Uhrencup
Lucien Favre und der erwartete Horror-Start

Borussia Mönchengladbach gegen den FC Sion. Zweifelsohne das Highlight des Uhrencup. Mönchengladbach ist in der Bundesliga hart gelandet – der Schweizer Trainer Lucien Favre sagt, warum. Gegen Sion sah man von alldem nichts.

Sebastian Wendel
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Lucien Favre dirigiert Borussia Mönchengladbach zum Sieg gegen den FC Sion.

Lucien Favre dirigiert Borussia Mönchengladbach zum Sieg gegen den FC Sion.

Keystone

Über 50 Jahre war Grenchen die Heimat des Uhrencups. Wegen Sicherheitsbedenken ist das Traditionsturnier in die brandneue Tissot Arena in Biel umgezogen und feierte am Freitagabend Premiere in der neuen Heimat. Den Höhepunkt vor 3280 Zuschauern bildete die Partie zwischen Bundesligist Borussia Mönchengladbach und dem Schweizer Cupsieger Sion.

Unter anderem ohne Schweizer Nationalspieler Yann Sommer, Granit Xhaka und Josip Drmic dominierte Gladbach die Partie von A bis Z und gewann 2:1. Das 1:0 durch Hahn bereitete Ex-FCZ-Stürmer Raffael vor, die übrigen Tore markierten Jantschke und für Sion Mujangi Bia. Für Gladbach und Trainer Lucien Favre war der Sieg gegen die Walliser nach drei Ligapleiten in Serie ein kleines Trostpflaster. Im zweiten Spiel gewann Biel gegen Austria Salzburg mit 2:0.

Drei Spiele, drei Niederlagen. Nach der fantastischen Saison 2014/15 (Rang drei hinter Bayern und Wolfsburg) ist Borussia Mönchengladbach im neuen Bundesliga-Jahr hart gelandet. Verantwortlich dafür sind auch sechs Schweizer: Goalie Yann Sommer, die Feldspieler Nico Elvedi, Granit Xhaka, Josip Drmic und Djibril Sow sowie natürlich Cheftrainer Lucien Favre. «Dass wir Schwierigkeiten haben, überrascht mich kein bisschen», sagte Favre anlässlich des Uhrencup-Testspiels gegen den FC Sion. «Die Nordwestschweiz» sprach mit dem Romand über die gestiegenen Erwartungen in Gladbach, die Champions League und die vielen Schweizer in der Bundesliga.

Favre über ...

... den schlechten Saisonstart: «Damit habe ich gerechnet, ich bin kein bisschen überrascht. Gladbach hat beim Gehalt und bei den Ablösesummen keine Chancen gegen die Grossklubs, jedes Jahr verlieren wir unsere besten Spieler. Das wird immer so sein. Und wir hatten viele Verletzte, gerade im Abwehrzentrum, wo zuletzt zwei Spieler unter 20 gespielt haben. Vergangene Saison ist zudem viel für uns gelaufen – wir haben Spiele gewonnen, in denen wir weniger Chancen hatten als der Gegner. In dieser Saison ist das umgekehrt.»

... die Gladbacher Premiere in der Champions League: «Es ist gefährlich. Wir müssen aufpassen, dass die Spieler nicht nur Manchester City, Juventus und Sevilla im Kopf haben. Das sind schöne Spiele, wir freuen uns darauf. Aber der Fokus muss auf der Bundesliga bleiben. Für den Trainingsbetrieb ist die Champions League eine grosse Belastung: Weil die Spiele Dienstag oder Mittwoch sind und wir in der Bundesliga immer am Samstag spielen, haben wir keinen Tag für ein richtiges Training. Immer nur Regeneration oder Abschlusstraining. Es wird eine grosse Herausforderung.»

... die Schweizer Neuzugänge Drmic, Elvedi und Sow: «Bei Drmic schauen wir mal, er braucht Zeit. Elvedi ist 18, er hat nicht die Erfahrung, die damals Granit Xhaka hatte: Granit hat vorher mit dem FCB Champions League gespielt und ist zwei Mal Meister geworden. Djibril ist für diese Saison eingeplant für den Nachwuchs, er ist ein längerfristiges Projekt.»

... die Rekordzahl von 21 Schweizern in der Bundesliga: «Zufall? Nein. Die Schweizer sind sehr gut ausgebildet, sie bringen eine hohe Qualität mit. Einerseits taktisch, technisch und physisch. Andererseits sind sie auch alle im Kopf gesund. Die deutschen Scouts wissen das und denken immer mehr an Schweizer Spieler. Schauen Sie: Bei einem Grossteil der Bundesliga-Klubs spielen Schweizer tragende Rollen oder sind sogar Captain. Das ist die Folge der grossen Investitionen, die der Schweizer Verband in der Vergangenheit in den Nachwuchs getätigt hat.»

... die astronomischen Ablösesummen in der Premier League: «80 Millionen für Kevin de Bruyne – das ist verrückt! Und es wird noch verrückter! Die englischen Klubs können in Zukunft dank der 3 Milliarden aus dem TV-Vertrag jeden Spieler holen, den sie wollen. Das ist delikat für die anderen Länder.»

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