Der FC Zürich ist eine Cupmannschaft. In den letzten fünf Jahren hat er drei Mal den Final erreicht und diesen jeweils gewonnen. Überhaupt: In elf Endspielen musste er nur ein einziges Mal als Verlierer vom Platz; 1981 gegen Lausanne. Seine Bilanz nähert sich jener des FC Sion an, der von seinen 14 Finals auch nur einen verlor. Mit zehn Cupsiegen ist der FCZ hinter GC (19), Sion (13) und Basel (12) die Nummer vier.

Zum Lieblingsfinalgegner ist der FC Basel geworden, den er schon vier Mal in die Schranken wies. Dennoch geht der FC Zürich heute Abend im Letzigrund gegen die Basler als krasser Aussenseiter in den Halbfinal, in dem der Gegner von Thun am 19. Mai ermittelt wird. In den letzten zwanzig Pflichtspielen konnten sich die Zürcher ganze zwei Mal durchsetzen.

Was erstaunlich ist: 18 Mal standen sich der FCZ und der FCB bisher im Cup gegenüber, aber kein einziges Mal in einem Halbfinal. Vier Mal in einem Final, fünf Mal in einem Viertelfinal, acht Mal in einem Achtelfinal und einmal in einem Sechzehntelfinal. Von diesen 18 Partien gewann der FCZ 8t.

Die Ausgangslage vor diesem Klassiker ist so klar, dass selbst der FCZ-Trainer Ludovic Magnin fragt: «Wenn wir jetzt nicht der Aussenseiter sind, wann dann?» Während der FCB letztmals am 2. Dezember ein Pflichtspiel verlor, ist der FCZ in der Super League das zweitschlechteste Rückrundenteam, in der Offensive ist ebenfalls nur GC schlechter. In den letzten fünf Partien stellte er das Toreschiessen fast ganz ein und schoss nur ein Tor. Und nicht zu vergessen: Beim 2:1-Sieg im Viertelfinal gegen den Challenge-Ligisten Kriens mogelten sich die Zürcher mit einer schwachen Leistung in den Halbfinal.

Die Saison retten

Damit haben sie wie in der letzten Saison noch immer die Chance, eine in der Liga missglückte Spielzeit mit einem Cupsieg aufzupeppen. Vor einem Jahr haben sie den Spannungsabfall beim frischgebackenen Meister YB zum Titelgewinn genützt, dieses Mal steht aber mit dem FCB eine Mannschaft auf der Matte, für die der Cup fast noch mehr als für den FCZ die Möglichkeit ist, die Saison zu retten.

Die Zürcher haben ja immerhin eine gute Europa-League-Kampagne bestritten. Mit dem 3:2-Sieg über Bayer Leverkusen als Highlight. Allerdings scheint es Magnin allmählich zu nerven, wenn er immer wieder auf den bisherigen Saisonhöhepunkt angesprochen wird. «Wir haben auch andere gute Spiele gemacht.» Er erinnert an ein 5:2 in Luzern.

Keine Durchschlagskraft

Es ist Magnins Pflicht, auch das Positive zu suchen. So stellt er seiner Defensive ein ordentliches Zeugnis aus: «Sie ist noch immer stabil.» Und was er auch noch zu loben weiss: «Die Mannschaft trainiert seriös und gut.» Aber eben: Sie scheitert dabei, die Trainingsleistungen im Spiel zu bestätigen.

Vor allem der Mangel, sich auf den letzten dreissig Metern vor dem Tor durchzusetzen, liegt Magnin auf dem Magen. Ein Thema, das sich wie ein roter Faden über die letzten sechs Monate zieht. Eine Lösung hat der Jungtrainer aber noch nicht gefunden. Sein starker Heuschnupfen ist aktuell noch sein kleinstes Problem.

Magnin macht nicht auf Schönfärberei und jammert auch nicht über das Verletzungspech. Er sagt: «Das Glas ist weniger als nur halb voll. Wir sind in einer Negativspirale. Nach dem 0:3 in Lugano war der Xamax-Sieg gegen YB ein weiterer Rückschlag.» Der FCZ liegt in der Meisterschaft nur noch zwei Punkte vor dem Barrageplatz. Mit einem Sieg über Basel könnte er Moral für die Liga tanken.

Magnin hat diese Woche zur Woche der Wahrheit ausgerufen, der Anfang ist aber schon mal misslungen. «Der Ligaerhalt ist wichtiger als der Cupsieg», sagt der 40-Jährige. Er weiss: 2016 wurde der FCZ Cupsieger, stieg aber in die Challenge League ab. «Wir dürfen den Mut nicht verlieren, das ist das Wichtigste.» Und seine Vorgesetzten, Präsident Ancillo Canepa und Sportchef Thomas Bickel, die Geduld nicht mit ihrem Trainer. Sie sagen, Magnin sei kein Thema. Aber eben, solche Sätze sind im Fussball gang und gäbe – die späteren Entlassungen auch.

Heute Abend muss der FCZ seinen Cup-Pokal dem Verband für den Final zurückgeben. «Ich hoffe, in einem Monat ist er wieder bei uns», sagt Magnin.