Skandal um Blatter

Fifa-Kenner Guido Tognoni sagt: «Das war nicht clever von Infantino»

Guido Tognoni: «Infantino ist mit viel Kredit gestartet, den hat er so ziemlich komplett verspielt.»

Guido Tognoni: «Infantino ist mit viel Kredit gestartet, den hat er so ziemlich komplett verspielt.»

Der frühere Mediendirektor des Weltfussballverbands Fifa, Guido Tognoni, analysiert im Interview die neusten Enthüllungen rund um die Skandalakte des Fussball-Weltverbandes.

Dass sich Sepp Blatter und seine Kollegen bereichert haben, lag auf der Hand. Sind Sie jetzt endgültig überführt?

Guido Tognoni: Ich war schon immer überzeugt, dass Sepp Blatter zweistellige Summen im Millionenbereich bezieht. Vielmehr hat mich der Zeitpunkt der Enthüllungen überrascht. Statt ein Problem hat die Fifa jetzt zwei: Jenes um Gianni Infantinos fragwürdiges Handeln und nun auch noch das mit Blatter und den anderen Funktionären.

Bleiben wir bei Blatter: Er hat immer betont, er habe sich bei der Fifa nicht bedient. Das erscheint heute wie eine glatte Lüge.

Blatter hat nicht nur einmal in seinem Leben gelogen. Die Frage ist, was «bereichern» für ihn heisst. Ein unmoralischer Bezug ist allerdings noch kein illegaler Bezug. Was an den neuen Zahlen erschreckt, ist die Dimension. Aber auch das ist wenig überraschend: Die Fifa ist ein Selbstbedienungsladen. Da genehmigen sich die Verantwortlichen Millionen-Boni, obwohl sie nur ihre Pflicht erfüllen.

Sie haben den Zeitpunkt der Enthüllungen angesprochen.Wie ist dieser zu interpretieren?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die neusten Zahlen erst diese Woche ans Licht kamen. Die Spekulation ist erlaubt, dass Infantino einen Befreiungsschlag versuchte.
Infantino ist seit drei Monaten Präsident. Ist er bereits gescheitert?
Bis jetzt ist es eine miserable Amtszeit. Infantino ist als Hoffnungsträger gestartet, erfüllen konnte er keine der Erwartungen. Seine Aufgabe ist es eigentlich, eine Zeitenwende einzuläuten. Derzeit ist die Fifa davon weiter entfernt denn je.

Noch einmal: Ist Infantino gescheitert?

Es wird sehr schwierig für ihn, das Ruder noch herumzureissen. Infantino ist mit viel Kredit gestartet, den hat er so ziemlich komplett verspielt. Er hat Dinge gemacht, bei denen ich mich frage: Warum tut er das? Völlig ohne Not! Er muss in den nächsten Wochen liefern, sonst dürfte es das gewesen sein für Infantino.

Was sollte Infantino jetzt tun?

Er sollte endlich in Zürich, im Fifa-Haus bleiben und nicht dauernd in der Welt herumjetten. Er hat wahrlich wichtigere Dinge zu tun als den Papst zu besuchen. Man kann eine Revolution nicht nur mit blumigen Worten erwirken, man muss dafür auch etwas tun. Aber Infantino hat ein gewichtiges Problem: Er kommt nicht aus der Fifa und kennt die Leute dort nicht. Er läuft Gefahr, dass ihm der Laden bald um die Ohren fliegt. In der Fifa-Zentrale rumort es gewaltig.

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