Wie schnell sich doch die Zeiten ändern. Gerade im Fussball. Noch im Sommer 2017 sagte Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann über Steven Zuber: „Ich habe selten einen Spieler trainiert, der so wissbegierig ist. Er gehört bei uns zu den drei professionellsten Spielern.“ Anderthalb Jahre später gehört Zuber nicht mehr dazu bei Hoffenheim. Anfang Januar vermeldete Stuttgart die leihweise Verpflichtung des Schweizer Internationalen. Warum der plötzliche Liebesentzug? „An unserer Gesprächsbasis hat sich nichts verändert. Nagelsmann hat mich nach wie vor oft gelobt. Aber er sah andere Spieler vor mir. Damit habe ich auch kein Problem“, so Steven Zuber im Gespräch mit dieser Zeitung.

Aber nette Worte allein reichen dem 27-jährigen Flügel nicht. „Ich habe meine Leistung immer gebracht, wenn ich gespielt habe. Aber mir genügt es nicht, dieses Gefühl zwei Mal im Monat zu haben, ich möchte das jedes Wochenende“, sagt Zuber selbstbewusst. Darum der Wechsel zu Stuttgart. Vom Kampf um die europäischen Plätze in den Abstiegssumpf. „Das spielt keine Rolle. Es geht mir um die Perspektiven, die ich hier habe. In Stuttgart sind die Chancen grösser, dass ich spielen kann. Nur so kann ich mich entwickeln.“

Bei Hoffenheim hat Zuber in der Vorrunde neun von 17 Bundesliga-Spielen bestritten. Allerdings hat er nur zwei Mal durchgespielt. Zudem stand er sieben Mal im Aufgebot, kam aber nicht zum Einsatz und einmal war er gar nicht im Kader. Zehn Tage vor Beginn der Rückrunde wurde sein Wechsel zu Stuttgart bekannt. Und obwohl Zuber zu diesem Zeitpunkt noch leicht verletzt war, stand er beim Auftakt sogleich in der Startformation. Genauso wie beim 1:4 gegen Bayern und zuletzt beim 2:2 gegen Freiburg.

Im Gegensatz zu Nagelsmann scheint ihm sein neuer Trainer, Markus Weinzierl, eine wesentlich offensivere Rolle zugedacht zu haben. Zuber: „Wir haben unter Nagelsmann sehr viele unterschiedliche Systeme gespielt. Ausser als Innenverteidiger und Torhüter kam ich auf praktisch jeder Position zum Zug. Oft habe ich mich nicht unbedingt wohl gefühlt. Aber ich habe das gemacht. Für die Mannschaft und den Trainer.“ Zuber ist tatsächlich vielseitig einsetzbar. Er aber sieht sich vor allem als Angreifer, obschon er unbestrittene Defensivqualitäten hat.

Seine Vielseitigkeit, gerade auch seine Verteidiger-Fähigkeiten, haben ihn in der Hierarchie der Nationalmannschaft nach oben gespült. Seit geraumer Zeit gehört er zur Stammelf von Vladimir Petkovic. Letzten Sommer hat er sich mit seinem Tor zum 1:1 gegen Brasilien verewigt. „Dieses Standing habe ich mir hart erarbeitet und darauf will ich aufbauen“, sagt Zuber. Ende März startet die Schweiz mit Spielen gegen Georgien und Dänemark in die EM-Qualifikation. Dann folgt im Juni das Finalturnier der Nations League in Portugal. Dort will man bestätigen, was man gegen Belgien gezeigt hat: Dass man grosse Mannschaften schlagen kann. Zuber: „Wir wollen den Titel holen.“

Steven Zubers Treffer gegen Brasilien

Vorerst aber geht es für den ehemaligen Hopper nicht um Titel, sondern in erster Linie um Punkte. Stuttgart ist abstiegsbedroht. Und weil Zuber keine halben Sachen kennt, ist er längst von Heidelberg nach Stuttgart umgezogen. Er sagt: „Alles andere wäre unprofessionell. Ich will mich voll und ganz mit der Stadt und dem Verein identifizieren können und das ist nur mit einem Umzug möglich.“ Die Wohnung in Hoffenheim aber behält er. Denn der Leihvertrag mit Stuttgart dauert nur vier Monate (ohne Kaufoption) und im Sommer kriegen die Hoffenheimer einen neuen Trainer (Marco Rose von RB Salzburg gilt als heisser Kandidat).

Nichts soll sich dagegen in seinem Privatleben verändern. Seit bald vier Jahren ist Steven mit Mirjana verheiratet. Die „Stuttgarter Zeitung“ freute sich nach Zubers Verpflichtung, dass seine Partnerin auch ein bisschen Glamour in die Stadt bringe. Sie war Miss Schweiz Kandidatin, modelt, nahm zuletzt an der Casting-Show „Sylvies Dessous Models“ teil. „Ich brauche eine Macherin an meiner Seite, eine starke Persönlichkeit“, sagt der Profi-Fussballer, „wir arbeiten beide hart für den Erfolg, helfen uns gegenseitig.“ Dabei war der Anfang eher holprig. Mirjana sagte einst, sie hätte ihn erst abblitzen lassen. Zuber schmunzelnd: „Das sind Gerüchte. Im Ernst: Ich habe sie in einer Bar getroffen und nach der Nummer gefragt. Sie hat anfänglich Nein gesagt. Aber ich habe sie dann so lange genervt, dass sie die Nummer doch noch rausrückte, bevor sie nach Hause ging.“ Mit derselben Hartnäckigkeit, die ihn auch auf dem Fussballplatz auszeichnet. ​