteam keinen Unterschied zwischen Testspielen und Ernstkämpfen. Jeder kämpft für die Farben des Landes, es geht immer um die Wurst.

Steve von Bergen: Sind Sie auch deswegen froh, im Nationalteam zu sein, um vielleicht wieder einmal als Sieger vom Platz zu gehen?

Während dieser neun Tage denke ich nicht an die Spiele mit YB, sondern nur an die Gegenwart. Wir haben nach dem 4:4 gegen Island gut reagiert, in Norwegen einen weiteren Schritt nach Brasilien gemacht.

Johan Djourou: Fürchten Sie um Ihren Stammplatz, nachdem Fabian Schär in zwei Spielen gleich drei Tore erzielte, als Sie verletzt waren?

Fabian Schär ist eine Bereicherung für uns. Er spielte nicht nur im Nationalteam super, sondern schon beim FCB. Ich kann nur sagen: Ich rücke in sehr guter Form ein – alles andere muss der Trainer entscheiden.

Fabian Schär: Wie sehr behindert Sie Ihr angeschlagenes Knie?

Ich stand seit dem Champions-League-Spiel gegen Schalke nicht mehr auf dem Platz. Die Pause hat gutgetan, war aber eine Vorsichtsmassnahme. Die Weichteilquetschung im rechten Knie war schmerzhaft, die Entzündung im linken Knie auch. Aber sowohl der Meniskus wie auch alle Bänder sind unbeschädigt. Nun fühle ich mich wieder gut, ein allfälliger Einsatz ist nicht in Gefahr.

Ricardo Rodriguez: Was ist los mit dem VfL Wolfsburg? Wie konnte eine 0:2-Heimniederlage im Derby gegen Braunschweig, den Tabellenletzten, passieren?

Es ist mir noch immer ein Rätsel. Das Derby bedeutet den Fans viel, den Spielern ebenso. Und dann so etwas ... Ich kann garantieren: Ein weiteres Mal passiert uns das nicht. Nun müssen wir uns schnellstmöglich zurückkämpfen.

Gökhan Inler: Wie sehr fiebert Neapel dem Spitzenkampf bei der AS Roma entgegen?

In erster Linie denke ich jetzt an die Nati. Es kommen wegweisende Tage auf uns zu. Aber natürlich ist es schön, mit Napoli so gut gestartet zu sein. Sechs Siege und ein Unentschieden zu Beginn sind auch ein Beweis dafür, dass sich der neue Trainer und die neuen Spieler gut zurechtfinden. Die Partie bei der verlustpunktlosen AS Roma am übernächsten Freitag wird ein Highlight für alle, sowohl Spieler als auch Fans.

Pajtim Kasami: Haben Sie sich definitiv für das Schweizer Nationalteam und gegen Albanien entschieden?

Ja. Ich gebe alles für die Schweiz, das war schon in der U21 immer so und nun auch im A-Team. Ich bin froh, mit meinen Kollegen hier spielen zu können. Ich wusste, ich brauche Geduld, bis ich aufgeboten werde. Das hat mir auch U21-Trainer Pierluigi Tami immer wieder gesagt. Ich bin noch jung und meine Zeit wird kommen. Von Albanien habe ich immer wieder Anfragen und Telefonate erhalten, bin aber nie darauf eingegangen. Mit Anfeindungen von Albanern, sei es auf der Strasse oder über Social Media, kann ich gut umgehen, dafür bin ich Profi genug.

Valentin Stocker: Inwiefern hat das 4:4 gegen Island der Mannschaft in ihrem Entwicklungsprozess geholfen?

So ein Erlebnis schweisst ein Team zusammen oder es driftet auseinander. Wir sind eindeutig näher zusammengerückt. Wobei ich denke, dass man nach so einem Spiel nicht alles hinterfragen sollte. Ja, wir sind jung und noch nicht fehlerlos – aber wir sind in Norwegen genau unseren Weg weitergegangen. Wir zeigten gute Kombinationen, waren gefährlich nach Standardsituationen und auch mit Weitschüssen.

Tranquillo Barnetta: Sie spielten nach Ihrem Wechsel zu Frankfurt immer von Anfang an – und immer in der Mitte. Ist das auch Ihre künftige Position im Nationalteam?

Wer weiss (lacht). Ich wusste schon immer, dass ich im offensiven Mittelfeld alle Positionen spielen kann. Nach einer langen Phase als Ersatzspieler bei Schalke gilt im Moment: Hauptsache spielen! Vielleicht half mir die Mittelposition, schneller in den Rhythmus zu kommen, weil man mehr im Spiel eingebunden ist als auf dem Flügel.

Haris Seferovic: Nach einem Tor im ersten Meisterschaftsspiel für San Sebastian und einem Traumtor in der Champions-League-Qualifikation haben Sie nun seit sieben Wochen nicht mehr getroffen. Wann folgt das nächste Tor?

Vielleicht gegen Albanien (lacht). Ich werde mich aber sicher nicht auf einen Torerfolg fixieren, denn so würde es eben gerade nicht klappen. Ich spiele gut, komme viel zum Einsatz, also gibt es keinen Grund zur Sorge.

Eren Derdiyok: Können Sie mit der Rolle des Ergänzungsspielers umgehen?

Klar. Ich war am Boden, nun stelle ich keine Ansprüche. Herr Hitzfeld war in dieser schweren Zeit immer für mich da. Dieses Vertrauen möchte ich nun zurückgeben.

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