Erst ein paar Stunden zuvor hat der FC Sion die Einladung für diese Pressekonferenz verschickt. Der Anlass dazu: der Angriff seines Präsidenten auf den Fussballexperten Rolf Fringer.

Am Abend zuvor, nach dem Super-League-Spiel in Lugano, hatte Christian Constantin den Teleclub-Mitarbeiter geohrfeigt und, als dieser am Boden lag, auch noch getreten. Ein Skandal erster Güte und ein gefundenes Fressen für die Medien in aller Welt.

Constantin ist gut gekleidet. Er trägt modisch ein Foulard, obwohl es ziemlich warm ist im Untergeschoss des Hotels Porte d’Octodure. Aber er hatte wohl geahnt, wie viele Fernsehkameras vor ihm aufgebaut werden würden.

Keine Reue, keine Einsicht

In Lugano hatte er gleich nach seiner Attacke auf den perplexen Fringer ein erstes Interview gegeben. Es war deutlich spürbar gewesen, wie aufgewühlt er war und wie verzweifelt er versucht hatte, sein Vergehen mit fester Stimme zu rechtfertigen. «Das ist zwar nicht die feine Art eines Präsidenten», hatte er gesagt, «aber ich musste mich wehren. Ich schlug ihn und trat ihm in den Hintern. Es fühlte sich gut an.»

Hatte er nun die Presse ins Wallis bestellt, um sich öffentlich bei Fringer zu entschuldigen? Vielleicht sogar als Präsident des FC Sion zu demissionieren? Immerhin hatte er ja bereits am Morgen seine Funktionen als Vizepräsident des Organisationskomitees bei der Sittener Kandidatur für die Olympischen Spiele 2026 niedergelegt.

Weit gefehlt. Constantin hat sich bestens vorbereitet, und wie er so zu den Medien spricht, ist von einer Verunsicherung nichts mehr zu spüren. Schliesslich hat er jetzt auch ein richtiges Heimspiel, denn das Hotel gehört ihm, dem 300-fachen Millionär. «Ich habe mich zwar nicht besonders intelligent angestellt, aber das Ganze hat eine Vorgeschichte», sagt der Präsident.

«Begonnen hat es 2009 im Cuphalbfinal zwischen Sion und Luzern, als Fringer noch Trainer war und das Tourbillon als Irrenhaus bezeichnete.» Richtig schlimm geworden seien dessen Äusserungen aber in den letzten Teleclub-Sendungen.

Und Constantin liess ein Video abspielen, in dem er von Fringer als «Narzisst» bezeichnet wird und als Mann ohne Empathie. In Lugano hatte er dann offenbar den Moment der Rache als für gekommen erachtet, nachdem Fringer zuerst vom Präsidentensohn Barthélémy verbal angegangen worden war.

Den Schock verdauen

Fringer sagte noch am selben Abend: «Ich habe seine Art und seinen Führungsstil sicher das eine oder andere Mal kritisiert. Aber immer im sachlichen Rahmen.» Er gehe davon aus, dass er Strafanzeige wegen Körperverletzung einreichen werde. «Aber ich muss jetzt erst einmal diesen Schock verdauen.»

Das gilt natürlich auch für die Swiss Football League und den Sender Teleclub. Dieser ist der wichtigste Partner der SFL. Programmleiterin Claudia Lässer sagte: «Der Vorfall macht uns sehr betroffen. Es ist absolut inakzeptabel, dass ein Medienschaffender während seiner Arbeit tätlich angegriffen und angegangen wird.» Lässer betonte, dass die Journalisten zwingen vor solchen Übergriffen geschützt werden müssten.

Claudius Schäfer, der CEO der Liga, bestätigte, dass ein Verfahren gegen Constantin eingeleitet werde. «Auf den TV-Bildern sieht man nicht die ganze Szene. Aber es gibt ein Statement von Constantin, in dem er die Szene explizit schildert, daher scheint der Fall relativ klar», sagte Schäfer. «Und klar ist: Physische Gewalt ist aufs Schärfste zu verurteilen. Physische Gewalt können wir nicht tolerieren.»

Schon einmal war Constantin aber genau deswegen aufgefallen. 2004 hatte er in einem Cupspiel in Kriens den Linienrichter attackiert und Jahre später zu einer 30-monatigen Sperre verurteilt worden. Die dann auf drei (!) reduziert wurde.

Der Basler Sportrechtexperte Martin Kaiser sieht in Fringers Aussagen schon auch einen persönlichen Angriff auf Constantin und den Tatbestand der üblen Nachrede oder Beschimpfung möglicherweise als erfüllt an.

«Aber strafrechtlich ist der Fall insgesamt nichts Dramatisches», sagt Kaiser. Er fragt sich allerdings, weshalb Constantin nicht versucht habe, auf zivilrechtlichem Weg eine vorsorgliche Verfügung zu erwirken, die Fringer untersagt hätte, sich im Teleclub über den Präsidenten zu äussern.» Das wäre der juristisch korrekte Weg gewesen im Zusammenhang einer möglichen Persönlichkeitsverletzung.

Markus Lüthi rät derweil, den Ball flach zu halten. «Die Parteien sollten sich an einen Tisch setzen und den Streit ausräumen», sagte der Präsident des FC Thun.

Das dürfte ein frommer Wunsch bleiben. Constantin erweckt nicht den Eindruck, bereit für eine Entschuldigung zu sein. «Wofür? Ich habe ihn ja nicht verletzt und wollte das auch nicht», fragt er zurück. Fringer aber müsse nun endlich aufhören mit diesen Diffamierungen.

Er habe deshalb ja selber eine Klage gegen diesen eingereicht. Schon vor dem Lugano-Spiel», sagt Constantin. Und betont, wie gelassen er sei, weil er ja nichts zu befürchten habe.
Man fragt sich, ob die Schweisstropfen an seinem Nacken nur auf das Foulard zurückzuführen sind, oder ob es ihm doch nicht ganz so wohl in seiner Haut ist.