England

David Moyes brachte Manchester United aus der Spur

Moyes, der vor seinem Wechsel nach Manchester gut elf Jahre erfolgreich bei Everton gearbeitet hatte, scheiterte krachend

Moyes, der vor seinem Wechsel nach Manchester gut elf Jahre erfolgreich bei Everton gearbeitet hatte, scheiterte krachend

Am 22. April 2014 wird David Moyes nach zehn Monaten als Trainer von Manchester United entlassen. Sowohl der Schotte als auch der englische Rekordmeister kommen seither nie mehr richtig in die Gänge.

Sogar die Börse an der New Yorker Wall Street nahm den Personalentscheid aus Manchester im Frühjahr 2014 wohlwollend zur Kenntnis. Am Tag der Freistellung von David Moyes wenige Tage vor dessen 51. Geburtstag stieg die Aktie zwischenzeitlich auf 19 Dollar und notierte damit so hoch wie nie während der kurzen Ära des Nachfolgers von Alex Ferguson.

Moyes, der vor seinem Wechsel nach Manchester gut elf Jahre erfolgreich bei Everton gearbeitet hatte, scheiterte krachend. In der Champions League schied Manchester United in den Viertelfinals aus. Und in der Meisterschaft lag der Titelverteidiger nur auf Rang 7 und beendete damit eine Saison so schlecht klassiert wie noch nie seit der Gründung der Premier League 1992, womit die "Red Devils" erstmals nach 19 Jahren wieder den Einzug in die Königsklasse verpassten.

"Es gibt nur wenige, die nicht Moyes als Hauptarchitekten des Absturzes sehen. Aber er war bei weitem nicht der einzige Schuldige in einer Komödie von Fehlern, die Englands grössten Klub innerhalb von zehn tumultartigen Monaten vom Meister zum Versager werden liess", schrieb die Zeitung "The Guardian". Das Tischtuch zwischen Moyes und den Spielern war nach Ansicht des Boulevards schon früh zerschnitten gewesen. Laut "The Sun" soll der Trainer beim 1:4 (0:2) im Derby auswärts gegen Manchester City am 22. September 2013 in der Pause folgende Worte an seine Spieler gerichtet haben: "Das ist noch nicht einmal ein Duell Männer gegen Buben - sondern ein Duell Männer gegen Mädchen."

"Lose-Lose"-Situation

Das Engagement bei Manchester United führte zum Bruch in der Karriere von Moyes, der nach Arsène Wenger, Alex Ferguson und Harry Redknapp am meisten Premier-League-Spiele als Coach absolviert hat (536). Das Abenteuer in der spanischen Liga bei Real Sociedad San Sebastian endete nach einem Jahr (2015), mit Sunderland stieg der frühere Innenverteidiger aus der Premier League ab (2017). Ende des letzten Jahres kehrte er zum abstiegsbedrohten West Ham United zurück. Mit den "Hammers" hatte Moyes 2018 zwar den Klassenerhalt geschafft, der Vertrag war danach aber nicht verlängert worden. Seine Aussage im Dezember 2017, er sei fähig, jeden Verein der Welt zu trainieren, sorgte im Kreis der Manchester-Fans für Hohn und Spott.

Auch Manchester United fand nach dem Absturz unter Moyes nie mehr in die Spur zurück. Louis van Gaal und José Mourinho scheiterten ebenso wie Moyes am Erbe von "Sir" Alex Ferguson. Unter dem Niederländer Van Gaal gewann die United zwar zum zwölften Mal den FA Cup, unter Mourinho den Ligacup und erstmals die Europa League, doch auch die beiden Exzentriker vermochten nicht annähernd an die Erfolge der Ära Ferguson anzuknüpfen. 13 Meistertitel, 2 Champions-League-Trophäen, 5 FA-Cups, der Sieg im Cup der Cupsieger 1991 und 21 Top-3-Klassierungen in Folge in der Premier League lautet die herausragende Bilanz der 27 Jahre dauernden Ära von Ferguson im Old Trafford.

Auch unter dem Norweger Ole Gunnar Solskjaer, dem Siegtorschützen in der Nachspielzeit im legendären Champions-League-Final 1999 gegen Bayern München, bleibt der ehemals umsatzstärkste Verein der Welt hinter seinen Ansprüchen zurück. In der Liste des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Deloitte ist Manchester United mit 711,5 Millionen Euro Umsatz in der Saison 2018/19 hinter den FC Barcelona und Real Madrid nur noch die Nummer 3. Auch in der laufenden Saison droht - falls diese fertig gespielt werden kann - das Verpassen der Champions League; zum vierten Mal in den letzten sieben Jahren. Der Aktienwert ist im ersten Quartal 2020 um rund ein Viertel eingebrochen - aber nicht wegen der mässigen Resultate oder einem Personalentscheid, sondern aufgrund der Coronavirus-Pandemie.

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