WM-Kolumne
Es könnte ja so einfach sein: Die gastfreundlichen Russen zeigen es

Vor einigen Jahren war es sehr schwierig sich mit Leuten in der Sowjetunion zu unterhalten. Mittlerweile hat sich das Verhalten der Russen deutlich geändert. Das zeigt dass das Zusammenleben so einfach sein könnte.

Markus Brütsch
Markus Brütsch
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Die Menschen am Fan Fest in Samara

Die Menschen am Fan Fest in Samara

Keystone

Die Musik kommt näher. Und schon gleitet das Partyboot vorbei an den Gästen, die am Fluss auf der Terrasse einer Gartenbeiz sitzen und gerade dabei sind, einen frischen Zander oder sonst eine russische Köstlichkeit zu verspeisen. Oben auf dem Deck des Kahns tanzen ausgelassen junge Menschen zum rassigen russischen Sound einer Live-Band. Mehrere Male schon habe ich ein solches Schiff den gemächlich fliessenden Pregel hinuntertuckern gesehen.

Warum ich Ihnen das erzähle? Weil das heutige Russland so viel anders ist, so viel fröhlicher als die graue Sowjetunion, die ich zur Zeit des Kalten Krieges vor dreissig Jahren mit der Transsibirischen Eisenbahn durchquert habe. Wie schwierig war es doch damals, mit den Leuten in Kontakt zu treten! Kaum je wurde ein Blick erwidert. Am besten wegschauen, das
war die Devise der Einheimischen im Umgang mit den fremden Gästen.

Nicht, dass einem mit Feindseligkeit begegnet wurde, aber eingebläut war den Menschen schon, dass es besser ist, Distanz zu den Kapitalisten aus dem Westen zu halten. Und natürlich war es damals im Riesenreich verpönt, in der Sprache des Feindes, also auf Englisch, zu parlieren.

So blieb leider ganz oft die Kommunikation auf der Strecke, und es war schwierig bis unmöglich, abzuschätzen, wie es den Leuten in ihrem Leben so erging, welche Freuden sie hatten und welche Sorgen sie plagten.

Auch heute ist das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen wieder einmal reichlich angespannt. Doch das Problem, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, existiert gleichwohl überhaupt nicht mehr. Vor allem die Jungen besitzen nun längst Englischkenntnisse und scheuen sich nicht, sie zu erproben, anzuwenden und auch von sich zu erzählen.

Vor allem aber scheinen sie frei zu sein von Vorurteilen. Bis jetzt zumindest hat hier in Kaliningrad noch kein einziger Russe auch nur andeutungsweise zu verstehen gegeben, dass Westler unerwünscht sind – Sanktionen hin, Sanktionen her.

Die Leute sind freundlich, nett und ausgesprochen hilfsbereit. Sie freuen sich darüber, dass man nach Russland gekommen ist. Sie sind stolz auf ihre Stadt und fragen: Wie gefällt Ihnen Kaliningrad? Wie schmeckt Ihnen das russische Essen?

Dann denkt man sich: Das Miteinander auf diesem Planeten könnte doch so einfach sein. Warum aber kriegen es die Leute oben, an den Machthebeln der Politik, nicht auch auf die Reihe?