Kommentar
Ein Tag der Freude für den Schweizer Frauenfussball – aber auch ein Denkzettel

Das Schweizer Frauen-Nati gewinnt gegen Tschechien 3:2 nach Penaltyschiessen und qualifiziert sich für die EM-Endrunde 2022 in England. Die Schweizerinnen haben im entscheidenden Moment die Nerven behalten.

Etienne Wuillemin
Etienne Wuillemin
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Jubel bei den Schweizer Frauen nach dem gewonnenen Penaltyschiessen.

Jubel bei den Schweizer Frauen nach dem gewonnenen Penaltyschiessen.

Bild: Alessandro Della Valle / Keystone (Thun, 13. April 2021)

Es ist vollbracht. Im Sommer 2022 werden die Schweizer Fussballerinnen zum zweiten Mal nach 2017 an einer Europameisterschaft teilnehmen. Die Qualifikation in letzter Sekunde im Penaltyschiessen war zwar ein Krampf. Aber das Team hat den Beweis erbracht, im entscheidenden Moment die Nerven zu behalten. Das ist wichtig, um die Dämonen der negativen Erlebnisse aus der Vergangenheit loszuwerden.

Ein Lob gebührt Trainer Nils Nielsen. Er hat es geschafft, das Nervenflattern und die Unsicherheiten im Team akkurat zu moderieren. Dass sein Stil, der von vielen Freiheiten geprägt ist, ankommt, überrascht nicht. Umso wichtiger, dass er auch erfolgreich ist. Gerade bei einer Gruppe, in der auf dem Rasen allzu rasch Hektik ausbricht, wenn Widerstände auftauchen. Das war auch in der Barrage augenfällig.

Der Dienstagabend ist also ein Tag der Freude für den Schweizer Frauenfussball. Aber auch ein Denkzettel. Das EM-Out war nahe. Und die Herausforderungen bleiben gross. Die letzten Jahre waren von Stagnation geprägt, nicht von Fortschritt. Viele Länder haben die Schweiz überholt. Nun ist es Zeit, dass die Vereine Mädchen und Frauen besser integrieren. Zeit, dass die Aussicht auf ein Profileben für Talente besser wird. Passiert das nicht, ist die Freude über die EM-Qualifikation rasch verflogen.