Korruption
Kann Joseph Blatter die Fifa auf Reformkurs bringen?

Die Fifa steht am Anfang einer Erneuerung. Beim Kongress in Budapest will Joseph Blatter den internationalen Fussballverband auf Reformkurs bringen. Aber kann ihm das gelingen?

Christoph Bopp
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Nach dem ersten Reinemachen, das altgedienten Funktionären, den Fifa-Vize-Präsidenten Jack Warner aus Trinidad-Tobago und Mohamed Bin Hammam aus Katar das Amt kostete, verbreitete Fifa-Präsident Joseph S. Blatter am Fifa-Kongress in Budapest Zuversicht. «Einen historischen Tag» habe er erlebt, sagte er, und bemühte wieder einmal die Metapher vom «Fifa-Schiff», das wieder auf Kurs gebracht worden sei und jetzt ruhigere Gewässer ansteuern könne.

Sieht man von den Korruptions- und anderen Skandalen ab, von denen der internationale Fussballverband schon seit Jahren umwölkt ist, ist die Fifa in einem guten Zustand. 1,293 Milliarden Dollar sind in der Kasse, für die WM 2018 sind bereits 2,3Milliarden vertraglich zugesichert. Für 2011 meldet die Finanzkommission einen Gewinn von 36Millionen Dollar, im letzten Jahr waren es noch 219 Millionen Dollar gewesen.

«Wir sind nicht reich, aber abgesichert», lautete Blatters Fazit. Na ja, darben muss wohl immer noch keiner. Und die Fifa braucht auch Geld, um ein schon lange verfolgtes Projekt endlich umzusetzen. Jetzt versichert die Fifa die Löhne von Spielern, die sich in einem Länderspiel verletzen. Ein Verein kann jetzt im Höchstfall mit einer Summe von bis zu 27000Dollar pro Tag und maximal bis zu 9,7 Millionen Dollar pro Jahr rechnen, falls einer seiner Angestellten nach einem internationalen Einsatz ausfällt. Dafür legt die Fifa 75Millionen Dollar hin.

Noch mehr Ethik?

Ebenso überfällig sind die Reformen, die der Fifa-Präsident nach den Schmiergeldskandalen auf den Weg gebracht hat. Das unabhängige Governance-Komitee (IGC), das vom Basler Jurisprudenz-Professor Mark Pieth geleitet wird, legte im März einen Bericht vor, wie man die Fifa aufstellen müsste, um der Korruption vorzubeugen. Das IGC soll jetzt auch den Reformkurs überwachen.

Nicht, dass es in der Vergangenheit nicht schon Gremien gegeben hätte, die das Verhalten der Fifa- Funktionäre unter die Lupe genommen haben. Und sie verhängten 2010 auch Sanktionen, als Undercover-Journalisten mehrere Vorstandsmitglieder beim Stimmenverkauf gefilmt hatten. Die Ethik-Kommission durfte aber nur tätig werden, wenn es die Fifa wünschte. Das veranlasste 2011 Günther Hirsch, in Deutschland vormals Präsident des Bundesgerichtshofs, das Gremium zu verlassen, weil er den Eindruck hatte, «dass die Verantwortlichen bei der Fifa kein wirkliches Interesse haben, eine aktive Rolle bei der Aufklärung, Verfolgung und Vorbeugung von Verstössen gegen das Ethikreglement der Fifa zu spielen» (Thomas Kistner: Fifa-Mafia).

Auf dem Reformkurs

Die Vorschläge für mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit wurden mit 192:7 Stimmen angenommen. Ermittlung und Rechtsprechung innerhalb der Ethikkommission werden jetzt getrennt. Und auch Fälle aus der Vergangenheit sollen angegangen werden dürfen.

Das Statutenrevisionskomitee unter der Führung von DFB-Präsident Theo Zwanziger schlug ebenfalls Neuerungen vor. WM-Turniere sollen in Zukunft nicht mehr vom Exekutiv-Komitee, sondern vom Kongress vergeben werden. Dazu soll eine Altersgrenze von 72Jahren eingeführt werden (Blatter ist 76) und Fifa-Präsidenten maximal nur noch für zwei Amtszeiten gewählt werden (Blatter ist in der vierten). Verabschiedet werden soll dies alles beim Kongress auf Mauritius 2013.

Das Exekutivkomitee, die Regierung des Weltfussballs, wurde schon mit einigen neuen Gesichtern bestückt. Mit Lydia Nsekera (Burundi) rückte gar erstmals in der 108-jährigen Fifa-Geschichte eine Frau in das Gremium.

Wider das Penaltyschiessen

Das Bayern-Debakel wirkte insofern noch nach, als Blatter sich einmal mehr gegen das Penaltyschiessen aussprach. Ein Fremdkörper in der Mannschaftssportart Fussball sei das doch. Beckenbauer und sein Komitee sollen Vorschläge unterbreiten, wie man das machen könne.