Im Baskenland spielen schon die Schulkinder Pelota. Dieses baskische Nationalspiel, bei dem ein Ball mit der flachen Hand gegen eine Wand gespielt wird, ähnelt dem Squash. Da die Bälle hart und schwer sind, ist es unmöglich, sie mit der Rückseite der Hand zu spielen.

Dies hat zur Folge, dass Pelotaspieler immer beidhändig spielen müssen. Pelota zwingt einen nicht nur, beide Hände gleich gut auszubilden, es fördert auch das räumliche Vorstellungsvermögen. Ähnlich wie Fussballtorhüter müssen Pelotaspieler rasch entscheiden, ob sie dem Ball entgegenlaufen oder ob sie lieber auf den Ball warten.

Manche Experten behaupten, dieser baskische Volkssport sei die beste Grundschule für künftige Fussballgoalies. Deswegen mag es kein Zufall sein, dass in Spanien überdurchschnittlich viele Goalie-Legenden aus dem Baskenland stammen.

José Àngel Iribar aus Zarautz, genannt «die Pappel», war der Goaliestar der 1960er- und frühen 1970er-Jahre. Bald danach kam die Zeit von Luis Arconada aus San Sebastian. Er hütete von 1977 bis 1985 das Tor der spanischen Nationalmannschaft und gewann mit Real Sociedad zwei Meisterschaften. Auf Arconada folgte der Baske Andoni Zubizarreta aus Vitoria, der zwischen 1980 und 1998 in Bilbao, Barcelona und Valencia spielte und dabei als schier unbezwingbar galt.

Genau wie die drei erwähnten Legenden des baskischen und des spanischen Fussballs, hat auch der junge Kepa Arrizabalaga aus dem baskischen Küstenort Ondarroa in seiner Kindheit Pelota gespielt. Vor zwei Jahren wurde Kepa Arrizabalaga, den alle nur Kepa nennen, zum Stammgoalie von Athletic Bilbao.

Und jetzt, im zarten Goalie-Alter von 23, hat ihn der FC Chelsea aus London zum teuersten Torhüter der Fussballgeschichte gemacht. Die Engländer überwiesen Bilbao 80 Millionen Euro für einen Mann, der erst ein einziges Länderspiel bestritten hat, der jedoch, wie vor ihm Iribar, Arconada oder Zubizarreta, das Potenzial zur Legende hat.

Kepa ist ein bescheidener Junge, aus einem bescheidenen Dorf. Dass er jetzt der teuerste Goalie ist, dürfte ihn nicht daran hindern, an freien Tagen mit seinen alten Schulfreunden ein bisschen Pelota zu spielen, beidhändig natürlich.