WM14
Uruguay-England: Diskussionen um die Superstars Suarez und Rooney

England und Uruguay stehen mit dem Rücken zur Wand, der Verlierer der Partie in São Paulo wird wohl bald die Koffer packen müssen. Vor dem Spiel stehen Suarez und Rooney im Mittelpunkt ihrer Teams. Anpfiff ist um 21 Uhr.

Markus Brütsch, Porto Alegre
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Wayne Rooney und Luis Suarez stehen vor dem Knüller England-Uruguay im Mittelpunkt ihrer Mannschaft.

Wayne Rooney und Luis Suarez stehen vor dem Knüller England-Uruguay im Mittelpunkt ihrer Mannschaft.

Keystone

Vielleicht sind ja tatsächlich die vom brasilianischen Zoll beschlagnahmten 39 Kilogramm Caramel-Aufstrich mitschuldig am missglückten WM-Einstand von Uruguay.

Die «Urus» jedenfalls wirkten beim 1:3 gegen den krassen Aussenseiter Costa Rica reichlich energielos. Für die meisten Fans des zweifachen Weltmeisters vom Rio de la Plata aber ist klar: Das Fehlen des vor drei Wochen am Knie verletzten Superstars Luis Suarez war ausschlaggebend.

«Nein», widerspricht Trainer Oscar «El Maestro» Tabarez, «unser Problem war die Defensive. Früher haben wir solche Tore nicht bekommen. Hinten waren wir richtig schlecht.»

Gleichwohl sind nun alle Hoffnungen der «Urus» mit dem möglichen Comeback von Suarez verknüpft. Der Mann, der in der abgelaufenen Saison 31 Tore für Liverpool geschossen hat, meldet sich jedenfalls fit.

«Ich habe mich auf der Ersatzbank ohnmächtig gefühlt, jetzt hoffe ich, dass ich spielen darf.» Dass ihn Tabarez gegen Costa Rica selbst nach dem 1:2-Rückstand nicht einwechselte, deutet indes daraufhin, dass der Stürmer, der bei Liverpool in der Woche 245 000 Euro verdienen soll, noch nicht ganz auf dem Damm ist.

Seine Teamkollegen wünschen sich jedoch nichts sehnlicher, als die Rückkehr des «Kannibalen», wie er nicht nur wegen seiner unerbittlichen Abschlussqualitäten, sondern auch wegen seiner Beissattacken an Gegenspielern genannt wird.» Er wird uns einen riesigen Schub geben», ist sich Teamkollege Martin Caceres sicher. Diego Lugano sagt: «Ich träume davon, dass er spielt.»

Es wäre für Uruguay eine gewaltige Enttäuschung, sollte es die Gruppenphase nicht überstehen. Als WM-Vierter 2010 und Sieger der Copa America 2011 sind die Südamerikaner in ähnlicher Besetzung mit grossen Ambitionen ins Nachbarland gereist.

Die Mannschaft sei nun noch reifer, dachten viele. Möglicherweise aber hat sie auch ihren Zenit überschritten, ist sie doch nach Argentinien und Honduras die drittälteste Equipe des Turniers. An fehlendem Hunger auf Erfolg aber fehlt es gerade Suarez zuletzt. «Ich habe ein barbarisches Verlangen, meinen Teamkollegen zu helfen», sagt der 27-Jährige. «Ich kenne aus der Premier League die Engländer und weiss, wo ihre Schwächen liegen.»

Hodgsons Pragmatismus

Diese haben gegen Italien trotz der 1:2-Niederlage zwar eine sehr ansprechende Leistung gezeigt, in der Abwehr jedoch einige Mängel offenbart. So hofft Suarez’ Klubkollege Jordan Henderson, dass dieser nicht spielen kann. «Das wäre sicher ein Vorteil für uns», sagt der Mittelfeldspieler.

Coach Roy Hodgson erklärt: «Wenn man Suarez wirklich in einer Reihe mit Maradona, Pelé, Cruyff oder Pirlo sehen will, dann hat er jetzt hier die Bühne, um es zu beweisen.»

Daniel Sturridge, bei Liverpool der Sturmpartner von Suarez, sagt: «Er ist Weltklasse, klar. Ob er aber spielt oder nicht, ändert für uns nicht so wahnsinnig viel. Uruguay ist Uruguay, und da sind auch noch Edinson Cavani und Diego Forlan.»

Das Duell zwischen Suarez und Sturridge hat indes etwas an Brisanz verloren, weil rund ums englische Team vor allem ein Mann unfreiwillig in den Mittelpunkt gerückt ist: Wayne Rooney.

Nicht, weil seine Frau mit den beiden Kindern nach Brasilien gereist ist und Hodgson dies für keine gute Idee hält.

Nein, die englischen Medien halten ihm vor, auch nach neun Spielen noch kein WM-Tor geschossen zu haben und fordern seine Ausbootung.

Dies, obwohl der Star von Manchester United das einzige Tor der Engländer magistral vorbereitet und seine Torgefährlichkeit in einigen Szenen demonstriert hat.

Offensichtlich aber ist, dass Rooney am linken Flügel verschenkt ist und Hodgson gut daran täte, ihn auf der «Zehn» hinter Sturridge einzusetzen.