Fussball
Sextape-Affäre holt Real-Star Karim Benzema ein

Hat der französische Fussballstar Karim Benzema bei einem Erpressungsversuch gegen einen Mitspieler mitgemacht? Diese Frage versucht ein Gericht in Versailles ab Mittwoch zu beantworten.

Stefan Brändle, Paris
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Am Mittwoch muss sich Real-Madrid-Star Benzema in Paris der Justiz stellen.

Am Mittwoch muss sich Real-Madrid-Star Benzema in Paris der Justiz stellen.

Keystone

Sportlich lief es bei Karim Benzema noch selten so rund wie heute: Mit Real Madrid führt der 33-jährige Franzose die spanische Torschützenliste an, und auch in der französischen Nationalelf schiesst das einstige Enfant Terrible nach seiner langwierigen Rückkehr wieder Tore – Traumtore. Nicht von ungefähr gilt er als Favorit für den prestigereichen Titel des Ballon d’Or für den besten Fussballer des Jahres.

Valbuena vor Ort, Benzema im Einsatz

Am Mittwoch muss Benzema aber erstmal vor einem Gericht in Versailles (westlich von Paris) antraben. Dort holt ihn eine sieben Jahre alte Affäre um ein Video mit privaten Sexszenen ein. Mehrere Personen aus dem Fussballmilieu sollen den früheren Nationalspieler Mathieu Valbuena (37) mit dem Filmausschnitt erpresst haben. Fünf Personen sind angeklagt, darunter Benzema als Mittäter. Ihm drohen fünf Jahre Haft und eine Busse von 75 000 Euro. Der Prozess beginnt am Mittwoch und dauert drei Tage. Valbuena, heute Mittelfeldspieler beim griechischen Klub Olympiakos Piräus, will anwesend sein. Anders als Benzema, der am Dienstagabend in der Ukraine ein Spiel der Champions League auf dem Programm hat.

Valbeuna (links) und Benzema (rechts) während der WM 2014 in Brasilien.

Valbeuna (links) und Benzema (rechts) während der WM 2014 in Brasilien.

Keystone

Der Sachverhalt der Erpressung steht ausser Zweifel. Valbuena hatte einen Bekannten 2014 gebeten, die Telefonliste auf seinem Handy zu synchronisieren. In der Folge geriet allerdings auch ein auf dem Gerät befindliches Sexvideo in Umlauf. Valbuena schaltete die Justiz ein und sie liess diverse Telefonlinien abhören. Aus ihnen geht hervor, dass Benzema von einem aus dem Gefängnis entlassenen Jugendfreund angehalten wurde, auf Valbuena einzuwirken. Benzema riet darauf seinem Mitspieler – der grosse Stück auf ihn hielt – am Rande eines Spiels, die Sache zu einem guten Ende zu bringen. Ob er ihn auch zum Bezahlen anhielt, ist umstritten. Benzemas Anwalt erklärte laut Pariser Medien, sein Klient habe Valbuena nur mit den Worten warnen wollen: «Pass auf, mir ist das auch passiert.»

Benzema erneut in der Opferrolle?

Die Justiz eröffnete gegen Benzema 2015 ein Strafverfahren wegen «Beihilfe zu Erpressung». Nationaltrainer Didier Deschamps berief darauf weder ihn noch Valbuena. Benzema erklärte einer spanischen Zeitung, Deschamps folge offenbar dem «rassistischen Teil Frankreichs», wenn er ihn nicht mehr aufbiete. Schon in einer Prostituieren-Affäre namens Zahia sei er durch den Dreck gezogen, schlussendlich aber freigesprochen worden. Sein Verteidiger stellte die ganze Ermittlung in Frage, da die Polizei den Erpressern eine unredliche Falle gestellt habe. Der französische Kassationshof billigte dieses Vorgehen aber 2019 und gab grünes Licht für den Prozess.

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